Wir sind es gewohnt, dass das meiste im Netz kostenlos ist. Nun haben wir den Salat: Große Komnzerne wie Facebook, Twitter und Google machen den meisten Umsatz mit Werbung – und indem die User manipuliert werden, sagt Jaron Lanier. Er fordert deshalb ein komplettes Umdenlen. Und ein Ende der Gratis-Kultur.

Im Netz ist fast alles umsonst. Längst ist klar: Wir bezahlen zwar kein Geld für Dienstleistungen und Inhalte im Netz, dafür aber mit unseren ureigenen Daten. Darum ist Werbung im Netz omnipräsent, Spionage und Manipulation allgegenwärtig. Einige der Online-Konzerne setzen deshalb sogar süchtigmachende Techniken ein, damit die User möglichst oft ihre Dienste nutzen und so besonders viele Daten abliefern. Man könnte es auch so sagen: Der User wird ausgequetscht wie eine Zitrone.

Die User sollen zahlen – und selbst entlohnt werden

Das ist so weit nichts Neues, auch wenn es immer wieder in Vergessenheit gerät. Aber welche Konsequenzen ziehen wir aus dieser erschütternden Erkenntnis? Der Internetkritiker Jaron Lanier stellt gerne schon mal lautstarke Forderungen. Lanier hat die Virtual Reality mehr oder weniger erfunden und war quasi einer der Geburtshelfer des Internet, hat uns also die Probleme mit eingebrockt. Doch er ist vom Saulus zum Paulus geworden.

Heute fordert er lautstark: Lasst uns Schluss machen mit der Gratis-Kultur. Sie hat uns nur Unheil gebracht. Sie zerstört uns. Weil ein Ungleichgewicht entsteht: Die einen haben alle Macht, das sind die Konzerne. Unternehmen wie Facebook wüssten heute mehr über jeden einzelnen als die Stasi, sagt Lanier. Und er hat zweifelsohne Recht.

Doch weil alles durch Werbung finanziert wird, kommen perverse Mechanismen zum Einsatz: Die User bekommen gezeigt, was ihnen gefällt. Was Aufmerksamkeit erzeugt. Nicht, was gut ist. Hauptsache Klicks, Hauptsache Werbung. Eine Geschäft, das auf Manipulation und Täuschung beruht.

Öffentlich oder kommerziell?

Was also kann die Lösung sein? Lanier stellt zwei Möglichkeiten vor: (a) Das Internet wird öffentlich oder öffentlich-rechtlich. Das würde aber bedeuten, dass es in unzählige nationale Einheiten zerfällt – und es droht, dass einzelne Regierungen das Netz missbrauchen.

Oder (b) eine Bezahlkultur. Alles soll bezahlt werden. Inhalte. Artikel. Videos. Aber auch die User, wenn sie Inhalte herstellen, die andere interessieren. Wenn sie etwas teilen. Daten zuliefern, sollte also bezahlt werden. Das wäre auf eine gewisse Weise fair, würde Arbeitsplätze bringen – aber trotzdem nicht alle Probleme lösen.

Denn mehr denn je wäre es reizvoll, unsinnige, aber reizstarke Inhalte anzubieten. Dennoch: Mit radikalen Ideen an das aktuelle Problem heranzugehen, ist der richtige Ansatz. Sonst ändert sich nichts.