Was sind sie denn jetzt: Ein neuer Kult, eine Modeerscheinung, Rettung unserer Innenstädte oder Hassobjekt für Fußgänger und Radfahrer? Die Rede ist natürlich von den eScootern, die mittlerweile in vielen großen Städten massenweise herumstehen und herumfahren. Es gibt so viele Fragen: Entlasten die Geräte wirklich die Innenstädte? Sind sie nachhaltig? Was ist mit den Akkus? Und: Welche Daten fallen an? In unserem Cosmotech-Podcast sind Dennis Horn und ich diesen Fragen auf den Grund gegangen. Die neueste Folge ist online.

Ja, ich bin jetzt ein paar Mal eScooter gefahren. Und: Es macht sogar Spaß. Ist aber auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig, was das Fahren anbelangt – und das Ausleihen.

Jeder eScooter-Verleiher hat eine eigene App am Start. Da muss man sich registrieren – und jeder Leihvorgang geht über die App. Das bedeutet: Der Verleiher weiß ganz genau, wer hat wann und wo welchen eScooter ausgeliehen und ist wohin gefahren? Da kommen einige Bewegungsprofile zusammen. Sowohl generell von eScooter-Fahrern als auch individuell von jedem einzelnen, wenn er den Dienst regelmäßig nutzt. Wir haben mit Datenschützer Thilo Weichert gesprochen.

Er sagt: Man weiß nicht, welche Daten anfallen und was am Ende damit passiert. Das Risiko ist hoch, dass sie verkauft werden.

Welche Daten fallen an?

Aber welche Daten können das schon sein: Ich bin von der Arbeit zur Salatbar gefahren?

Durchaus auch solche harmlosen Daten. Oder: Du fährst jeden Dienstag zum Therapeuten. Oder wer fährt neben Dir her? Wen triffst Du, der auch eScooter fährt? Das geht schon deutlich weiter, als man im ersten Moment denken mag. Die Praxis zeigt: Verleiher von Rädern zB speichern die Daten im Ausland und verkaufen sie weiter.

Und in China werden solche Daten schon genutzt, um zu schauen: WIE bewegt sich jemand? So, wie die Regierung es will? Wenn es immer mehr Shared Mobility gibt und die Daten aus verschiedenen Quellen zusammengelegt werden – Rad, eScooter, Auto, ÖPNV – entstehen scharfe Bewegungsprofile, selbst wenn man im Smartphone das GPS-Tracking deaktiviert hat. Das sollte man wissen und so etwas gilt es zu vermeiden.

Aber nachhaltig sind sie schon – oder?

Die einen lieben eScooter, die anderen hassen sie, weil sie überall herumliegen und eScooter-Fahrer sich nicht an die Regeln halten. Ihr seid der Frage nachgegangen, ob sie wenigstens nachhaltig und umwelchtfreundlich sind.

Darüber haben wir ausführlich gesprochen mit Arne Fellermann vom BUND. Es ist ein wirklich schwieriges Thema. So lange die eScooter-Fahrten tatsächlich Autoverkehr oder generell Individualverkehr verringern, können sie umweltfreundlich sein. Wenn sich mehr Menschen mit eScootern bewegen und damit das Zufuß-Gehen ersetzen, natürlich nicht.

Dazu muss man auch wissen, dass eScooter im Leihgeschäft maximal 6-12 Monate halten. Danach werden sie entsorgt – oder ausgeschlachtet. Auch nicht unbedingt das, was nach Umweltschutz klingt, sagt auch Arne Fellermann. Es müssen also erst mal Erfahrungen gesammelt werden. Wichtig: ALLE Verkehrskonzepte müssen ineinander greifen, also ÖPNV, Shared Mobile wie eScooter, Rad oder Bike und Auto. Wenn das intelligent gemacht ist, dann können solche Bewegungsmittel auch nachhaltig und umweltfreundlich sein. Im Augenblick eher noch nicht.

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Aufladen der eScooter: Die Juicer sind in der Stadt

Wir haben auch geschaut: Wie werden die Dinger eigentlich wieder aufgeladen?

Richtig: Manche Verleiher wie Tier sammeln die Geräte abends selbst ein, überprüfen sie, reparieren sie und laden sie wieder auf. Andere Verleiher tauschen nur die Akkus aus. Wieder andere wie Lime setzen auf „Juicer“: Das sins freie Mitarbeiter, die sich die Geräte in der Stadt zusammensuchen und auf eigene Rechnung aufladen müssen.

Wenn das nicht mit Ökostrom passiert, ist es mit dem Umweltschutz also nicht weit her. Danach verteilen sie die Geräte wieder – und das für wenige EUR pro eScooter. Ein neues Präkariat. Auch ein Thema, das uns beschäftigen wird.