Die beliebte Video-App TikTok (egemals musical.ly) ist vor allem bei jungen Menschen beliebt – und hat eine enorme Wirkung. Allzu politisch geht es auf TikTok in der Regel nicht zu. Aber manchmal eben doch – wenn Themen die User beschäftifen. Die Proteste in Hongkong allerdings sind auf TikTok kein Thema. Und das, obwohl die App aus China kommt. Kein Zufall.

Wer nach dem Hashtag #Hongkong oder gar #Hongkongprotests in Twitter sucht, wird überflutet mit Tweets, Fotos und Videos – viele davon zeigen brutale Übergriffe der Polizei. Seit Wochen demonstrieren tausende Menschen in Hongkong für Demokratie und Meinungsfreiheit. Die Chinesische Regierung will in der ehemaligen britischen Kronkolonie Protest und Widerstand niederschlagen. Im wahrsten Wortsinne.

Zensur bei TikTok

Die chinesische Regierung – die sich gerne als weltoffen geriert, das aber ganz sicher nicht ist – versucht mit allen Mitteln, die Medien zu steuern. Das Internet ist in China ohnehin streng kontrolliert. China versucht sogar, über Soziale Medien wie YouTube die Weltöffentlichkeit zu täuschen. Über Fake-Accounts auf Facebook und Twitter wurde gezielt gegen die Protestler agitiert. Das ist aufgefallen – viele der Postings wurden entfernt.

Und wie ist es bei TikTok? Dieser vor allem bei Jugendlichen so populären Video-App, die früher als musical.ly bekannt war?

Ich habe nachgeschaut: Es gibt ziemlich genau einen Eintrag zum Thema „Proteste in Hongkong“. Einen! Und das, obwohl die App aus China kommt. Oder besser: Weil diese App aus China kommt. TikTok gehört zum chinesischen Unternehmen ByteDance. Und das hat sich 2018 dazu verpflichtet, staatstreu zu agieren. Die „correct guidance of public opinion“ ist eine dieser Verpflichtungen – also die korrekte Führung der öffentlichen Meinung. Der Konzern nimmt diese Verpflichtung offensichtlich sehr ernst.

Der lange Arm der chinesischen Regierung

Was zeigt, wie lang der Arm der chinesischen Regierung heute reicht. Was man wissen muss: TikTok ist ohnehin die für die westliche Welt abgespaltene Version des Netzwerks. Für China selbst gibt es das Pendant Douyin, das natürlich den extrem strengen Spielregeln in China selbst unterworfen ist. Aber selbst das westliche TikTok bietet nichts zum Thema Proteste in Hongkong. Das ist vermutlich kein Zufall.

TikTok Deutschland stellt dazu fest:

TikToks Moderation entfernt keine Videos rund um die Proteste in Hongkong.

Natürlich: Auch US-Unternehmen sind Recht und Gesetz unterworfen und müssen im Zweifel – wohl oder übel – mit der NSA zusammenarbeiten. Doch gehen die Eingriffe – nach allem, was wir wissen – nicht mal ansatzweise so weit wie im Fall China. Es ist daher kein Fehler, skeptisch zu sein, wenn bei uns Produkte aus China zum Einsatz kommen. Denn die Unternehmen sind gezwungen zu kooperieren.

Ganz generell lässt sich sagen: Es wäre eine gute Idee, Europa fit für die Digitalisierung zu machen. Mit eigener Kompetenz in Sachen Hardware, in Sachen Software, in Sachen KI und natürlich auch mit eigenen Onlinediensten. Die Politik hat es versäumt, rechtzeitig die Weichen zu stellen.