Samsung Fernseher zeigen immer mehr Werbung – und verdienen Milliarden

von | 02.06.2016 | Tipps

Im Internet wird uns praktisch überall Werbung unter die Nase gerieben. Im Privat-Fernsehen auch. Wie schön, wenn man ein Smart-TV zu Hause stehen hat, denn damit kann man Serien streamen und Filme anschauen – ohne Werbe-Unterbrechung. Zumindest sollte es so sein. Doch die Realität sieht längst anders aus. Samsung und andere Hersteller haben ihre Fernseher zu regelrechten Werbeschleudern umfunktioniert – und das Geschäft läuft prächtig.

Smart-TV-Werbung: Aus dem Experiment wurde ein Milliardengeschäft

Was 2015 als zaghafter Test in den USA begann, ist inzwischen zu einem der profitabelsten Geschäftszweige der TV-Hersteller geworden. Samsung generiert mittlerweile über 7 Milliarden Dollar jährlich mit Werbung auf seinen Smart-TVs – das ist mehr als der Gewinn aus dem Verkauf der Geräte selbst. Auch in Europa ist diese Praxis längst Standard geworden.

Die Werbung erscheint nicht nur im Menü-Bereich, sondern hat sich zu einem ausgeklügelten System entwickelt. Samsung Ads, die hauseigene Werbeplattform, sammelt detaillierte Daten über euer Sehverhalten und spielt personalisierte Anzeigen aus. Dabei werden nicht nur die genutzten Apps erfasst, sondern auch Sehzeiten, bevorzugte Genres und sogar Pausenverhalten analysiert.

Samsung, Modellreihe R81

Neue Formen der TV-Werbung: Wenn der Fernseher mitdenkt

Die heutigen Smart-TVs sind wahre Überwachungsmaschinen geworden. Samsung setzt auf „Automatic Content Recognition“ (ACR) – eine Technologie, die kontinuierlich analysiert, was ihr guckt. Selbst bei linearem TV-Programm wird der Bildschirminhalt in Echtzeit erkannt und mit einer Datenbank abgeglichen.

Das ermöglicht völlig neue Werbeformen: Schaut ihr eine Kochsendung, erscheinen Anzeigen für Küchengeräte. Bei einem Krimi werden euch True-Crime-Podcasts vorgeschlagen. Die Werbung wird dabei geschickt in die Benutzeroberfläche integriert – als „Empfehlungen“ oder „ähnliche Inhalte“ getarnt.

Besonders perfide: Die sogenannte „Overlay-Werbung“ unterbricht mittlerweile auch kostenpflichtige Streaming-Dienste. Netflix-Nutzer berichten von Pop-ups, die während des Streamings erscheinen – obwohl sie bereits für werbefreies Streaming bezahlen.

Fernsehen

Die Konkurrenz schläft nicht: LG, Sony und Co. ziehen nach

Samsung ist längst nicht mehr allein. LG hat mit webOS seine eigene Werbeplattform aufgebaut, die ähnlich aggressiv vorgeht. Das Unternehmen verspricht Werbetreibenden „unvermeidbare“ Anzeigen, die nicht übersprungen werden können.

Sony setzt auf „intelligente“ Werbung, die sich an die Tageszeit anpasst. Morgens werden Kaffee-Werbungen bevorzugt, abends erscheinen Anzeigen für Lieferdienste. Auch deutsche Hersteller wie Grundig (mittlerweile türkisch) und Telefunken sind auf den Zug aufgesprungen.

Besonders dreist: Viele Hersteller verkaufen ihre Geräte inzwischen bewusst günstiger, weil sie mit der späteren Werbung mehr verdienen als mit dem Geräte-Verkauf. Ihr zahlt also nicht nur für den Fernseher, sondern werdet auch noch zur Ware gemacht.

Datensammlung ohne Grenzen: Was euer Smart-TV wirklich über euch weiß

Moderne Smart-TVs sind Datensammel-Maschinen. Sie erfassen nicht nur, was ihr schaut, sondern auch wann, wie lange und mit welcher Lautstärke. Viele Geräte zeichnen über die eingebauten Mikrofone sogar Gespräche im Wohnzimmer auf – angeblich nur für die Sprachsteuerung.

Samsung gibt diese Daten an über 1.000 Partner weiter, darunter Werbefirmen, Marktforscher und Datenbroker. Die Datenschutzerklärung umfasst mittlerweile über 6.000 Wörter – mehr als diese Artikel. Kein Wunder, dass kaum jemand sie liest.

Besonders problematisch: Viele Smart-TVs erstellen „Haushaltsprofile“, die mehrere Personen erfassen. Wenn Kinder fernsehen, werden auch deren Daten gesammelt – oft ohne Zustimmung der Eltern.

Gegenwehr ist möglich: So könnt ihr euch schützen

Ihr müsst das Datensammeln nicht widerspruchslos hinnehmen. In den Einstellungen der meisten Smart-TVs könnt ihr die Werbepersonalisierung deaktivieren. Bei Samsung findet ihr diese Option unter „Allgemein“ > „Datenschutz“ > „Anpassung von Werbeanzeigen“.

Noch effektiver: Trennt den Fernseher komplett vom Internet und nutzt externe Geräte wie Apple TV, Amazon Fire TV oder eine Nvidia Shield. Diese sammeln zwar auch Daten, aber ihr habt mehr Kontrolle und könnt gezielter Einstellungen vornehmen.

Ein radikaler, aber wirkungsvoller Ansatz: Kauft bewusst „dumme“ Fernseher ohne Internet-Funktionen. Diese werden wieder häufiger angeboten, da viele Verbraucher die Überwachung satt haben.

Die Zukunft: Noch mehr Werbung, noch weniger Kontrolle

Die Entwicklung geht in eine beunruhigende Richtung. Samsung und LG experimentieren bereits mit KI-gestützter Werbung, die eure Emotionen anhand von Gesichtsausdruck und Körpersprache erkennen soll. Zukünftige Fernseher könnten sogar merken, wenn ihr traurig seid, und entsprechende „Aufmunterungsprodukte“ bewerben.

Auch Augmented Reality wird getestet: Werbung, die sich nahtlos in TV-Sendungen einfügt und so real aussieht, dass ihr sie kaum von echten Inhalten unterscheiden könnt.

Die EU arbeitet an strengeren Regeln für Smart-TV-Werbung, aber die Hersteller sind meist schneller als die Regulierer. Bis echte Verbesserungen kommen, liegt es an euch, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen und eure Daten zu schützen. Euer Fernseher sollte euch dienen – nicht umgekehrt.

Zuletzt aktualisiert am 08.04.2026