Was wissen eigentlich Onlinedienste wie Google, Facebook oder auch Amazon über uns? Diese Frage stellen sich viele uns immer wieder. Aus gutem Grund, denn die Onlinedienste scheinen nie zufrieden. Sie bohren immer wieder nach neuen Datenquellen – um psychologische Profile über uns zu erstellen. Egal, ob wir etwas bei Amazon suchen, einen Musiktitel starten, Netflix schauen, ein Foto hochladen…

Die meisten von uns haben sich daran gewöhnt: Wenn wir bei Google etwas suchen oder bei Amazon etwas einkaufen, na, dann wissen die halt, was uns gerade interessiert: Wir wollen wissen, was im Kino läuft – oder dass wir schon drei Bände von Harry Potter bestellt haben. So what? Dann werden die Vorschläge von Google und Amazon eben etwas konkreter.

Wieso Gedanken machen? Weil Big Brother der reinste Kindergarten ist verglichen mit dem, was in der Onlinewelt bereits Realität ist. Wissen bedeutet Macht, wissen wir. Und Google, Facebook, Amazon und Co. wissen unglaublich viel. Die schiere Datenmenge macht den Unterschied. Google zum Beispiel erkennt Grippeepidemien anhand von sich ändernden Anfragen der User. Sie geben Symptome ein. Und so weiß Google schon Tage vor den Gesundheitsämtern, dass sich was tut – und wo. Das ist jetzt abstrakt, aber es geht auch konkret.

Amazon ermittelt unsere Stimmung

Wie soll es denn möglich sein, dass Google, Apple oder Amazon etwas über unsere Stimmung erfahren?

Da gibt es unterschiedliche Methoden. Da uns die drei ständig beobachten, mehr denn je, wenn wir Digitale Assistenten wie Alexa, Siri, Cortana und Co. benutzen, bekommen sie auch Stimmungsschwankungen mit. Suchen wir eher nach fröhlichen Filmen oder Büchern, oder nach traurigen? Welche Musik hören wir? Wenn wir die Streamingdienste per Sprachbefehl bedienen, bekommen sie natürlich besonders viel mit.

Amazon hat sogar ein Patent darauf, anhand der Stimme zu erkennen, wie wir gerade drauf sind. Das bedeutet: Amazon kennt uns schnell besser als der Ehepartner. KI kann anhand der Stimme Stimmungsschwankungen erkennen – und realisieren. All das fließt in die Algorithmen ein. Sind wir gut drauf, bekommen wir andere Musik vorgeschlagen als wenn wir niedergeschlagen sind. Wir bekommen auch andere Werbung präsentiert, andere Produkte. Wir sind ein offenes Buch für Google, Facebook, Amazon und Co.

KI kann präzise Diagnosen stellen

Woran liegt es, dass uns die Onlinedienste immer besser kennen? Werden die Algorithmen immer besser?

Unbedingt: Die KI wird immer besser, kann immer schneller rechnen. Aber vor allem: Die Datenbasis wird immer breiter. KI ist kein Hellseher. Je mehr Daten vorliegen, desto präziser die Vorhersagen. Google, Amazon, Facebook und Co. wissen nicht, dass ich heute schlecht drauf bin. Es besteht lediglich eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit – anhand des Datenmaterials.

Wir dürfen nicht vergessen: Die Riesen holen sich immer mehr Daten. Amazon zB benutzen wir nicht nur zum Einkaufen, sondern als Suchmaschine für Konsumwünsche. Weil es hier praktisch alles gibt, wird hier auch alles gesucht. Außerdem hören wir Musik, streamen Filme, sprechen mit Alexa, lesen eBooks – da kommt eine Menge zusammen. Bei Google und Facebook ist es nicht anders. Auch hier gibt es jede Menge Verbindungen in den Alltag hinein. Es muss uns also klar sein: Je mehr wir Onlinedienste nutzen, desto schärfer werden unsere psychologischen Profile.

Facebook schaut ungeniert in unsere Fotos

Nun sagen manche: Facebook und Co. erfahren nicht viel von mir. Ich klicke nie auf „Gefällt mir“ und teile auch keine Inhalte. Also bekommt Facebook auch nichts von mir mit… Eine gute Strategie, die funktioniert?

Keineswegs. Amazon, Google, Facebook und Co. lassen wirklich keine Datenquelle aus. Facebook zum Beispiel hat ein neues Patent: Mark Zuckerbergs Unternehmen will unsere Fotos analysieren und Markenprodukte erkennen. Welche Cola steht da im Kühlschrank? Bei welcher Kaffeekette trinken wir Cappuccino? Welche Schokolade liegt auf dem Tisch?

Welche Markenklamotten tragen wir und unsere Freude? Facebook hat eine Technologie entwickelt, solche Dinge in Fotos zu erkennen… Wir müssen also nicht mehr auf „Like“ klicken, wenn wir solche Produkte konsumieren – Facebook sieht das schon. Gruselig. Noch setzt Facebook das nicht offiziell sein, aber Facebook hat die Technologie am Start und auch patentiert – sicher nicht nur aus Spaß.

Auch Streamingdienste schnüffeln mit

Es macht halt einen Unterschied, ob ich Kuschelrock, Oldies oder Rammstein höre. Das sagt eine Menge aus. Oder Netflix: Wann halte ich den Stream an? Welche Szene schaue ich mehrfach? Welche Untertitel nutze ich? Überspringe ich Szenen?

Neige ich also zu Gewalt, oder bevorzuge ich erotische Momente? Welche Titel schaue ich an? Bin ich Serien-Junkie oder schaue ich eher Filme? Netflix sammelt alles – und wertet alles aus. Wir machen uns gar keine Vorstellung, welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen.