Facebook ist das mit Abstand erfolgreichste Soziale Netzwerk der Welt – und gleichzeitig einer der umstrittensten Onlinedienste. Viele Menschen in aller Welt schätzen die Möglichkeiten, die Facebook bietet. Die Nachteile – Daten sammeln, Aufgeben der Privatsphäre, Vermarktung der eigenen Daten – nehmen die meisten in Kauf. Was aber wäre, wenn es ein Soziales Netzwerk gäbe, dass die Möglichkeiten bietet – ohne die Nachteile? OpenBook will genau das sein.

Mit OpenBook startet ein Netzwerk, das Facebook Konkurrenz machen will. Ein „Zero Tracking Rival“, wie die Financial Times das nennt – da OpenBook keine Nutzerdaten tracken (erfassen) will.

Auf Kickstarter soll eine Crowfunding-Aktion das nötige Geld einbringen, um das geplante Netzwerk auf die Füße zu stellen. OpenBook wird übrigens nicht in den USA, sondern in den Niederlanden auf den Weg gebracht. Unter anderem von einem, der die kostenlose Mail-Verschlüsselung PGP ins Leben gerufen hat. Hier macht also jemand mit, dem Sicherheit wirklich am Herzen liegt.

Gute Ansätze

In einem halben Jahr soll es mit OpenBook dann losgehen. Ein Facebook ohne Datenhandel. Ohne Werbung. Ohne Tracking. Aber OpenSource.

Zweifellos eine sympathische Idee. Trotzdem würde ich kein Geld investieren. Aus vielen Gründen. Der zweifellos wichtigste: Wenn man mit dem Ansatz „so wie …“ startet, kann es nicht klappen. Man kann kein Soziales Netzwerk „so wie Facebook“ bauen und damit irgend jemanden überzeugen wollen. Denn: Der Mensch ist träge. Nur Neues macht neugierig.

OpenBook bräuchte also Funktionen, die ein lautes „Aha!“ hervorrufen. Features, die dazu führen, dass man es unbedingt mal ausprobieren möchte. Doch solche Funktionen sind offensichtlich nicht mal geplant.

Das herausragende Merkmal soll „Zero Tracking“ sein, also die Tatsache, dass keine Nutzerdaten erhoben, gespeichert oder ausgewertet werden. Das ist wunderbar. Aber wir sehen ja: All die Skandale um Facebook reichen nicht, die Leute in Scharen zu verscheuchen.

Mit diesem Video wirbt OpenBook auf Kickstart um Investitionen

Interoperabilität könnte es richten

Facebook hat also genügend Anziehungskraft, trotz seiner schädlichen Wirkung. Alternativen mit dem Gütesiegel „Ohne Datensammeln“ begeistern nicht ausreichend. Beispiel: Vor einigen Monaten ist Vero gestartet. Ein Soziales Netzwerk, das aussieht wie Instagram – aber ebenfalls verspricht, keine Daten zu sammeln. Ein paar Tage lang haben es alle gefeiert. Danach: Totenstille. Im wahrsten Sinne des Wortes. Niemand nutzt heute Vero. Genauso wird/würde es OpenBook ergehen.

Eine Chance hätten Alternativen wie OpenBook – aber dann müsste die Politik aktiv werden. Es müsste die Pflicht zur Interoperabilität geben. Jedes Netzwerk müsste mit jedem Netzwerk kooperieren können.

Wie beim Telefon. Wer OpenBook nutzt, müsste trotzdem mit Facebook-Usern kommunizieren können. Dann hätte OpenBook eine realistische Chance. Der Gesetzgeber könnte es vorschreiben. Wenn man dann auch noch seine Daten mitnehmen könnte von Facebook, wie es die DSGVO ja in Europa vorschreibt: Um so besser.