Apple verspricht „günstige“ iPads – doch sie sind teuer

von | 28.03.2018 | iOS

Apple will den Bildungssektor mit Apfel-Hardware überfluten. Das ist doppelt clever, denn zum einen werden die User so sehr früh an Apple-Produkte gewöhnt, zum anderen gibt es hier noch viel Nachholbedarf. Allerdings tut Apple so, als würde man sich fürsorglich kümmern. Die iPads für Bildungseinrichtungen kosten zwar weniger als die Consumer-Modelle, doch die versteckten Kosten machen das Schnäppchen schnell zunichte.

Apple hat seine iPad-Strategie für den Bildungsbereich in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Was 2018 mit dem ersten „günstigen“ iPad für Schulen begann, hat sich zu einem ausgeklügelten System entwickelt, das Bildungseinrichtungen immer tiefer in das Apple-Ökosystem lockt.

Das aktuelle iPad für den Bildungsbereich (10. Generation) startet bei 379 EUR für Schulen – das sind etwa 70 EUR weniger als der Normalpreis. Klingt erstmal verlockend, doch wer genauer hinschaut, erkennt das altbekannte Apple-Muster: Was an einer Stelle günstiger wird, kostet an anderer Stelle extra.

Apple Pencil und Zubehör treiben die Kosten

Der Apple Pencil (1. Generation) kostet zusätzliche 99 EUR, der modernere Apple Pencil (2. Generation) sogar 149 EUR. Hinzu kommen Schutzhüllen (ab 59 EUR), Tastaturen (ab 179 EUR) und bei Bedarf AppleCare+ (99 EUR pro Jahr). Schnell summiert sich der Preis auf über 600 EUR pro Gerät.

Dabei bewirbt Apple die Pencil-Unterstützung als revolutionäres Feature für den Unterricht. Tatsächlich können Schüler damit digital schreiben, zeichnen und Notizen machen. Die Drucksensitivität und Neigungserkennung funktionieren präzise. Doch die Frage bleibt: Ist das wirklich notwendig für den Schulalltag?

Software-Ökosystem bindet Schulen langfristig

Apple hat sein Bildungsangebot massiv ausgebaut. Die „Schoolwork“-App ermöglicht Lehrern, Aufgaben zu verteilen, Fortschritte zu verfolgen und Feedback zu geben. „Classroom“ hilft bei der Verwaltung von Schüler-iPads im Unterricht. Pages, Numbers und Keynote sind kostenlos – allerdings nur für Apple-Geräte.

Dieses Software-Ökosystem ist Apples eigentliche Stärke. Einmal eingerichtet, läuft alles reibungslos zusammen. Lehrer können Bildschirme spiegeln, Apps fernsteuern und den Internetzugang beschränken. Das iPad wird zur digitalen Tafel, zum Lehrbuch und zum Notizheft in einem.

Doch diese Bequemlichkeit hat ihren Preis: Schulen werden abhängig von Apple. Wechselt eine Schule später zu Android-Tablets oder Windows-Geräten, sind alle erstellten Inhalte, Workflows und Schulungen hinfällig. Apple schafft bewusst eine Vendor-Lock-in-Situation.

Konkurrenz bietet mehr für weniger Geld

Dabei gibt es längst günstigere Alternativen. Samsung Galaxy Tab A-Modelle kosten ab 179 EUR und bieten ähnliche Funktionen. Auch sie unterstützen Stifte, haben kindgerechte Oberflächen und robuste Schutzhüllen. Lenovo, Huawei und andere Hersteller bieten ebenfalls Bildungspakete zu deutlich niedrigeren Preisen.

Besonders interessant sind Chromebooks, die in den USA bereits viele Schulen erobert haben. Sie kosten oft unter 300 EUR, sind wartungsarm und perfekt für Google Workspace for Education optimiert. Updates laufen automatisch, die Verwaltung ist einfacher als bei iPads.

Selbst Microsoft Surface Go-Geräte sind in Bildungsrabatten oft günstiger als iPads und bieten vollwertiges Windows mit Office-Suite. Für Schulen, die bereits Microsoft-Software nutzen, ist das der logischere Weg.

Realitätscheck: Deutsche Schulen sind nicht iPad-ready

Die größte Heuchelei liegt aber woanders: Welche deutschen Schulen können sich flächendeckend iPads leisten? Die Digitalisierung der Bildung stockt seit Jahren. Viele Schulen kämpfen noch mit kaputten Toiletten, maroden Dächern und veralteten Lehrbüchern.

Der DigitalPakt Schule hat zwar Milliarden bereitgestellt, doch die Umsetzung ist schleppend. IT-Support fehlt, Lehrer sind überfordert, WLAN-Netze brechen unter der Last zusammen. Da wirken iPads für alle wie ein Luxusproblem.

Zudem stellt sich die pädagogische Frage: Brauchen Grundschüler wirklich Touch-Displays? Studien zeigen, dass handschriftliche Notizen das Lernen fördern. Zu viel Bildschirmzeit schadet der Entwicklung. Ein ausgewogener Mix aus analog und digital wäre sinnvoller.

Apples wahre Strategie

Apple denkt langfristig. Wer in der Schule iPad lernt, kauft später MacBook und iPhone. Diese „Ecosystem-Strategie“ funktioniert: Apple-Nutzer bleiben Apple treu. Der Bildungsbereich ist Apples Investition in zukünftige Kunden.

Das ist legitim, aber nicht sozial. Echte Bildungsförderung würde bedeuten: Hardware zum Selbstkostenpreis, offene Standards, herstellerunabhängige Software. Apple macht das Gegenteil: Es schafft Abhängigkeiten und kassiert doppelt ab.

Fazit: Apples „günstige“ iPads für Schulen sind ein Trojanisches Pferd. Sie locken mit niedrigeren Grundpreisen, kosten aber mit Zubehör mehr als gedacht. Gleichzeitig zementieren sie Apples Marktmacht und schaffen langfristige Abhängigkeiten. Schulen sollten genau rechnen und Alternativen prüfen, bevor sie sich für Jahre an Apple binden.

Zuletzt aktualisiert am 10.03.2026