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Werden KI-Systeme irgendwann intelligenter als der Mensch?

von | 16.11.2018 | Digital

Alle reden derzeit über KI – auch über maschinelles Lernen, Deep Learning und jetzt über Large Language Models wie ChatGPT, Claude oder Gemini. Die Erwartungen sind astronomisch hoch. Aber die Risiken auch. Nur wird darüber weniger geredet. Wie auch über die grundlegende Frage, ob man überhaupt von einer „Intelligenz“ sprechen darf.

Ich meine: Nein. Niemals. Man muss von sogenannter KI sprechen.

Sogenannte KI-Systeme können in bestimmten Bereichen schneller sein als der Mensch, schneller Erkenntnisse gewinnen, schneller Muster erkennen – von mir aus auch schneller Entscheidungen fällen. Das ist ihre Stärke. ChatGPT kann in Sekunden Texte verfassen, die durchaus beeindruckend sind. Midjourney erschafft Bilder, die kaum von menschlichen Kunstwerken zu unterscheiden sind. Und Googles AlphaFold löst Proteinstrukturen, wofür Wissenschaftler früher Jahre brauchten.

Aber das ist keine „Intelligenz“. Es ist einfach ein Etikettenschwindel, diesen Begriff zu verwenden.

GDJ / Pixabay

 

Was echte Intelligenz ausmacht

Intelligenz setzt etwas voraus, was Maschinen nicht haben: Ein Verständnis für das Leben und damit verbunden eine Angst vor dem Tod. Echte Intelligenz entsteht aus der Erfahrung des Lebens, aus Zweifeln, aus der Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit.

Das haben Maschinen nicht. Sie können keine Emotionen entwickeln. Deshalb auch nicht wirklich kreativ sein. Sie können all das lediglich simulieren, aber es ist nicht echt. Da ist jede Katze weiter.

Die Grenzen der aktuellen KI-Systeme

Nehmen wir ChatGPT: Das System ist beeindruckend in der Textgenerierung, kann aber nicht zwischen wahr und falsch unterscheiden. Es „halluziniert“ regelmäßig – erfindet Fakten, die plausibel klingen, aber völlig falsch sind. Warum? Weil es keine echte Welterfahrung hat, sondern nur statistische Muster aus Trainingsdaten reproduziert.

Bildgeneratoren wie DALL-E oder Stable Diffusion können atemberaubende Bilder erschaffen, verstehen aber nicht, was sie da eigentlich „malen“. Sie haben kein Konzept von Raum, Zeit oder Kausalität – sie kombinieren nur Pixel nach erlernten Mustern.

Selbst die fortschrittlichsten KI-Systeme sind im Grunde hochentwickelte Analysewerkzeuge. Sie erkennen Muster in riesigen Datenmengen und können diese extrapolieren. Das ist durchaus nützlich, aber es ist keine Intelligenz.

Die Gefahr der Selbstüberschätzung

Trotzdem können KI-Systeme zu einer echten Bedrohung werden – aber nicht, weil sie uns überlegen sind, sondern weil wir ihre Fähigkeiten maßlos überschätzen. Wenn Unternehmen wichtige Entscheidungen an Algorithmen delegieren, die sie selbst nicht verstehen. Wenn Gerichte KI-generierte „Gutachten“ als Grundlage für Urteile verwenden. Wenn autonome Waffensysteme Leben und Tod entscheiden sollen.

Die wirkliche Gefahr liegt nicht in einer superintelligenten KI, die die Weltherrschaft übernimmt – das ist Science-Fiction. Die Gefahr liegt darin, dass wir Menschen zu viel Vertrauen in Systeme setzen, die fundamentale Schwächen haben.

Was KI wirklich kann – und was nicht

KI-Systeme sind fantastische Werkzeuge für spezielle Aufgaben: Texte übersetzen, Bilder analysieren, Muster in Daten finden, Routineaufgaben automatisieren. In diesen Bereichen können sie Menschen tatsächlich übertreffen – nicht durch Intelligenz, sondern durch reine Rechenpower und Geschwindigkeit.

Aber sie verstehen nicht, was sie tun. Sie haben keine Intuition, keine Ethik, keine Lebenserfahrung. Sie können nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden, haben kein Gefühl für Kontext oder Nuancen.

Der richtige Umgang mit KI

Statt von „Künstlicher Intelligenz“ sollten wir ehrlicher von „Automatisierten Analysesystemen“ oder „Musterkennungsmaschinen“ sprechen. Das würde helfen, die Erwartungen zu dämpfen und einen realistischeren Umgang zu fördern.

KI-Systeme sind mächtige Assistenten, keine Ersatz-Hirne. Sie können uns helfen, bessere Entscheidungen zu treffen – aber die Entscheidungen selbst müssen Menschen treffen. Mit Verstand, Erfahrung und Verantwortungsgefühl.

Fazit: Nein, KI-Systeme werden niemals intelligenter als Menschen – weil sie gar nicht intelligent sind. Sie sind sehr, sehr gute Rechenmaschinen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Zuletzt aktualisiert am 07.03.2026

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