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Horst Seehofer will wehrhaftere Cyberabwehr-Truppe

11.10.2018 | Von Jörg Schieb

Internet

Der Bundesinnenminister hat zusammen mit dem BSI den aktuellen Lagebericht vorgestellt: Die Zahl der Cyberangriffe nimmt dramatisch zu. Das kann niemanden ernsthaft überraschen. Seehofer will – ganz Law and Order – etwas dagegen unternehmen. Was? Unsere Cyberabwehr-Agenten zur Gegenwehr befähigen. Nicht Abwehr – Gegenwehr!

Mehr Cyberangriffe aus dem Netz gibt es. Dramatisch mehr. Und die seien dann auch noch flexibler und professioneller. Besser vorbereitet. Genauer koordiniert. Zielgerichtet. Wohl leider oft auch effektiv, sonst würden es nicht immer mehr.

Denn warum sollte man immer wieder etwas versuchen, das nicht zum Ziel führt? Das hat uns Horst Seehofer allerdings verschwiegen, als er – gemeinsam mit dem Chef des „Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik“ (kurz BSI) gestern den Lagebericht der Behörde vorgestellt hat.

Immer mehr Hackangriffe

Es kann niemanden ernsthaft überraschen, dass immer mehr gehackt wird. Die zunehmende Vernetzung lädt dazu gerade ein. Sich per Hackangriff mit vertraulichen Informationen zu versorgen, ob in Regierung, Behörden oder in der Wirtschaft, ist einfacher, schneller, gefahrloser und auch günstiger, als „echte“ Spionage.

Ganz zu schweigen von all den anderen Möglichkeiten. Etwa Sabotage oder Manipulation. Per Mausklick den Strom abschalten, die Börse durcheinanderbringen, Flughäfen blockieren – alles nicht nur denkbar, sondern wohl auch möglich. Was nicht unmöglich ist, das passiert auch irgendwann.

Aber wie reagieren, auf diese zunehmende Bedrohung? Fehler einzugestehen wäre ein Anfang. Denn schon seit Jahren nehmen die Bedrohungen zu, ohne dass in der Politik jemand wach wird. Die Chancen und die Risiken der Digitalisierung, nicht unbedingt das Fachgebiet der hiesigen Politik. Hier wird bestenfalls reagiert, nicht agiert.

geralt / Pixabay

 

BSI: Mehr Leute, mehr Befugnisse

So auch in diesem Fall. Die Truppe des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wird aufgestockt. Die Befugnisse sollen ausgeweitet werden. Außerdem will Seehofer mehr „aktive Cyber-Abwehr“. Was auch immer das bedeutet: Aktive Abwehr. Gemeint ist, dass sich deutsche Behörden mit Angriffstechnologie ausrüsten sollen.

Seehofer will sozusagen die Atombombe fürs Netz. Atombomben können Unheil bringen, haben aber zweifellos eine abschreckende Wirkung. Jemanden anzugreifen, der sich nicht wehren kann, das fällt leicht. Aber ein Gegner, der zum folgenreichen Gegenschlag fähig ist? Das sieht schon anders aus.

Horst Seehofer will aufrüsten. Das ist grundsätzlich richtig und gut so. Denn es braucht insgesamt mehr Kompetenz und Autorität in dieser Sache in Deutschland. Als uns die NSA von vorne bis hinten bespitzelt hat, konnte das weder abgewehrt werden, noch hatte das sonst irgendwelche Konsequenzen. Solche Fälle sollten sich nicht beliebig wiederholen.

 

Ist Gegenwehr die richtige Strategie?

Allerdings gäbe es noch deutlich mehr zu tun als ein paar „Marines“ in Sachen Cyberabwehr aufzustellen. Es müsste mehr Aufmerksamkeit in die Sicherheit der Netzwerke generell investiert werden. Nicht alles muss vernetzt werden. Und wenn schon Geräte ans Netz gehen, dann sollten sie auch sicher sein. Kalifornien hat jetzt Standardpasswörter verboten. Warum wir nicht? Warum dürfen Smartphones oder Smart-TVs verkauft werden, und niemand muss garantieren, dass dafür jahrelang Sicherheits-Updates bereitgestellt werden? Wieso wird die Industrie so alleine gelassen – und niemand kümmert sich um geeigneten Schutz?

Das ist Versagen auf ganzer Linie. Nicht nur im Innenministerium.

 




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