WhatsApp ist mit Abstand der populärste Messenger der Welt. Rund 1,3 Milliarden Menschen weltweit nutzen den kostenlosen Nachrichtendienst von Facebook – trotz der Datenschutzbedenken, die immer wieder auftauchen, weil WhatsApp zum Facebook-Imperium gehört. Es gibt zwar Dutzend Alternativen, doch irgendwie bleiben die meisten dann doch bei WhatsApp. Ob das so bleibt? Möglicherweise bringt Amazon einen eigenen Messenger heraus – Amazon Anytime.

Wer Amazon nur als Onlineshop sieht und begreift, wenn auch als größten Onlineshop der Welt, der macht einen großen Fehler. Amazon ist längst viel mehr. Amazon ist ein riesiger Konzern, auch ein Medienkonzern. Amazon verkauft und verlegt eBooks, vertreibt Musik, zeige Filme, produziert eigene Serien, stellt Hardware her und vieles andere mehr.

Amazon-Chef Jeff Bezos probiert immer wieder Neues aus, möchte es gerne mit Apple, Microsoft und Google aufnehmen. Deshalb ist es keine Überraschung zu hören, dass Amazon an einen eigenen Messenger entwickelt. Das ist nicht nur denkbar, sondern durchaus plausibel.

Anytime ist ein vielseitiger Messenger

Anytime, so soll der Amazon Messenger wohl heißen, kann all das, was man von einem modernen Messenger erwarten kann: Chats, auch verschlüsselt, Gruppen-Chats, Austausch von Fotos und Videos, Video-Chats und vieles andere mehr. Anders als WhatsApp soll Amazon Anytime aber nicht über die Rufnummer arbeiten, sondern die Nutzer über ihren Namen identifizieren. Das würde bedeuten, dass man die Anytime-App auf allen Geräten nutzen kann, nicht nur auf Mobilgeräten, die mobilfunktauglich sind.

Was Amazon davon hat

Noch wissen wir nicht ganz konkret, wie Anytime aussehen wird. Aber so viel kann man schon sagen: Amazon würde enorm davon profitieren, wenn sie einen erfolgreichen Messenger am Start hätten. Aus mehreren Gründen. Zum einen fallen bei der Verwendung eines Messengers eine Menge Daten an, die ein auf Onlinevertrieb spezialisiertes Unternehmen sehr gut brauchen kann. Bei Amazon wird es keine Werbung von Dritten geben, aber Werbung von Amazon selbst.

Ob Bücher, CDs, Elektroartikel, Freizeitprodukte, eBooks, Musik oder Filme: Amazon hat wahrlich genug zu verkaufen. Je mehr Amazon über seine User weiß, um so präziser und passgenauer lassen sich Produkte anbiete. Nicht mal unbedingt nur im Messenger selbst, sondern auch auf der Webseite, per Mail und anderswo – aber natürlich auch im Messenger selbst.

Werbung im Messenger

Der Facebook Messenger wird demnächst Werbung präsentieren. In Thailand und Australien wurde das getestet – schon bald wird weltweit Werbung im Messenger präsentiert. Amazon wird also nicht der erste Anbieter sein, der Werbung im Messenger integriert. Amazon könnte angesprochene Produkte im Messenger verkaufen, es könnten aber auch Tische im Restaurant gebucht oder Flugreise oder Hotels damit gebucht werden. Amazon würde da Provisionen kassieren.

Wahrscheinlicher aber ist, dass auch Musik, eBooks und Filme/Serien über den Messenger gekauft werden können. Eine Empfehlung im Messenger: Hey liebe Freunde, diesen Sound finde ich gut – und ein Link zu Amazon Music. Gut möglich, dass jemand den empfohlenen Song kauft oder gleich ein Amazon Unlimited Musik-Abo abschließt. Last not least könnten aber auch Prime-Kunden umworben werden: Schnäppchen-Angebote zuerst im Messenger, wäre zum Beispiel denkbar.

Messenger als Verkaufsinstrument

Wir müssen natürlich abwarten, bis wir sehen, was Amazon tatsächlich auf den Markt bringt. Aber Amazon ist kein Start-Up, das einen schicken Messenger entwickeln will. Amazon ist nur an Dingen interessiert, die den Umsatz fördern. Denkbar ist übrigens auch, dass Amazons Anytime-Messenger ein Bezahlinstrument wird. Wenn man mit Anytime auch Waren und Dienstleistungen konkret bezahlen oder sogar Geld an Freunde transferieren kann, wäre das eine interessante Funktion, die anderen Messengern fehlt.

Der in Asien extrem populäre Messenger WeChat bietet genau das – und ist vor allem deshalb beliebt, weil man damit einfach und komfortabel Geld transferieren kann. Mit Zahlungsabwicklungen hat Amazon nun wirklich Erfahrung.