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Berlin fördert KI mit drei Milliarden: Was steckt dahinter?

15.11.2018 | Von Jörg Schieb

Internet

Drei Milliarden Euro will die Bundesregierung bereitstellen, um die KI-Forschung in Deutschland zu fördern. „Hurra, ein Lebenszeichen!“, will man da ausrufen. Denn das Thema Digitalisierung spielt in Berlin ansonsten nicht die geringste Rolle. Keine Visionen, nichts zur Abwehr von Gefahren. Es gibt schlichtweg kein ressortübergreifendes Konzept. Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass nun drei Milliarden locker gemacht werden.

Das offiziell gesteckte Ziel: Deutschland zum führenden Forschungsstandort für Künstliche Intelligenz (KI) zu machen. Das ist ehrenwert. Allerdings wird sich das Ziel kaum erreichen lassen. Aus vielen Gründen. Unter anderem, weil die anderen schon viel weiter sind. Die Amerikaner natürlich. Aber vor allem die Chinesen.

Wo bleibt die Ethik?

Die geben richtig Gas – und stecken unfassbar hohe Beträge in die Entwickling. Sie setzen ihre Systeme auch einfach so gegen ihre eigene Bevölkerung ein. Stichwort: Komplettüberwachung und Scoring-Systeme in China. Skrupel gibt es keine.

Wollen wir das hier auch? Es ist fast schon anrührend, wie begeistert und Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der Kölner Firma DeepL berichtet, die ein fraglos ungeheuer gutes Übersetzungssystem entwickelt hat (ich habe hier schon darüber berichtet). Altmaier freut sich dann, ist stolz wie Oskar, wie ein Papa auf seine Kinder: Seht her, ja, das wurde tatsächlich in Deutschland entwickelt.

Interview mit Dr. Viehoff zum Thema KI

Es fehlt an Visionen und Strategien

Allerdings sollte es nicht nur um die Weiterentwicklung dieser Systeme gehen. Das ist klug, aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es muss auch um ethische Fragen gehen: Was sollen Algorithmen allgemein dürfen, was KI im Besonderen? Welche Grenzen soll es geben? Wie bewertet man die Systeme, die uns bewerten? Wie lässt sich so etwas international aufhängen? Am besten sogar bei den Vereinten Nationen (UN)? Es gibt keinen einzigen Politiker, der an so etwas auch nur denkt, geschweige handelt.

Zwar heißt es auch in Berlin, dass im Sinne des „demokratischen Anspruchs“ eine „verantwortungsvolle und gemeinwohlorientierte Entwicklung und Nutzung von Kl“ ermöglicht werden soll und in einem breiten gesellschaftlichen Dialog „ethisch, rechtlich und kulturell“ debattiert werden soll. Immerhin.

Doch wie wäre es mit vorausschauender Politik? Mitdenken. Weiterdenken. Handeln. Nicht: Drei Milliarden Euro locker machen, weil es die anderen auch tun. Das ist keine Gestaltung. Das ist ein Sich-von-anderen-treiben-lassen. Sollte dieser Schritt jetzt ein „Awakening“ sein, also nur eine Art erster Reflex, der Beginn für etwas für Neues, dann wäre ich zufrieden. Aber ich fürchte, genau das Gegenteil passiert: „Aber wir haben doch die KI gefördert“, werden wir zu hören bekommen. Genug getan. Thema Digitalisierung abgeschlossen.




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