In den USA und 17 weiteren Ländern kann man schon recht lange mit Google Pay bezahlen. Nicht nur online in Onlineshops und Apps, sondern auch am „Poijnt of Sale“ (POS) – also im Einzelhandel. Einfach Smartphone zücken und bezahlen. Das ist die Idee – und ist jetzt auch in Deutschland möglich.

Für uns Deutschen ist nach wie vor Bargeld die erste Wahl. Das kann man sich unters Kopfkissen legen. Man hat immer im Blick, wie viel noch ausgegeben werden kann. Und jeder herausgegebene Schein schmerzt – das erhöht die Wachsamkeit und fördert die Sparsamkeit. Ach ja: Datensparsam ist Bargeld natürlich auch noch.

Google stellt seine neue Bezahl-App Google Pay am 26. Juni 2018 in Berlin vor. Foto: Stefan Hoederath/Google Kostenlose Verwendung bei redaktioneller Berichterstattung über Google bzw. Google Pay unter der Angabe des Credits: Stefan Hoederath/Google

 

Google Pay in Deutschland gestartet

Alles richtig. Aber nicht modern. Während in anderen Ländern kräftig die Kreditkarte gezückt wird, rümpfen hierzulande selbst in In-Lokalen die Kellner arrogant die Nase und verlangen allen Ernstes Barzahlung.

In China hingegen sind AliPay und WeChat die favorisierten Zahlmethoden. Smartphone herauskramen, QR-Code scannen – fertig. Betrag gebucht. Selbst die Suppe auf dem Wochenmarkt können Chinesen auf diese Weise begleichen. Oder sich mit WeChat sogar gegenseitig Geld schicken.

Wir Deutschen belächeln solche Entwicklungen eher – oder betrachten sie bestenfalls mit einiger gewissen Neugierde. Eine Begeisterung für neue Zahlmethoden stellt sich nicht so schnell ein. Genau aus diesem Grund wird das nun in Deutschland gestartete Bezahlsystem Google Pay auch nicht zum Senkrechtstarter werden. Deutschland ist das 19. Land, in dem Google Pay angeboten wird.

Höhe Einstiegshürden für Google Pay

Mit Google Pay kann man im Laden zahlen – sofern dort Google Pay akzeptiert wird. Oder im Onlineshop. Oder in der App. Allerdings sind die Hürden denkbar hoch, da mitmachen zu können. Die wenigen Deutschen, die überhaupt motiviert genug sind, so etwas auszuprobieren, brauchen dann ein Android-Gerät mit Lolipop (Version 5), eine Kreditkarte sowie ein Konto bei einer der vier Banken, die mitmachen (Commerzbank, comdirect, N26 oder Wirecard).

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Ein erdrutschartiger Erfolg wird Google Pay also nicht werden. Konkurrent Apple hat sich mit Apple Pay bislang nicht mal auf den deutschen Markt gewagt. Die Chinesen nutzen wenigstens ein chinesisches Bezahlsystem. Ist wirklich die Frage, ob es klug ist, ein amerikanisches Bezahlsystem wie Google Pay oder Apple Pay zum Durchbruch zu verhelfen. US-Firmen haben ohnehin schon genug Einfluss auf unseren Alltag. Wollen wir ihnen auch noch die Hoheit über den Geldverkehr erlauben?

Es muss ja nicht unbedingt Bargeld sein, liebe Deutsche. Aber Megakonzerne wie Google oder Apple muss man in der Tat auch nicht unbedingt ins Portemonnaie gucken lassen. Hier ist Skepsis angebracht.