Eine Falschmeldung in der Zeitung oder im Fernsehen ist eher selten. Im Internet gehören sie zum Alltag: Jeder kann Meldungen in die Welt posaunen und alles Mögliche behaupten. Was plausibel klingt, verbreitet sich in Windeseile. Viele nutzen den Schneeballeffekt der Social Media schamlos aus. Doch Facebook, Twitter und einige andere wollen etwas gegen Falschmeldungen unternehmen.

Im Internet kann man erst mal alles behaupten. Als Leser kann man oft nur schwer bis gar nicht feststellen, wie verlässlich eine Quelle ist. Ob eine Nachricht stimmt oder nicht. Ob man ihr trauen kann oder nicht.

Denn grundsätzlich ist im Netz alles gleichwertig: Eine Nachricht der New York Times, eine Meldung der BBC oder vom WDR sieht genauso aus wie ein Post von schieb.de, ein Tweet oder YouTube-Link. Von dieser offensichtlichen Schwäche machen Viele Gebrauch und überschütten das Netz mit Falsch- und Fakemeldungen. Vor allem die sozialen Netzwerke werden damit geflutet – um Aufmerksamkeit zu bekommen oder um zu manipulieren.

facebook paper

„First Draft“ überprüft Wahrheitsgehalt von News

Doch jetzt wollen Facebook und Twitter verstärkt gegen gefälschte Nachrichten in ihren Netzwerken vorgehen. Das zumindest haben sie angekündigt, gemeinsam mit 30 weiteren Medien- und Technologieunternehmen. Sie alle sind dem Netzwerk First Draft beigetreten, das vor einem Jahr mit Unterstützung des Google-Konzerns Alphabet gegründet wurde.

Das Ziel des Projekts: Man will einen Verhaltenskodex formulieren, an dem sich alle orientieren, um Falschmeldungen einzudämmen. Außerdem können Mitglieder hier leichter Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Noch gibt es die Plattform dafür nicht, sie soll allerdings im Oktober an den Start gehen.

Wenn ein Stichwort wie „Ehrenkodex“ oder „Verhaltenskodex“ fällt, werde ich immer skeptisch. Denn die Einhaltung ist meist freiwillig. vergleichsweise schwierig zu überprüfen und ein Verstoß zu sanktionieren wird richtig schwierig – wenn es denn überhaupt mal passiert.

Es macht zwar Mut, dass Zeitungen wie die „New York Times“ und „Washington Post“ mitmachen, auch der Sender CNN ist dabei, aber eben auch „BuzzFeed News“, einer der größten Krachmacher in Sachen „Nachrichten“ im Netz. Allzu große Anstrengungen in Sachen Seriosität sind da nicht zu erwarten.

Facebook; Rechte: Pixabay

First Draft überprüft Wahrheitsgehalt

Facebook und Twitter wollen ihr Image aufpolieren. Zwar betont Facebook-Gründer Mark Zuckerberg immer wieder, sein Netzwerk sei kein Medium. Doch das ist Unsinn. Natürlich ist Facebook ein Medium. Wer – wie kürzlich geschehen – ein prämiertes Kriegsfoto zensiert, dokumentiert eindrucksvoll: Bei uns gelten ganz eigene Regeln – und die halten wir eisern ein. Da zensieren wir auch schon mal ein weltbekanntes Foto, weil es uns nicht passt. In andere Bereiche mischen wir uns hingegen nicht ein, weil das unsere Geschäftsaktivität behindern würde. Es geht also einzig und allein ums Geldverdienen.

twitter-sicherheit

Facebook hat weltweit 1,7 Milliarden Mitglieder. Die meisten nutzen Facebook längst für mehr als für Kontakte mit Freunden: Facebook ist zu einem Umschlagplatz für Nachrichten jeder Art geworden. Dass hier Algorithmen über Bedeutung und Bedeutungslosigkeit entscheiden, dass Algorithmen entscheiden, was unterdrückt wird und was nicht, macht die Sache nun wirklich nicht besser.

Facebook hat die Macht, einzelne Nachrichten hochzukochen und andere zu unterdrücken. Dass Facebook sich künftig bemüht, Falschmeldungen zu erschweren, ist lobenswert. Ob es auch wirklich was bringt, bleibt abzuwarten. Am eigentlichen Problem ändert das allerdings wenig.