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Problematische Bewertungen: Warum wir ihnen nicht trauen können

07.12.2018 | Von Jörg Schieb

Internet

Geben wir es zu: In den Wochen vor Weihnachten kaufen wir mehr ein als sonst. Geschenke. Und weil die Zeit knapp wird, das ein oder andere auch natürlich in Onlineshops. Bei Amazon und Co. Aber taugt das was, was wir da sehen? Rezensionen lesen macht schlau, oder? Ja. Und Nein. Denn auch Rezensionen sind nicht immer ehrlich, sondern gerne auch schon mal gefakt.

Viele schauen sich regelmäßig Bewertungen in Onlineshops an, bevor sie etwas kaufen. Sie fühlen sich gut informiert, weil man sieht, welche Erfahrungen andere gemacht haben. Das ist für die meisten das wichtigste Argument, Rezensionen in Onlineshops zu studieren.

Ich kann das verstehen, ich mache das auch – misstraue aber den Rezensionen weitgehend.

Denn im Grunde haben sie nur eine Funktion: Verkaufsförderung. Das wissen die Onlineshops und Portale, aber auch die Hersteller und sorgen für reichlich gute Bewertungen. Viele Bewertungen – nicht alle! – sind gefakt. Also es wird dafür bezahlt, dass sie geschrieben und eingestellt werden. Es gibt also guten Grund, den Besprechungen in den Onlineshops zu misstrauen.

Gefakte Rezensionen? Ganz einfach zu bekommen

Es ist total einfach, gite Rezensionen für eigene Produkte zu bekommen: Man beauftragt eine Agentur. Und selbst das ist nicht schwierig: Einfach „Amazon Bewertungen“ bei Google eingeben, schon erscheinen Anzeigen von Agenturen, die solche Manipulationen anbieten.

Und das funktioniert so: Man bezahlt die Agenturen dafür, dass sie Bewertungen schreiben, bei Amazon, Facebook, Google, aber auch in App-Stores und Co.

Die Agenturen verfassen Texte, manuell, gut lesbar, und stellen sie dort ein, wo der Auftraggeber sie haben will. Es ist also kein Problem, gute Rezensionen zu bekommen – es ist nur eine Frage der Investition. Einzelne manipulierte Besprechungen gibt es ab 15 EUR.

Die Agenturen sind mit allen Wassern gewaschen. Sie wissen, dass „verifizierte Käufe“ besser wirken, also kaufen sie auf Wunsch sogar die Produkte, damit sie im Onlineshop gut dastehen. Die Leser der Rezensionen glauben, sie würden eine ehrliche Bewertung lesen – tun sie aber nicht.

Sales Boost: Noch mehr Tricksereien

Keineswegs die einzige Art die Manipulation. Die Algorithmen von Amazon und Co. begünstigen Produkte, die sich gut verkaufen, sie erscheinen bei Suchanfragen weiter oben. Deshalb bieten manche Agenturen auch sogenannte „Sale Boosts“ an. Sie sorgen dafür, dass das Produkt des Kunden besser gekauft wird. Etwa, indem Gutscheine erzeugt werden, die derart hoch sind, dass ein Produkt zwar viel gekauft wird, der Hersteller daran aber gar nichts verdient.

Im Gegenteil: Er zahlt für den „Sale Boost“ eine saftige Gebühr. Doch die Verkaufsstatistik zeigt nach oben, durch die Fake-Käufe, das lockt dann irgendwann echte Käufer an. Sie sehen gute Bewertungen und gute Verkaufszahlen – Amazon zB zeigt ja auch das Ranking an – und schlagen zu. Schon hat die Verkaufsfalle wieder zugeschnappt.

Was unternehmen die Onlineshops dagegen?

Die ganz kleinen Onlineshops gar nichts, den Aufwand können sie gar nicht betreiben. Die großen haben – angeblich! – Algorithmen entwickelt, um Betrüger zu erkennen. Man kann ja sehen, wenn ein Rechner, eine IP-Adresse besonders oft oder häufig Rezensionen schreibt.

Das lässt vermuten, dass jemand für Besprechungen bezahlt wird. Heute eine Waschmaschine und einen Werkzeuggürtel bewerten, morgen ein Rosenöl und eine Handyhülle? Eher unwahrscheinlich. Auch überprüfen manche Anbieter wie Amazon, ob der Rezensent das Produkt überhaupt gekauft hat. Nur wenn ja, steht „verifizierter Käufer“ daneben. Aber das ist auch keine Garantie, dass eine Bewertung wirklich ehrlich ist.

Worauf kann man sich verlassen?

Natürlich sind unabhängige Tests wie bei der Stiftung Warentest Gold wert. Und natürlich sind auch in den Onlineportalen geschriebene Rezensionen keineswegs alle gefälscht. Aber doch recht viele. Man ist gut beraten, einzelnen Rezensionen nicht zu trauen.

Weder zu guten, noch zu schlechten. Denn es gibt auch Unternehmen, die versuchen die Produkte oder Angebote der Konkurrenz runterschreiben zu lassen. Das einzige, was man machen kann, wenn man die Rezensionen von Produkten in großen Onlineshops selbst liest:

Drüber fliegen und eine Tendenz feststellen. Die durchschnittliche Bewertung ist interessant. Aber nicht bei insgesamt drei Rezensionen, sondern wenn es mehrere Dutzend oder sogar mehrere Hundert Rezensionen sind. So viele lassen sich dann doch nicht fälschen.

Sinnvoll oder nicht?

Ich halte nicht viel von Bewertungen in Onlineshops. Sie sind Manipulationswerkzeuge. Sie sollen zum Kauf anregen, nicht informieren. Würden sie den Verkauf verhindern, würden sie Amazon und Co. nicht anbieten. Sie verleiten uns zum Kauf. Wenn ich ein Produkt kaufe bei Amazon, bekomme ich oft eine Mail:

Wollen Sie das Produkt nicht besprechen? Klar, ich mache mir die Arbeit – und Amazon profitiert. Weil andere Kunden dann womöglich noch mehr kaufen. Es ist eine Pervertierung des Systems. Abgesehen davon werden die Urteile von Nichtfachleuten sowieso überschätzt: Da kommt viel Meinung und Gefühl ins Spiel. Es wird nicht objektiv und nach immer gleichen Maßstäben beurteilt. Das kann nicht wirklich fair und nützlich sein. Das ist also ein Trick. Darauf sollten wir nicht reinfallen.

 

 




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