Online-Werbung ist ein riesen Geschäft: Google, Facebook, Microsoft und viele andere Onlinekonzerne verdienen sehr gut daran und damit. Sie brechen jedes Quartal neue Umsatzrekorde. Trotzdem gibt es ein Haar in der Suppe – und zwar Werbeblocker.

Das sind Miniprogramme für den Rechner oder das Smartphone, die Onlinereklame ausblenden. Das scheint praktisch für den Nutzer, der werbefrei surfen kann – kostet die Betreiber der Webseiten und Onlineangebote aber erhebliche Umsätze. Immer mehr Anbieter wehren sich aktiv dagegen. Jetzt auch Facebook.

Adblocker wie Adblock Plus sind vielen Verlagen ein Dorn im Auge, sie ziehen sogar vor Gericht dagegen. Jetzt wehrt sich auch Facebook mit technischen Mitteln gegen die Werbeblocker.

Was genau hat Facebook vor?

Facebook hat angekündigt, Werbeblocker künftig mit geeigneten technischen Mitteln auszuhebeln. Technisch grundsätzlich kein Problem: Man kann als Webanbieter erkennen, ob ein Werbeblocker aktiv ist und entsprechend darauf reagieren. Facebook hat die nötigen Ressourcen, um die Tricks aller gängigen und wichtigen Werbefilter zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Facebook; Rechte: Pixabay

Wo wird die Werbung denn ausgeknipst? Auf dem Desktop – oder auf Mogilgeräten?

Das betrifft erst mal nur das Facebook-Angebot auf Desktop-Rechnern, da hier sehr viel mehr AdBlocker zum Einsatz kommen als auf Mobilgeräten. Zwar gibt es mittlerweile auch AdBlocker-Apps für Mobilgeräte, allerdings werden sie hier deutlich weniger und seltener eingesetzt. Facebook verspricht sich davon mehr Werbeeinnahmen.

Smartphone über den Wolken

Smartphone über den Wolken

 

Allerdings setzt Facebook nicht nur darauf, AdBlockern das Leben schwer zu machen, sondern will auch den Usern mehr Kontrollmöglichkeiten geben. Welche?

Facebook räumt ein, dass es bei Facebook noch zu häufig Werbung gebe, die wir nicht sehen wollen, etwa weil sie relevante Inhalte verdeckt oder für Produkte wirbt, die uns nicht interessieren. Wer keine Katze hat, sollte auch keine Werbung für Katzenfutter präsentiert bekommen – so das Ziel.

Deshalb haben Facebook-User künftig die Möglichkeit, noch präziser zu bestimmen, welche Themen sie interessieren und welche nicht. Das bedeutet: Noch mehr Einstellmöglichkeiten für die User. Sie können (freiwillig) Angaben machen, zu welchen Themen sie Onlinereklame akzeptieren wollen. So etwas kennen Google-Nutzer bereits: Google hat schon vor Monaten die Möglichkeit eingeführt, sich für bestimmte Themen oder Produkte auszutragen – so dass keine entsprechende Werbung mehr erscheint.

AdBlock Plus

Für Facebook wird die App immer wichtiger – in welche Richtung werden die Werbeformate denn hier gehen?

Klarer Trend: Video. Facebook und auch das zum Facebook-Konzern gehörende Instagram setzen voll auf Videos. Wer Videos anzubieten hat, wird von Facebook und Instagram bevorzugt. Mittlerweile können Werbetreibende auch Werbevideos auf Instagram einstellen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Facebook ähnlich konsequent wie YouTube vor den Videos Werbung abspielt – eine bislang noch völlig ungenutzte Einnahmequelle auf Facebook. Auf Instagram hingegen gibt es bereits Werbevideos zu sehen.

Das Kalkül von Facebook ist ja einfach: Wenn wir es den Anwendern so angenehm wie möglich machen, wenn sie in erster Linie Werbung sehen, die sie auch interessiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Werbung angeschaut und auch angeklickt wird. Das erhöht letztlich die Umsätze.

 

Werbeblocker wie AdBlock Plus stehen ja derzeit generell in der Kritik, zumindest gehen viele Medienhäuser dagegen vor. Was ist denn da der Stand der Dinge?

Im Rechtsstreit zwischen dem Kölner Anbieter der Blockade-App Eyeo und der Axel Springer SE hatte zuletzt das Oberlandesgericht Köln kürzlich entschieden, dass Werbeblocker zwar grundsätzlich zulässig sind. Allerdings hat das Gericht die Praxis von Eyeo untersagt, Geld dafür zu verlangen, damit Werbetreibende auf eine Liste mit “akzeptabler Werbung” aufgenommen werden.

Genau dieses Vorgehen kritisierten Facebook-Manager jetzt. “Diese Praxis sorgt bestenfalls für Verwirrung, senkt aber auch die Mittel, die zur Finanzierung des Journalismus und anderer kostenfreier Dienstleistungen, die wir im Internet nutzen, benötigt werden”, sagte er.

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