Zero Rating und Datenpässe gehören mittlerweile zur Geschichte des deutschen Mobilfunks. Was vor Jahren als revolutionäre Idee gestartet war, ist heute durch strengere Netzneutralitäts-Regelungen praktisch verschwunden.
Da wir mit unseren Smartphones heute unterwegs alles Mögliche anstellen, vor allem jede Menge Fotos und Videos laden und verteilen, brauchen wir nicht nur schnelle Mobilfunkverbindungen, sondern auch ein ordentliches Datenvolumen. Das war früher ein großes Problem: Wer viele GByte im Monat übertragen wollte, musste teure Verträge abschließen.
Vodafone hatte 2017 den Vodafone Pass eingeführt und damit die StreamOn-Idee der Telekom kopiert. Der Gedanke dahinter: Der durch bestimmte Apps verursachte Datenhunger wird nicht vom Inklusivvolumen abgezogen. Wer mit Facebook Messenger, Netflix oder Amazon Music hantierte, konnte das als Vodafone-Kunde nach Belieben tun, wenn er den entsprechenden Pass hatte – faktisch eine Daten-Flatrate für bestimmte Dienste.
Das System funktionierte mit verschiedenen thematischen Pässen: Video, Musik, Chat und soziale Netzwerke. Man musste sich festlegen, in welchem Bereich man eine Flatrate wollte. Bei Vertragsabschluss gab es einen Pass kostenlos, weitere kosteten je fünf Euro monatlich. Der Video-Pass war mit zehn Euro teurer – verständlich angesichts des enormen Datenverbrauchs von Streaming-Diensten.
Partner waren damals Facebook Messenger, Telegram, Threema und WhatsApp für Chat, Facebook, Instagram, Pinterest und Twitter für Social Media, Amazon Music, Deezer, Napster und Soundcloud für Musik sowie Amazon Prime Video, Netflix, Sky Go und Vevo für Video-Streaming. Apple Music fehlte erstaunlicherweise.
Das Ende einer Ära
Doch diese Zeit ist vorbei. Die Bundesnetzagentur und europäische Regulierungsbehörden haben solche Zero-Rating-Angebote zunehmend kritisch bewertet. Der Grund: Sie verstoßen gegen die Netzneutralität, weil sie bestimmte Dienste bevorzugen und andere benachteiligen. Das schränkt den Wettbewerb ein und kann Innovation hemmen.
Bereits 2019 untersagte die Bundesnetzagentur der Telekom, ihr StreamOn-Angebot in der bisherigen Form weiterzuführen. Vodafone zog nach und stellte die Pässe ebenfalls ein. Heute bieten deutsche Mobilfunkanbieter keine derartigen Zero-Rating-Optionen mehr an.
Die heutige Realität: Echte Unlimited-Tarife
Stattdessen haben sich die Anbieter auf einen anderen Weg konzentriert: echte Unlimited-Tarife ohne künstliche Beschränkungen. Vodafone, Telekom und O2 bieten mittlerweile alle unbegrenzte Datentarife an, die deutlich fairer und transparenter sind als die alten Pass-Systeme.
Vodafone hat heute mehrere Unlimited-Optionen im Portfolio. Der „Unlimited Max“ bietet unbegrenztes Datenvolumen mit maximaler 5G-Geschwindigkeit, während günstigere Varianten zwar auch unbegrenzt sind, aber nach einem bestimmten Verbrauch gedrosselt werden. Das ist ehrlicher als die alten Pässe, weil alle Anwendungen gleichberechtigt behandelt werden.
5G macht den Unterschied
Der Ausbau von 5G hat die Situation zusätzlich entspannt. Mit Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Mbit/s und geringeren Latenzzeiten wird das mobile Internet immer attraktiver. Vodafone deckt mittlerweile über 90 Prozent der Bevölkerung mit 5G ab, in Städten sind sogar Gigabit-Geschwindigkeiten möglich.
Das bedeutet: Ihr könnt heute problemlos Netflix in 4K unterwegs schauen, ohne euch Gedanken über komplizierte Pass-Systeme zu machen. Die Netze sind leistungsfähiger geworden und die Tarife ehrlicher.
Preisverfall bei Datentarifen
Parallel sind die Preise für Datentarife deutlich gefallen. Was früher 50 Euro oder mehr kostete, gibt es heute oft schon für die Hälfte. Discounter-Marken bieten 20 GB oder mehr für unter 20 Euro monatlich – undenkbar zu Zeiten der ersten Pass-Systeme.
Dieser Preisverfall hat die Zero-Rating-Angebote zusätzlich überflüssig gemacht. Wenn 50 GB Datenvolumen nur noch 25 Euro kosten, braucht man keine komplizierten Pässe für einzelne Apps mehr.
Ausblick: Was kommt nach Unlimited?
Die Mobilfunkbranche arbeitet bereits an den nächsten Innovationen. 5G Standalone-Netze ermöglichen neue Anwendungen wie Network Slicing – dabei werden virtuelle Netze für spezielle Anwendungen geschaffen. Autonome Fahrzeuge, Industrie 4.0 oder Augmented Reality bekommen dann ihre eigenen, optimierten Verbindungen.
Für Privatkunden bedeutet das: Das mobile Internet wird weiter besser und vielseitiger. Die Zeit der künstlichen Beschränkungen und komplizierten Pass-Systeme ist definitiv vorbei. Gut so – denn echte Netzneutralität und faire Unlimited-Tarife sind der bessere Weg in die digitale Zukunft.
Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026

