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Wir gucken – und die verdienen!

24.10.2018 | Von Jörg Schieb

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Die sogenannten „sozialen Netzwerke“ eint eins: Sie wollen so viel Aufmerksamkeit von uns wie möglich. Weil es Geld bringt. Allerdings hat genau das auch schädliche Wirkungen, in der gesamten Gesellschaft, auch in der Wirtschaft. Deswegen gibt es ernstgemeinte Vorschläge für eine „Aufmerksamkeitssteuer“. Was ist davon zu halten?

Mit der Aufmerksamkeit ist das so eine Sache. Generationen von Lehrern wissen um das Problem: Auch nur für wenige Minuten die ungeteilte Aufmerksamkeit von 30 Schülern zu bekommen, ist fast völlig unmöglich. Zumindest in der Schule.

Eigentlich generell im Leben. Es sei denn, wir reden von Games wie Fortnite, Videoplattformen wie YouTube oder von sogenannten sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Snapchat. Denen schenken Milliarden Menschen auf der Welt mühelos endlose Aufmerksamkeitsspannen.

Studie belegt: Sechs Stunden täglich online

Wie die neue Onlinestudie von ARD/ZDF belegt, sind mittlerweile nicht nur 90% aller Deutschen online, sondern die unter 30-Jährigen sogar sechs Stunden täglich. Sechs Stunden Aufmerksamkeit! So manchem Lehrer kommen da erst die Tränen, dann wird er sich fragen, wie das geht. Es ist also durchaus eine Frage des Angebots, wie viel Aufmerksamkeit man bekommt. Online und Games sind offensichtlich attraktiv. Niemand wird bestreiten können, dass der Großteil dieser online verbrachten Zeit nutzlos ist. (Nicht sinnlos – macht bestimmt Spaß. Aber eher nutzlos. Erschreckend häufig sogar schädlich.)

Genau das wird zunehmend zum Problem. Laut einer Studie gehen junge Männer in den USA deutlich später arbeiten als in früheren Zeiten. Sie bleiben länger zu Hause wohnen. Videospiele stehen im Verdacht, diese Trägheit zu befördern. Das könnte man für Einzelschicksale halten, ist aber ein volkswirtschaftliches Problem. Wenn es denn so stimmt, dass tatsächlich der Anteil der 20- bis 24-Jährigen, die keiner eigenen Arbeit nachgehen, um zehn Prozent zugenommen hat. Deshalb denken manche – etwa die Autoren des Blogpost – über eine Aufmerksamkeitssteuer nach.

Jede Sekunde Aufmerksamkeit kostet

Wie in dieser Spiegel-Kolumne diskutiert, würde das eine Menge verändern. Müssten Unternehmen wie YouTube, Facebook oder auch Epic Games (Fortnite) tatsächlich für jede Aufmersamkeitssekunde Steuern zahlen, wären sie anders optimiert. Es würde weniger Schwachsinn gezeigt. Werbung würde teurer. Am Ende würden aber wohl eher keine Probleme gelöst, sondern nur neue geschaffen. Trotzdem ist so eine Steuer ein interessanter Gedanke – weil zumindest die Tatsache deutlich wird: Die Gemeinschaft verliert durch zu viel online verbrachter Zeit.

Facebook macht in einem Quartal 13 Milliarden Dollar Umsatz. Über 23 Dollar pro Kopf! Unsere Aufmerksamkeit ist also tatsächlich Gold wert. Facebook verdient mit jedem US-Amerikaner mehr als Netflix an Gebühren nimmt. Google macht sogar den 4-fachen Umsatz. Mächtig viel Geld, das mit der Aufmerksamkeit von Milliarden Menschen gemacht wird – und das zu geringerer Arbeitskraft führt, die woanders fehlt. Von anderen Aspekten ganz zu schweigen. Aber kann eine Aufmerksamkeitssteuer das ausgleichen?




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