Mark Zuckerbergs Plattform Facebook führt offensichtlich interne Liste mit Namen von Feinden, Kritikern und Gegnern des Unternehmens,. Die Betroffenen werden mitunter penibel überwacht – aktueller Standort inklusive, Das musste der Konzern nun einräumen.

Facebook gibt sich gerne als hip, modern, offen. Wir wissen mittlerweile, dass das alles nur Fassade ist. Denn Facebook lässt sich nicht gerne in die Karten schauen – und macht gerne, was es will. Kritiker gibt es mittlerweile immer mehr.

Und die – werden von Facebook keineswegs ignoriert. Sie werden überwacht. Durch eine eigene Abteilung bei Facebook. Eine schon länger gehegte Vermutung, die dieses Wochenende allerdings Gewissheit erlangt hat.

Facebook gibt sich zwar gerne locker und tolerant, ist es aber nicht. Bereits im vergangenen Jahr ist bekannt geworden, dass Facebook eine teure PR-Agentur damit beauftragt hat, lautstarke Kritiker mundtot zu machen. Mit PR-Kampagnen. Es hat sogar den Investor George Soros getroffen. Methoden wie in einem Hollywood-Film.

Seit einigen Wochen wissen wir durch Recherchen von CNBC, dass Facebook möglicherweise Listen führt, mit den Namen von Facebook-Kritikern und ehemaligen Mitarbeitern, die nicht mehr loyal hinter dem Unternehmen stehen. Jetzt hat das Unternehmen danke Recherchedruck zugegeben, dass es solche Listen gibt. Ich habe mit einem der Journalisten gesprochen, die die Sache aufgedeckt haben.

Facebook führt eigene Liste mit Kritikern

Das Erschreckende sind die Methoden. Facebook räumt zwar ein, dass es die Liste gibt, erklärt aber nicht, wie viele Personen darauf stehen und welche Kriterien erfüllt sein müssen, um auf der Liste zu landen. Bedroht jemand öffentlich Mark Zuckerberg und seine Familie, wäre das vielleicht noch nachvollziehbar.

Aber die Kriterien scheinen deutlich weiter gefasst zu sein. Auch ob und unter welchen Umständen kritische Autoren oder Journalisten auf dieser Liste landen, wird nicht verraten. Besorgniserregend ist, was Facebook mit der Liste macht. Offensichtlich werden auch regelmäßig oder gelegentlich die Aufenthaltsorte der betroffenen Personen ermittelt und ausgewertet. Das geht, wenn die Facebook-App installiert ist.

Dann kann Mark Zuckerbergs Unternehmen praktisch eine lückenlose Dokumentation und Bewegungsprofile erstellen. Angeblich, um Mitarbeiter von Facebook zu schützen. Als wären die Menschen auf der Liste Terroristen. Man muss es so deutlich sagen: Facebook hat eine eigene Stasi. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Prof. Johannes Caspar hat eine offizielle Untersuchung eingeleitet.

Eigener Nachrichtendienst

Dass ein Unternehmen wie Facebook auch Bedrohungen ausgesetzt ist, kann man sich leicht vorstellen. Ist es da nicht nachvollziehbar, dass sich das Unternehmen schützt, werden manche denken?

Natürlich kann und muss sich ein Unternehmen schützen. Aber doch sicher nicht, indem eigenmächtig Personen zu Gefährdern deklariert werden – und ihre Daten, über die das Unternehmen verfügt, ungeniert missbraucht werden. In Fällen ernstafter Bedrohung wäre es wohl angeraten, sich den staatlichen Behörden des jeweiligen Landes anzuvertrauen und mit diesen zusammenzuarbeiten.

Es ist äußerst bedenklich, mit welcher Selbstverständlichkeit Facebook einen eigenen Nachrichtendienst etabliert, mit eigenen Spielregeln und völlig intransparent. Abgesehen davon: Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass völlig unbescholtene Bürger „überwacht“ werden – ohne es zu wissen. Das sprengt ja selbst die Datenvorratsspeicherung. Es ist ein skandalöser Vorgang. Natürlich zeigt sich Facebook mal wieder nicht sonderlich einsichtig und ist intransparent.

Von wegen Datenschutz und Privatsphäre

Dabei hat Mark Zuckerberg erst vergangene Woche eine große Kampagne angekündigt: Angeblich habe Facebook gelernt und verstanden, man kümmere sich nun um mehr Datenschutz.

Eine Farce, nichts weiter. Zuckerberg und sein Konzern machen, was sie wollen. Zuckerberg in Person ist nicht zur Einsicht fähig. Er ist taub für Argumente jeder Art. Er hat nur seinen eigenen Vorteil im Blick und kümmert sich nicht um rechtsstaatliche Aspekte.

Dieser jüngste Fall aus sozusagen nur das Ausrufezeichen hinter einer Reihe von anderen Beispielen, die belegen, dass Facebook eine Bedrohung für die Öffentlichkeit darstellt. Man kann es nicht deutlich genug sagen. Dem Konzern gehören endlich mal die Grenzen aufgezeigt. Machen wir das nicht, werden andere diesem Beispiel folgen.