Firefox ist gerade in Deutschland beliebt: Hinter dem Browser steht kein großer Konzern, der vor allem an Daten interessiert ist. Viele Funktionen. Schnell. Wunderbar. Doch seit 2018 hat Firefox eine Entscheidung getroffen, die bis heute nachwirkt: Der Browser beendete die native Unterstützung für RSS-Feeds. Ein Blick zurück auf eine folgenschwere Entscheidung – und ihre Konsequenzen.
RSS-Feeds waren einmal das Rückgrat der dezentralen Informationsverteilung im Web. Eine elegante Methode, um sich über neue Inhalte von Lieblingswebsites informieren zu lassen, ohne täglich jeden Blog und jede Nachrichtenseite besuchen zu müssen. Das funktioniert auch heute noch bei vielen Webseiten, so auch bei Digitalistan über diesen Link. RSS-Reader zeigen euch, sobald neue Beiträge erscheinen – ihr entscheidet anhand der Überschrift, was euch interessiert.

Firefox strich RSS-Support ersatzlos
Doch 2018 beschloss Firefox, den nativen RSS-Support komplett zu beenden. In Firefox 64 verschwanden sowohl die RSS-Unterstützung als auch die „Live Bookmarks“ genannten dynamischen Lesezeichen. Mozillas Begründung damals: Der Code sei veraltet und müsste grundlegend überarbeitet werden – dafür fehlten die Ressourcen. Außerdem würden nur noch wenige Nutzer RSS verwenden.
Das war ein fataler Fehler, wie sich heute zeigt. RSS mag in der breiten Öffentlichkeit an Bedeutung verloren haben, aber es bleibt eine der wenigen wirklich dezentralen und werbefreien Alternativen zu den Algorithmus-gesteuerten Feeds von Facebook, Instagram, TikTok und Co. Wer bewusst auf die manipulativen Timelines der Social Media Giganten verzichtet und stattdessen RSS nutzt, musste sich seit 2018 nach Alternativen umsehen.
Die Renaissance von RSS in Zeiten der KI
Ironischerweise erlebt RSS seit 2023 eine bemerkenswerte Renaissance. Mit dem Aufkommen von KI-Tools, die massenhaft Fake Content produzieren, und der zunehmenden Enshittification sozialer Medien suchen immer mehr Nutzer nach authentischen Informationsquellen. RSS-Reader wie Feedly, Inoreader oder das Open-Source-Tool FreshRSS verzeichnen wieder wachsende Nutzerzahlen.
Zudem nutzen inzwischen viele Content Creator RSS als Grundlage für ihre KI-gestützten News-Curation-Tools. Podcast-Apps basieren ohnehin auf RSS-Technologie, und selbst moderne Newsletter-Tools wie Substack bieten RSS-Feeds an. Die Technologie ist alles andere als tot – sie wurde nur von den großen Browsern im Stich gelassen.
Firefox‘ Entscheidung stärkte die Tech-Giganten
Die Entscheidung von Mozilla war strategisch verheerend und spielte den großen US-Konzernen in die Hände. Während Firefox als letzter großer unabhängiger Browser eine dezentrale, werbefreie Informationstechnologie aufgab, festigten Google, Meta und Co. ihre Machtposition als Gatekeeper für Nachrichten und Inhalte.
Dabei war Mozillas Argument, 99 Prozent der Nutzer würden RSS nicht verwenden, schon damals fragwürdig. Nutzer, die RSS aktiv einsetzen, sind oft technikaffin und verwenden Privacy-Tools, die Tracking verhindern – ihre tatsächliche Nutzung wird in den Statistiken also systematisch unterschätzt.
Workarounds und die Hoffnung auf Rückkehr
Nach dem Wegfall der nativen Unterstützung entstanden zwar Firefox-Extensions wie „Want My RSS“ oder „RSSPreview“, die den RSS-Support teilweise wiederherstellen. Doch das ist nur ein Pflaster auf einer selbst geschlagenen Wunde. Die Nutzerfreundlichkeit erreicht längst nicht das Niveau der ursprünglichen Integration.
Andere Browser handhaben das intelligenter: Vivaldi bietet beispielsweise einen eingebauten Feed-Reader, und selbst in Safari lassen sich RSS-Feeds noch abonnieren. Firefox hingegen verharrt bei seiner Entscheidung von 2018.
Was bedeutet das heute?
Die RSS-Entscheidung von Firefox zeigt exemplarisch, wie kurzsichtig manche Technologieentscheidungen sind. In Zeiten von Desinformation, Algorithmus-Blasen und KI-generiertem Content wäre eine dezentrale, nutzergesteuerte Informationstechnologie wichtiger denn je.
Wer heute RSS nutzen möchte, sollte auf dedizierte Reader-Apps setzen oder zu Browsern wechseln, die noch nativen RSS-Support bieten. Firefox hat mit seiner Entscheidung von 2018 eine Chance verpasst, sich als echter Verfechter des offenen Webs zu positionieren. Schade – und ein Geschenk an die Tech-Giganten, das bis heute nachwirkt.
Zuletzt aktualisiert am 08.03.2026
