Es gibt die ersten Lockerungen des Lock-Downs: Einige Geschäfts dürfen öffnen, demnächst öffnen auch die Schulen. Weitere Lockerungen könnten kommen. Aber alle Experten sagen: Das geht nur, wenn sichergestellt ist, dass Infektionsketten möglichst schnell durchbrochen werden. Damit die berühmte Reproduktionszahl bei 1 oder kleiner bleibt. Ein Werkzeug soll die Corona-App sein, die Kontakte nachverfolgen soll. Eigentlich war sie für diese Woche angekündigt oder zumindest erwartet worden. Doch sie ist nicht da – und es dauert noch.

Eine offizielle Begründung hat es in dem Sinn nicht gegeben. Aber doch einen Hinweis, wieso es noch dauert: Die Bundesregierung hat sich auf den paneuropäischen Standard-PEPP-PT festgelegt.

Die entwickelte Corona-App muss mit dem PEPP-PT-Standard kompatibel sein. PEPP-PT steht für “Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing”. Auf gut Deutsch: Pan-europäische, Privatsphäre-schützendes Verfahren zur Nachverfolgung von Annäherung. Ein einheitlicher Standard, damit nicht jedes EU-Land eine komplett eigene Lösung entwickelt. Die Veröffentlichung des PEPP-PT-Standards wurde auf Ende April verlegt. Deshalb die Verzögerung.

Warum auf PEPP-PT warten?

Die Politik betont immer wieder: Sie will eine europäisch einheitliche Lösung. Das ist in der Tat auch klug. Denn in Europa haben wir – unter normalen Umständen – ja viele Menschen, die in anderen Ländern arbeiten. Auch Reiseverkehr. Europa schottet sich ja normalerweise nicht ab. Wenn Kontakte mit anderen EU-Bürgern nicht ebenfalls rückverfolgt werden könnten, wäre das ein erheblicher Nachteil und würde den Wirkungsgrad der App deutlich reduzieren.

Wir müssen ja nur an Ischgl denken: Hier sind Menschen aus allen europäischen Ländern zusammengekommen – und haben das Virus schön verteilt. Mit einer App hätte man das sofort, wirklich sofort gemerkt. Deshalb wird auf PEPP-PT gewartet, damit man nicht nachbessern muss. Sehr sinnvoll.

Datenschutz und Privatsphäre

Auch das Thema Datenschutz und Privatsphäre wird zweifellos eine Rolle spielen. Denn in Deutschland ist das Thema Datenschutz ein sehr sensibles: App-Lösungen, wie sie in China, Südkorea oder Israel zum Einsatz kommen, lassen sich hier in Deutschland nicht durchsetzen. Aufgrund der starken Kritik. Dabei muss man sagen: In Israel greifen die Maßnahmen besonders effektiv. Israel gilt in punkto Corona als das sicherste Land der Welt.

Auch Taiwan und Südkorea stehen gut da. In China haben rigide Apps geholfen, die Ausbreitung des Virus deutlich auszubremsen. Aber das überzeugt die Kritiker hierzulande nicht – ihnen ist Rundum-Datenschutz wichtiger. Um weitere Probleme zu vermeiden, wird die Corona-App ganz sicher noch auf Datenschutz und Sicherheit getrimmt. Auch das kostet Zeit.

Die Rolle von Google und Apple

Google und Apple stellen ab Mai Programmierschnittstellen zur Verfügung, damit Corona-Apps einfacher, schneller und sicherer die Bluetooth-Funktion nutzen können. Das hilft zum Beispiel, den Akku zu schonen – und es vereinfacht auch den Datenaustausch zwischen Android und iOS. Man muss nicht darauf warten, dass Apple und Google damit offiziell starten. Wie das zu programmieren ist, steht bereits fest. Ab Mai werden die Apps das dann auch nutzen dürfen. Das erleichtert die Arbeit, mehr nicht.

Später wollen Apple und Google diese Funktionen auch direkt ins Betriebssystem einbauen und eine eigene Plattform gründen. Das wäre ggf. eine Alternative zu den Corona-Apps, weil man theoretisch gar keine App mehr brauchen würde, um die Kontakte zu ermitteln. Aber auch hier: Die Corona-App der Bundesregierung könnte diese Daten nutzen. Das ist eine Erweiterung, um sogar internationale Kontakte ermitteln zu können. Ebenfalls hilfreich.

 

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  1. […] sogenannte Corona-App ist das beste Beispiel dafür: Erst wollte die Regierung von einer App nichts wissen – obwohl […]

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