Vor etwa zehn Jahren hat Google seinen Kartendienst Streetview gestartet. Kennen die meisten von uns: Da kann man sich virtuell an fremden Plätzen umschauen. Durch Straßen flanieren. Sich einen Eindruck davon verschaffen, wie es woanders eigentlich aussieht – und das nahezu auf der ganzen Welt. Dafür sind allerdings lange Zeit überall auf der Welt spezielle Google-Autos herumgefahren, die die Straßen abgefilmt haben, hat vielen nicht gefallen. Jetzt kommen die Kamera-Autos zurück – diesmal von Apple. Ab heute fahren rund 80 Autos durch Deutschland, um unser Land zu fotografieren.

Die 80 Spezialfahrzeuge von Apple fahren bis Mitte September durch die meisten Städte und Gemeinden und nehmen das Straßenbild auf. Auf den Autos sind recht sperrige Kameras installiert, die 360-Grad-Panoramaaufnahmen machen und so alles einfangen. Sie fotografieren Häuser, Straßen, Verkehrsschilder, die Namen von Geschäften und vieles andere mehr.

Eine Besonderheit gibt es: Die Wagen sind auch mit Laser ausgerüstet und tasten die Gebäude ab. Sie vermessen sie regelrecht. Das soll helfen, später anschauliche 3D-Ansichten von den Häusern zu machen. Lookaround soll ein ähnlicher Dienst wie Streetview werden. In anderen Ländern sind die Wagen schon durchs Land gerollt. Gerade sind verschiedene Länder in Europa dran.

Aber wozu das alles – was will Apple mit diesen Daten?

Apple hat einen eigenen Kartendienst, Apple Maps. Den kennt jeder Apple-Benutzer, der mit einem iPhone oder iPad arbeitet – denn die Apple-Karten werden standardmäßig angezeigt. Wo befinde ich mich gerade, wo habe ich mein Auto geparkt, wo ist das Geschäft, nach dem ich gerade gesucht habe? Allerdings sind die Kartendienste von Apple bei weitem nicht so umfangreich und praktisch wie die von Google.

Das will Apple jetzt ändern und rüstet auf. Deswegen werden die Fotoaufnahmen gemacht, Daten eingesammelt – damit die Karten besser werden. Es geht vor allem darum, Hotels, Restaurants und Geschäfte besser zu präsentieren. In 3D. Und in Augmented Reality – das bedeutet, man schaut auf das Smartphone Display und sieht in der echten Umgebung zusätzliche Informationen.

Das verspricht sich Apple davon

Es geht vor allem auch darum, die Kartendienste fürs Auto attraktiver zu machen. Es gibt ja Apple Car – und das kann nur gut funktionieren, wenn Apple 1A-Kartenmaterial anbietet. Außerdem sind natürlich in Zukunft auch noch andere Geräte denkbar, die von Apple kommen, etwa AR-Brillen. Die setzt man sich auf – und wenn man sich in der Umgebung umschaut, bekommt man zusätzliche Informationen angezeigt, zum Beispiel über Gebäude, vor denen man steht und die man anschaut.

Dasselbe gibt es als Smartphone-Apps. Die Laservermessung macht das Ganze noch präziser: Apple weiß dann, wie breit Einfahrten sind oder ob Platz zum Wenden mit dem Auto ist.

Automatisches Verpixeln

Nun haben die Deutschen ja doch enorme Magenschmerzen, wenn es darum geht, dass das eigene Haus öffentlich sichtbar ist.

Beim Abfahren der Straßen werden oft ja auch ungewollt Privatpersonen aufgenommen. Niemand möchte sich bei Apple Lookaround sehen, wie er gerade aus der Kneipe kommt – oder vom Arzt. Gesichter und Autokennzeichen werden deshalb selbstverständlich sofort verpixelt, wie wir es von Streetview kennen.  Das macht eine Software automatisch: Sie erkennt Gesichter und Autokennzeichen und macht sie unkenntlich. Sogar Gesichter, die zum Beispiel als Werbung auf einem LkW drauf sind.

Bei Hausfassaden sieht es so aus: Auch Apple muss Häuser verpixeln, wenn Bewohner das so wünschen. Es wird ein Onlineformular geben, wo man sich eintragen kann, wenn man möchte, dass ein Haus oder eine Wohnung verpixelt wird. Bislang geht das nur per E-Mail, es soll aber ein entsprechendes Online-Formular kommen.

Sinn und Unsinn des Verpixelns

Also ich bin kein Freund des Verpixelns. Aus einem einfach Grund: Die Fahrzeuge nehmen nur Fassaden auf, die sowieso jeder von der Straße sehen kann. Wenn einzelne Fassaden verpixelt sind, sieht das nicht nur unschön aus, sondern reduziert auch den Sinn: Man kann sich nicht so gut orientieren, man weiß nicht, ob ein gesuchtes Geschäft tatsächlich dort ist, wo man es vermutet.

Viele Betreiber von Geschäften, Bars, Restaurants leiden darunter, wenn ihr Nachbar das Haus verpixeln lässt – es ist geradezu geschäftsschädigend. Oder wer eine Wohnung oder ein Haus renoviert hat, kann es in diesen Diensten nicht „zeigen“. Denn so präzise funktioniert es nicht, dass gezielt einzelne Wohnungen verpixelt werden – meist trifft es ein ganzes Haus.

Andere sehen das Thema komplett anders: Sie befürchten, Einbrecher könnten Gebiete auskundschaften und sich auf einen Einbruch vorbereiten. Sie fühlen sich in ihrer Privatsphäre gestört oder wollen schlichtweg nicht, dass US-Unternehmen Geld mit dem Anblick ihrer Straße und Wohnungen verdienen.

Deutsche Besonderheit

In anderen Ländern gibt es keine verpixelte Häuser – in Deutschland schon. Wieso eigentlich?

Das liegt an der eigentümlichen Rechtsprechung – und an dem erhöhten Bedürfnis nach Datenschutz. Die Deutschen sind zwar die intensivsten Nutzer von Streetview weltweit – gleichzeitig gibt es aber fast nur in Deutschland diesen Verpixelungswahn. Eigentlich haben wir eine Panoramafreiheit in Deutschland. Alles, was man von einem öffentlichen Platz aus sehen kann, darf auch fotografiert werden. Außerde natürlich in Fenster rein. Demnach sollte es eigentlich keine Verpixelung geben.

Aber weil die Kamera auf dem Auto ein paar Zentimeter höher ist als ein Mensch, der über die Straße geht, gelten Sonderrechte. Das ist schon einigermaßen absurd. Google hat wegen diesem Ärger seine Fotoaufnahmen von Deutschland auch nicht mehr aktualisiert. Viele Betreiber von Geschäften und Hotels hätten es gerne anders.