Meta unter Druck: EU zwingt Facebook zu Datenschutz-Wende

von | 20.12.2017 | Social Networks

Die deutsche Kartellbehörde und EU-Regulatoren haben Meta (ehemals Facebook) in den letzten Jahren immer wieder scharf kritisiert – wegen unkontrollierter Datensammlung im großen Stil. Was lange als Geschäftsmodell durchging, wird nun systematisch zerlegt. Höchste Zeit, dass sich an diesen Praktiken endlich etwas ändert.

Wäre Meta ein Land – es wäre mit seinen über drei Milliarden aktiven Nutzern das größte Land der Welt. Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads zusammen erreichen fast die Hälfte der Weltbevölkerung. Ein guter Grund, die Bedeutung des US-Konzerns ernst zu nehmen. Genau deswegen haben Kartellbehörden und Datenschützer die Sammelpraktiken von Meta unter die Lupe genommen – mit drastischen Folgen.

Das Ende der wilden Datensammlung

Seit 2023 gelten in der EU neue Regeln: Der Digital Services Act (DSA) und Digital Markets Act (DMA) haben Meta zum „Gatekeeper“ erklärt und massive Beschränkungen auferlegt. Das Bundeskartellamt und die EU-Kommission haben durchgesetzt, dass Meta nicht mehr einfach Daten zwischen seinen Diensten verknüpfen darf. WhatsApp-Nachrichten, Instagram-Likes und Facebook-Profile müssen getrennt behandelt werden – es sei denn, ihr stimmt explizit zu.

Besonders kritisiert wurde jahrelang, dass Meta selbst dort Daten sammelte, wo Nutzer Facebook gar nicht erwarteten. Die berüchtigten „Gefällt-mir“-Buttons und Facebook-Pixel auf Millionen von Webseiten waren perfekte Spionage-Tools. Meta bekam mit, ob ihr euch Autos anschaut, Kleidung kauft oder politische Artikel lest – obwohl ihr gar nicht bei Facebook wart.

Tracking-Stopp durch neue Gesetze

Diese Praxis ist seit Ende 2023 in der EU stark eingeschränkt. Meta musste seine Tracking-Mechanismen überarbeiten und bietet nun „Consent or Pay“-Modelle an: Entweder ihr zahlt monatlich für werbefreie Nutzung (derzeit 9,99 Euro für Facebook/Instagram) oder stimmt dem Tracking zu. Alternativ gibt es seit 2024 auch reduzierte Werbeversionen, die weniger persönliche Daten nutzen.

Das Bundeskartellamt hat zudem durchgesetzt, dass Meta transparent machen muss, welche Daten gesammelt werden. In den Kontoeinstellungen findet ihr seit 2024 detaillierte Übersichten über alle gesammelten Informationen – vom Standortverlauf bis zu Webseitenbesuchen außerhalb von Meta.

Konkurrenz wächst, Monopol bröckelt

Metas Marktmacht ist nicht mehr unantastbar. TikTok hat bei jungen Nutzern Facebook überholt, X (ehemals Twitter) kämpft um Relevanz, und neue Plattformen wie Threads, BeReal oder Mastodon gewinnen an Bedeutung. Diese Fragmentierung schwächt Metas Position erheblich.

Besonders problematisch wird es für Meta bei der KI-Entwicklung. Während Google, Microsoft und OpenAI ihre KI-Systeme mit öffentlichen Daten trainieren, ist Meta stärker auf eigene Nutzerdaten angewiesen. Die neuen EU-Regeln erschweren diesen Zugang erheblich.

Was sich für euch ändert

Seit 2024 habt ihr deutlich mehr Kontrolle über eure Daten:

  • Datenportabilität: Ihr könnt eure Inhalte einfacher zu anderen Plattformen mitnehmen
  • Löschrecht: Meta muss Daten nach Kündigung vollständig löschen
  • Transparenz: Klare Angaben, warum ihr bestimmte Werbung seht
  • Wahlfreiheit: Verschiedene Nutzungsmodelle je nach Datenschutz-Präferenz

Der Wandel ist noch nicht abgeschlossen. 2024 hat die EU weitere Untersuchungen gegen Meta eingeleitet, unter anderem wegen irreführender Werbepraktiken und unzureichendem Schutz Minderjähriger. Die Strafen können bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen – bei Meta wären das über zehn Milliarden Euro.

Ausblick: Regulierung als neue Normalität

Was sich hier abspielt, ist mehr als nur ein Konflikt um Datenschutz. Es geht um die Neuordnung der digitalen Wirtschaft. Andere Länder schauen genau hin: Die USA diskutieren eigene Plattform-Gesetze, China hat bereits durchgegriffen, und auch Indien plant schärfere Regeln.

Für euch als Nutzer bedeutet das: Die Zeit der unkontrollierten Datensammlung geht zu Ende. Ihr bekommt mehr Wahlfreiheit – müsst aber auch mehr Entscheidungen treffen. Kostenlose Dienste bleiben möglich, aber die versteckten Kosten werden transparenter.

Meta hat angekündigt, bis Ende 2024 über 10.000 neue Stellen im Bereich Compliance und Datenschutz zu schaffen. Das zeigt: Regulierung wirkt. Die wilden Jahre der Tech-Giganten sind vorbei – zumindest in Europa.

Zuletzt aktualisiert am 30.03.2026