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Facebook bekommt derzeit mächtig Druck. Weil die britische Firma Cambridge Analytica im großen Stil Daten bei Facebook abgesaugt und missbraucht hat, unter anderem, um auf den US-Wahlkampf 2016 einzugreifen, aber auch die Brexit-Kampagne wurde manipuliert. Aber wie ist das eigentlich möglich? Welche Daten sammelt Facebook? Was wäre noch alles denkbar? Und vor allem: Wie geht es jetzt weiter?

Dass Cambridge Analytica Daten bei Facebook eingesammelt hat, ist keine neue Nachricht. Das wissen wir schon seit einigen Monaten. Warum also jetzt plötzlich die Aufregung?

Ein Whistleblower, ein Ex-Mitarbeiter von Cambridge Analytica, hat am Wochenende einer Zeitung sehr ausführlich erläutert, wie das Unternehmen vorgegangen ist. Wie die Daten beschafft wurden – und was damit angestellt wurde.

Der große Knall ist entstanden, weil die Dimension des Datendiebstahls deutlich größer ist als bisher angenommen: Rund 50 Millionen Personen, vor allem aus USA und Großbritannien, sind betroffen. Die ausführlichen und detaillierten Profile von 50 Mio Nutzern.

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So ist Cambridge Analytica an die Daten gekommen

Facebook weist mit Nachdruck darauf hin, die Daten nicht an Cambridge Analytics geliefert zu haben. Das stimmt wohl auch. Die Daten wurden an ein Unternehmen namens SCL geliefert. Nicht verkauft, wie gelegentlich zu hören ist, sondern im Rahmen ganz normalen Datenaustauschs geliefert. Hintergrund: SCL hat eine App namens ThisIsYourDigitalLife entwickelt.

Eine Art psychologischer Online-Test, der auf der Plattform von Facebook läuft. Hier wurden Fragen gestellt – und es ist so ein Profil entstanden. Aber das war nur Ablenkung. Mit der App hat SCL die privatesten Daten von rund 270.000 Usern abgegriffen, Facebook hat sie geliefert.

Etwa Daten, welche Vorlieben und Interessen jeder einzene hat. Da jeder einzelne im Schnitt mit 190 Leuten befreundet ist, konnte SCL aber auch die privaten Daten dieser User abgreifen. Facebook hat sie geliefert. Damals üblich, heute nicht mehr möglich. So kommen die 50 Mio. Datensätze zustande.

 

Was hat SCL mit den Daten gemacht?

SCL hat die Daten an sein Tochterunternehmen Cambridge Analytica weitergegeben. Das war ein klarer Verstoß der Vereinbarungen mit Facebook. Cambridge Analytica hat die Daten genutzt, um damit die persönliche Gesinnung vieler Amerikaner zu errechnen. Republikaner oder Demokrat, Befürworter oder Gegner der Waffenrechte, liberal oder konservativ, Arbeiter oder Anleger…

Aus dem ungeheuren Datenpool von Facebook so etwas zu berechnen, ist mit einer erstaunlichen Treffsicherheit möglich. Diese Informationen wurden an das Wahlkampfteam von Donald Trump verkauft. Die konnten dann zum einen die Menschen direkt vor Ort mit konkreter Vorbereitung ansprechen – und so argumentieren, dass sie leicht zu überzeugen sind. Und man hat die Daten genutzt, um die Leute gezielt mit Werbung anzusprechen – auf Facebook.

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Cambridge Analytica greift in die Meinungsbildung ein

Natürlich, denn das Wahlkampfteam von Trump hatte einen strategischen Vorteil, den die Demokraten nicht hatten. Außerdem haben sie so gezielt wie noch niemals zuvor Wähler angesprochen und manipuliert. Wenn das kein Eingriff in die politische Meinungsbildung ist.

Bei der Brexit-Kampagne ist Cambridge Analytica offensichtlich ganz ähnlich vorgegangen. Das ist auch der Grund, warum Mark Zuckerberg – der derzeit abgetaucht ist, er wird schon wissen warum – vor das britische Parlament geladen werden soll. Ich bezweifle allerdings, dass er da erscheinen wird.

Facebook trägt Verantwortung

Selbstverständlich trägt Facebook eine riesige Verantwortung. Wer zwingt Facebook denn dazu, die Daten überhaupt zu teilen, mit wem auch immer? Allein das ist schon höchst bedenklich, ich würde sogar sagen, sittenwidrig. Allein die Tatsache, dass die Daten abgeflossen sind, verdient Höchststrafen.

Es sind 1,6 Billionen(!) Dollar Strafe im Gespräch. Völlig zu Recht. Zwar hat Facebook die Praktiken nach 2015 verändert, aber auch heute noch verfügt das Unternehmen über gigantisches Datenmaterial. Niemand weiß, was genau – und das ist der Punkt: Facebook blockiert, gibt keine Infos preis. Das ist ein Skandal.

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Es drohen schwere Zeiten für Facebook

Einfach so weitergehen wird es sicher nicht. Die Politik ist stinksauer und kündigt Maßnahmen an. Das ist auch dringend geboten. Aber auch bei den Usern schwindet das Vertrauen.

Einer der WhatsApp-Gründer, der WhatsApp an Facebook verkauft hat, ruft öffentlich dazu auf, Facebook zu löschen. #DeleteFacebook ist als Kampagne in den Netzwerken gestartet, viele rufen dazu auf, Facebook den Rücken zu kehren. Aktionäre klagen in den USA gegen Facebook. Die Kritik wird lauter und nimmt zu. Da entwickelt sich ein Flächenbrand.