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Das System Amazon

29.11.2017 | Von Jörg Schieb

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Amazon kennt jeder – und der Onlinekonzern wächst Tag für Tag. Wer über Amazon verkauft, hat es nicht immer leicht, denn der US-Konzern nutzt seine Marktposition häufig aus. Eine ARD-Dokumentation zeigt auf, wie Amazon mit Partnern umgeht.

Zwei Drittel aller Deutschen kauft online ein. Klarer Marktführer in Deutschland – wie weltweit: Amazon. Das ist keine Überraschung. Amazon ist längst ein weltweiter Megakonzern, der sogar ins Lebensmittelgeschäft vordringen will. Aber was steckt hinter dem Erfolg, wer zahlt den Preis? Eine berechtigte Frage, der die sehenswerte ARD.Dokumentation Das System Amazon auf den Grund geht. Wer bei Amazon einkauft, sollte sich den Film anschauen. Man lernt eine Menge.

Wer versendet: Amazon oder Partner?

Es geht zum Beispiel um die Frage, wie Amazon eigentlich mit Händlern umgeht? Händler sind Partner von Amazon. Was vielen Amazon-Kunden gar nicht bewusst ist: Amazon verkauft auf seinem Portal nicht nur selbst Produkte, sondern im so genannten „Marketplace“ auch die Produkte von Händlern. Die bieten ihre Produkte bei Amazon an und rechnen darüber ab, verschicken sie aber in der Regel selbst, so ähnlich wie bei eBay. Man muss auf der Bestellseite schon genau hinschauen, um zu sehen, wer im Einzelfall liefert.

Die absurde Situation für die Händler: Sie stehen oft im direkten Wettbewerb zu Amazon, denn Amazon ist gleichzeitig Portal und Händler. Wenn Amazon beispielsweise selbst Zahnpasta verkauft und ein Händler ebenso, dann ist es schon interessant zu sehen, ob die Amazon-Zahnpasta besser auffindbar ist oder besser präsentiert wird als die Zahnpasta des Händlers.

Abgesehen davon kann Amazon in aller Ruhe jeden Markt beobachten – und genau dann mit eigenen Produkten einsteigen, wenn genügend bestellt wird. Eine mehr als kommode Situation für den Onlineriesen, der über einen reichen Datenschatz über das Kaufverhalten der Menschen verfügt. Die Händler haben das Nachsehen.

Umgang mit den Partnern

Die Reportage zeigt mehrere Fälle auf, die auf Machtmissbrauch des Onlinekonzerns hindeuten. Einige Händler berichten zum Beispiel, sie seien von Amazon unter Druck gesetzt worden, ihre Waren doch künftig nicht mehr selbst zu versenden, sondern den Versand über das Amazon Fulfillment Center abzuwickeln. Davon machen rund 64.000 deutsche Händler Gebrauch. Amazon kassiert dafür 15% Provision. Mehr Umsatz also für Amazon, mehr Kontrolle für den US-Konzern – und deutlich weniger Macht für die „Partner“, die letztlich auch nur Kunden von Amazon sind.

Die Dokumentation präsentiert zahlreiche Beispiele, die auf ein erhebliches Ungleichgewicht in der Partnerschaft von Amazon und Händlern schließen lassen. Das macht meiner Ansicht nach eins deutlich: Es braucht nicht nur dringend Regelungen, die für ein Portal wie Amazon gelten müssen, damit die ohnehin vorhandenen Machtgefälle nicht missbraucht werden können, sondern auch Behörden, die diese Regeln durchzusetzen in der Lage sind. Selbst daran scheint es nämlich zu mangeln.




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