Damit auch schon die ganz Kleinen mit einem Messenger unterwegs sein können, hat Meta (ehemals Facebook) bereits 2017 den Messenger Kids vorgestellt. Hier können die Kleinen nur mit Freunden chatten, die von den Eltern ausdrücklich genehmigt wurden. Nach Jahren der Nutzung zeigt sich: Die versprochene Sicherheit ist größtenteils Illusion.
Der liebe Nachwuchs ist eine äußerst begehrte Zielgruppe bei den Onlinediensten. Alle Welt weiß, dass Kinder eine Menge Kaufentscheidungen beeinflussen. Nicht unbedingt direkt, sondern eher indirekt: Sie sagen Mami, Papi, Oma, Opa und all den anderen, die sie gelegentlich mit Geschenken verwöhnen, was sie wollen. Und damit sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen, etwa etwas nicht zu wollen, werden die Kinder gerne mit Werbung traktiert. Im Privatfernsehen – und ganz besonders im Internet.
Eltern haben angeblich die Kontrolle
Werbung ist jedoch keineswegs die einzige Gefahr, die Kindern im Netz droht. Es gibt auch verstörende Inhalte und Personen, die es auf Kinder abgesehen haben. Viele Eltern verdrängen das gerne, aber die Gefahr ist real. Wenn Eltern ehrlich sind, müssten sie sich eingestehen, dass nur eins sicher ist: Früher oder später bekommen die Kleinen Dinge zu sehen, die sie nicht sehen sollten. Sogar bei Youtube Kids, das eigentlich ausdrücklich für Kinder gemacht ist, gibt es Horrorvideos – und Werbung gibt es obendrein.
Messenger und Chat-Apps sind besonders problematisch, da hier kaum wirksame Filter möglich sind. Deshalb startete Meta 2017 den Messenger Kids. Eine App, die den Kleinen das „sichere Chatten“ mit Freunden ermöglichen soll. Werbefrei, wie Meta betont – ein Versprechen, das sie tatsächlich eingehalten haben. Die Kleinen dürfen nur mit Leuten chatten, die die Eltern freigegeben haben: Schulfreunde, Geschwister, Oma und Opa, Papa und Mama.
Die Realität sieht anders aus
Klingt gut, oder? Jedenfalls besser, als wenn man die Kleinen unkontrolliert mit WhatsApp, Telegram oder dem regulären Messenger rumchatten lässt. Doch die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen: Die versprochene Sicherheit ist trügerisch.
2019 deckte ein Bericht auf, dass Fremde Kinder über die App kontaktieren konnten – durch einen Softwarefehler. 2021 gab es erneut Sicherheitslücken, die es ermöglichten, dass Kinder in Gruppenchats mit unbekannten Personen landeten. Meta musste mehrfach nachbessern und Bugs fixen.
Noch problematischer: Viele Experten für Kinderschutz warnen vor dem psychologischen Effekt. Die App gewöhnt Kinder daran, permanent online und erreichbar zu sein. Sie lernen früh, dass soziale Interaktion primär digital stattfindet. Das kann die Entwicklung sozialer Kompetenzen beeinträchtigen.
Datenschutz bleibt fragwürdig
Obwohl Meta beteuert, keine Werbung zu schalten und keine Daten für Werbezwecke zu sammeln, werden trotzdem Nutzungsdaten erfasst. Diese fließen in die Algorithmen des Konzerns ein und helfen dabei, die Familie besser zu verstehen – für spätere Monetarisierung.
In Europa unterliegt Messenger Kids der DSGVO, was zusätzliche Beschränkungen bedeutet. Trotzdem sammelt die App Metadaten: Wann chattet das Kind? Mit wem? Wie lange? Diese Informationen sind wertvoll für Verhaltensanalysen.
Alternativen existieren
Wer seinen Kindern wirklich sicheres Chatten ermöglichen will, sollte sich nach Alternativen umschauen. Apps wie „JumpStart“ oder „Kidzlane“ bieten ähnliche Funktionen, ohne die Daten an Werbekonzerne weiterzuleiten. Noch besser: Familiengruppen in Signal oder Element (Matrix) einrichten – hier haben Eltern wirklich die Kontrolle.
Viele Familien setzen mittlerweile auf lokale Lösungen wie einen eigenen Minecraft-Server oder nutzen die Sprachchat-Funktionen der Nintendo Switch für kontrollierte Kommunikation mit Freunden.
Ein riesiger Bluff
In den USA dürfen Kinder offiziell erst ab 13 Jahren Onlinedienste wie Instagram oder Facebook nutzen. In der Realität wird beim Geburtsdatum geschummelt – fertig. Messenger Kids sollte dieses Problem elegant lösen und Meta rechtlich absichern.
Selbst wenn alle Versprechungen eingehalten werden und tatsächlich keine klassische Werbung erscheint, bleibt das Ganze eine Art Vorglühen für später. Die Kids werden systematisch zu Meta-Nutzern erzogen. Sie lernen früh: Kommunikation läuft über Meta-Kanäle.
Das zeigt sich bereits jetzt: Viele Messenger-Kids-Nutzer wechseln nahtlos zu Instagram und WhatsApp, sobald sie alt genug sind. Mission erfüllt – aus Sicht von Meta.
Messenger Kids ist längst auch in Deutschland verfügbar. Die App wird zwar wenig beworben, aber sie existiert und sammelt fleißig Nutzerdaten. Eltern sollten sich bewusst sein: Wirklich sicher ist nur, was sie selbst kontrollieren können. Bei einem Konzern, der regelmäßig wegen Datenschutzverstößen auffällt, ist gesunde Skepsis angebracht.
Zuletzt aktualisiert am 30.03.2026


