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Das 5G-Netz kommt – aber wie?

26.11.2018 | Von Jörg Schieb

Mobility

Derzeit laufen die Vorbereitungen für das neue Mobilfunknetz 5G. Es sind viele Erwartungen damit verbunden, zum Beispiel ein sehr viel schnelleres Internet unterwegs zu bezahlbaren Preisen. Doch wie es aussieht, könnte uns doch ein Flickenteppich erwarten: Eine Landkarte mit vielen Funklöchern. Dabei wäre das gar nicht nötig.

5G ist um ein Mehrfaches schneller als LTE. Es sind bis zu 10 GBit/Sekunde drin. Grob gesprochen ist 5G bis zu 100 Mal schneller als das aktuelle Funknetzwerk LTE. Besonders wichtig ist, dass sich mit 5G die Daten in Echtzeit übertragen lassen, also ohne Wartezeiten, blitzschnell.

Das ist in bestimmten Bereichen sehr wichtig, zum Beispiel in der Telemedizin, beim autonomen Fahren oder auch bei Maschinen, die per 5G vernetzt sind und Daten austauschen. 5G ist also nicht so wichtig für unsere Smartphones oder Tablets, sondern für neue Anwendungen – und die Industrie.

5G; Rechte: Pixabay

Deutlich schneller – wenn verfügbar

5G wird als nächster Meilenstein bei der Digitalisierung verstanden. Man will zeigen, dass Deutschland ein modernes Industrieland ist – und deshalb flächendeckend 5G anbieten.

Flächendeckend ist ein gutes Stichwort. Also überall, in den Städten, auf dem Land, im Zug, auf der Zugspitze? Leider nein. Die Kanzlerin sagt, dass „5G überall und für alle zu schaffen weder bedarfsgerecht, noch realistisch zu finanzieren sei“. Bedeutet im Klartext: 5G wird kommen – aber nicht überall zu haben sein. Vor allem auf dem Land wird es – wieder mal – erhebliche Probleme geben. Funklöcher.

Ein riesiges Problem, denn wo es kein 5G gibt, wird man erhebliche Wettbewerbsnachteile haben. Auf dem Land gibt es heute schon enorme Probleme – und wohl auch in Zukunft wird es nicht viel besser. Heute diskutieren Netzagentur – die sind für die „Spielregeln“ verantwortlich, die den Netzbetreibern gemacht werden –  und Politik über die Rahmenbedingungen.

Die geplante Abdeckung

Die Bundesnetzagentur definiert, wie das neue Netz in den nächsten Jahren aufgebaut sein soll, wie viele Masten die Anbieter bauen müssen – und wie viele Funklöcher dann noch sein dürfen. Die Netzagentur will zwar eine bessere Netzabdeckung vorschreiben als jetzt.

Ein lückenloses schnelles Netz wird es aber den bisherigen Plänen zufolge nicht geben. Die Netzagentur will die Anbieter dazu verpflichten, bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland mit einer Übertragungsrate von 100 Megabit pro Sekunde zu versorgen. Das reicht aber bei weitem nicht. Denn 100 Mbit/Sekunde beutet eben nicht: 5G. Und es ist langsam. Außerdem bleiben 2% unversorgt.

Landkarte 5G;; Rechte: Pixabay 

98% der Haushalte sind 85% der Fläche

Geplant ist, das aktuell verfügbar Datentempo mehr oder weniger zu verdoppeln. Das ist natürlich ein Witz, wenn 100 Mal schneller geht. Und die Versorgungsdichte der Haushalte ist ein Trick: 98% klingt viel. Bedeutet aber, dass 10-15% der Landfläche unversorgt bleibt. Das bekommen natürlich auch alle zu spüren, die sonst in der Stadt wohnen und in den Funklöchern keinen Empfang haben.

Und alle, die auf dem Land wohnen, bleiben immer noch unversorgt. Das ärgert viele Politiker, auch aus der CDU: Sie haben einen Brandbrief geschrieben und verlangen von den Ministern Altmaier (Wirtschaft) und Scheuer (Verkehr), die für den Netzausbau zuständig sind, einen solchen Flickenteppich und zu geringes Datentempo bei 5G zu vermeiden. Eine bessere Versorgung würde Milliarden mehr kosten, sagt die Bundesnetzagentur. Jetzt muss geklärt werden: Wollen wir das, wer bezahlt das?

National Roaming

Es gibt noch andere Streitpunkte, etwa „National Roaming“. National Roaming bedeutet, dass es egal ist, bei welchem Netzanbieter ich bin – ich kann mich in jede vorhandene Netzzelle einbuchen. Das würde es Billiganbietern wie 1&1 erlauben, auf die deutlich besser ausgebauten Netze von Telekom oder Vodafone zuzugreifen.

Jemand mit 1&1-Vertrag könnte dann auf dem Land trotzdem ins Netz gehen. Das wäre natürlich gut für die kleinen Netzanbieter, sie müssten weniger investieren. Würde aber denen, die viel mehr Geld in die Hand nehmen, den Wettbewerbsvorteil nehmen. Für uns Konsumenten wäre es erheblich besser, wenn es National Roaming gäbe.

Es sieht aber nicht danach aus. Weiterer Vorteil wäre: In ländlichen Gebieten müssen nicht alle drei Großen Sendmaste aufstellen. Es würde reichen, wenn es jeweils einer macht. Man könnte das Land dann schneller und besser versorgen.

1782376 / Pixabay

 

Bedenkt man, dass der Netzausbau im Koalitionsvertrag steht, sollte die Politik nun endlich mal Entscheidungen fällen. Die bisherige Haltung und Vorgehensweise ist armselig. Die Tatsache, dass mit Altmaier und Scheuer zwei Minister zuständig sind, ist tragisch genug.

Dann gibt es mit Dorothee Bär, die für Digitales zuständig sein soll, noch eine dritte Person. Aber: Nichts passiert. Es darf nichts kosten, man will niemanden auf die Füße treten. Am Ende haben wir wieder etwas Halbgares, das keinem etwas bringt. Schwache Entscheidungen ohne jeden Weitblick. Vielerorts wird man sich mit offenen WLANs behelfen können, da ist ja heute mehr drin. Thema: Freifunk. Aber auf dem Land ist auch das keine Lösung, da es kaum schnelles DSL gibt.

 

 




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