Apples Smartwatch misst den Puls – und das iPhone registriert jede Bewegung. Wer nun auch noch Fitness Tracker oder Health-Geräte mit dem Smartphone verbindet, sammelt eine Menge Gesundheitsdaten. Die sollen im Smartphone sicher gespeichert sein. Doch jetzt interessiert sich Apple für die Daten: Zwar anonymisiert, aber immerhin. Die ersten Begehrlichkeiten sind geweckt.

Persönliche Daten heißen so, weil sie eigentlich persönlich sind. Doch länge haben wir uns daran gewöhnt, dass andere auch viel über uns wissen wollen. Wenn zum Beispiel ein Onlinedienst oder Game-Anbieter weiß, wo wir mit dem Smartphone in der Hand Pokémons jagen, mag das für die meisten von uns noch nicht sonderlich aufregend sein. Akzeptieren wir.

Wenn es allerdings um unsere intimsten Daten, die Gesundheitsdaten geht, sieht die Sache schon anders aus: Ich kenne kaum jemanden, der sich nicht ganz genau überlegen würde, wem er Daten über seine Fitness und Gesundheit anvertraut.

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Fitnessdaten nach Cupertino

Genau daran hat Apple aber jetzt Interesse. Schon seit einigen Jahren sammelt das iPhone auf Wunsch Fitnessdaten, vor allem über den Puls und damit über die Herzgesundheit. Aber auch andere Daten lassen sich im Smartphone sammeln, sofern man entsprechende Gesundheitsgeräte mit seinem iPhone koppelt. Bislang sind diese Daten stets im Smartphone geblieben. Doch das neue iOS10, das sich derzeit noch in der Entwicklung befindet (Betaphase), erfragt beim ersten Start der Health-App, ob diese Daten nicht an Apple übermittelt werden dürfen.

Angeblich sollen die Daten ausschließlich dazu dienen, die Health-Funktionen in iOS zu verbessern – und sie sollen auch nicht personenbezogen gespeichert werden. Jedenfalls sollen keine Rückschlüsse auf einzelne User möglich sein. Das mag ja sein, doch es macht sich ein mulmiges Gefühl breit, wenn zum Beispiel Informationen über Stehzeiten, Gehminuten, Laufzeiten, zurückgelegte Strecken oder Höhenmeter sowie selbstgesteckte Ziele plötzlich nicht mehr nur in der Apple Watch stecken, sondern in die Cloud geschickt werden.

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Größtes Fitness-Labor der Welt

Möchte man das? Die meisten wohl eher nicht. Auch wenn Apple die Daten derzeit noch anonymisiert verarbeitet, so handelt es sich doch um einen Dammbruch. Die User werden daran gewöhnt, die Gesundheitsdaten zu übertragen. Apple hat eines der größten Fitness-Labors der Welt, wie das kalifornische Unternehmen dem US-Sender ABC verraten hat. Hier werden Fitnessdaten auf freiwilliger Basis gesammelt – um die Health-Funktionen in iOS testen und weiter entwickeln zu können.

Jetzt will Apple also noch mehr Daten. Warum? Was ist das langfristige Ziel? Wie sicher sind die Gesundheitsdaten in iOS, Android und Windows eigentlich? Es gibt immer mehr Minigeräte, die man mit seinem Smartphone koppeln kann, etwa um EKGs zu machen, Blutdruck zu messen, den Blutzucker zu ermitteln und vieles andere mehr. Solche Daten seinem Arzt zu übermitteln ist in Ordnung, aber man möchte sicher nicht, dass die Daten mehr oder weniger frei zugänglich sind.

Der Gesetzgeber sollte unsere Gesundheitsdaten ganz besonders schützen. Solche Daten dürfen nicht einfach so rausgegeben werden. Sie sollten einem besonderen Schutz unterliegen.