Was denn jetzt? Sollen junge Menschen sich politisch engagieren – oder sollen sie es nicht? Im Augenblick hat man den Eindruck, sie sollen es nicht. Die politische Kaste möchte anscheinend am liebsten durchregieren. Störungen und Kritik unerwünscht. Das Wahlvolk taugt bestenfalls als Claqueur und eben Kreuzchenmacher.

4,7 Millionen Unterschriften, die sich gegen die Urheberrechtsreform der EU wehren wollen. Und von der EU-Kommission als „Mob“ bezeichnet werden. Jede Menge Jugendliche, die jeden Freitag protestieren, damit endlich entschlossen gegen den Klimawandel regiert wird (was zweifellos das deutlich wichtigere Thema ist). Und was dürfen sich diese engagierten, für die richtige Sache eintretenden Menschen anhören: Sie bekommen Kritik zu hören, warum sie die Schule schwänzen.

Unglaublich.

Mob und Pöbel ist nicht dasselbe

Zwar ist „Mob“ nicht dasselbe wie „Pöbel“, denn „Mob“ bedeutet „aufgewiegelte Volksmenge“, während „Pöbel“ für „ungebildete, unkultivierte, in der Masse gewaltbereite Menschen“ steht – ist also nun wirklich nicht dasselbe. Immer wieder lese ich, die Menschen wären als Pöbel bezeichnet worden. Stimmt nicht. Eine „aufgewiegelte Volksmenge“, das trifft es schon eher, denkt man an die alarmistischen Aktionen von YouTube, die zweifellos aufwiegelnd sind und waren – und ihren Zweck nicht verfehlt haben.

Trotzdem: Es ist kein Mob, der sich gegen Artikel 13 auflehnt. Es sind Menschen , die sich ernsthafte Sorgen machen, dass die Dinge sich in eine Richtung entwickeln, die sie nicht wollen. Und das ist auch mehr als verständlich. Wer das nicht nachvollziehen kann, hat vermutlich wirklich noch nie selbst relevante Inhalte online gestellt. Diese sorgenvolle Masse als „Mob“ zu bezeichnen, ist unterste Schublade. Eine Frechheit. Ein politischer Hirninfarkt.

Auch Zensur ist falsch

Allerdings ist auch der häufig zu hörende Vorwurf der „Zensur“ völliger Unsinn, denn eine Zensur ist „von zuständiger, besonders staatlicher Stelle angeordnete Kontrolle, Überprüfung von Druckwerken, Filmen, Briefen o. Ä. im Hinblick auf Unerlaubtes oder Unerwünschtes. Man kann über Upload-Filter so manches sagen, aber das trifft auf sie nun wirklich nicht zu. Wer genauer hinguckt, erkennt das auch.

Es geht nicht im unerwünschte Inhalte. Es geht darum, das Urheberrecht zu reformieren – damit die, die berechtigtes Interesse daran haben, dass ihre geistige Arbeit nicht automatisch zu kostenlos vewertbaren Inhalten wird – was derzeit weitgehend Status quo ist -, ihr Recht bekommen. Bei Musik klappt das doch schon ganz gut.

Es muss eine ganz andere Lösung her

Beide Seiten haben Unrecht. Es muss eine Lösung her, die beide Seiten nachvollziehen und unterstützen können. Derzeit hat man leider den Eindruck, dass in Brüssel zu sehr auf Lobbyisten gehört wird. Eigentlich fast nur.

Deswegen Respekt vor Bundesjustizministerin Barley, die Größe gezeigt hat, als ihr die Unterschriften übergeben wurden – und der man anmerkt, dass sie die Proteste gut verstehen kann.