Digitalisierung: Bitte endlich kompetent angehen!

von | 24.04.2020 | Digital

Die Digitalisierung: Spätestens seit Corona wissen wir alle, wie wichtig sie ist. Millionen von Menschen arbeiten von zu Hause aus. Im Home Office. Ohne Internet und Cloud wäre das überhaupt nicht vorstellbar.

Weil wir heute praktisch alles online erledigen, kann man genauso gut zu Hause sitzen. Und von dort E-Mails von Kunden oder Kollegen beantworten, auf Dokumente und Daten zugreifen, Prozesse lostreten oder sich mit Kolleginnen und Kollegen im Video-Chat absprechen. KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Copilot haben das Arbeiten zusätzlich revolutioniert – wenn man sie denn nutzen darf.

Ohne Digitalisierung aufgeschmissen

Zweifellos eine gute Sache. Ohne Digitalisierung wären wir komplett aufgeschmissen. Aber es ist auch ein guter Zeitpunkt, genauer hinzuschauen: Was funktioniert, was funktioniert nicht? Was läuft gut, was ist ein Risiko? Denn wir sehen immer noch, was passiert, wenn eine Gesellschaft schlecht vorbereitet ist.

Glasfaser kommt – aber viel zu langsam

Fangen wir mal mit dem Internet an. Immerhin: Deutschland hat beim Glasfaserausbau endlich Fahrt aufgenommen. 2026 haben etwa 40 Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss – vor fünf Jahren waren es gerade mal 15 Prozent. Aber das reicht noch lange nicht.

Wer zu Hause keine schnelle Datenleitung hat, ist nach wie vor aufgeschmissen. Wie sollen 4K-Videokonferenzen ohne Aussetzer funktionieren? Wie sollen Cloud-Gaming oder VR-Meetings laufen? Eine 50-Mbit-Leitung wird knapp, wenn die Kinder parallel Gaming streamen, zwei Erwachsene Videokonferenzen haben und nebenbei noch KI-Tools Cloud-Berechnungen durchführen.

5G hilft – aber nicht überall

5G hat vielerorts Abhilfe geschaffen. Wo das Netz gut ausgebaut ist, erreicht ihr problemlos 100-500 Mbit/s. Das Problem: Auf dem Land gibt es noch immer weiße Flecken. Und 5G-Tarife sind teuer, besonders bei hohem Datenverbrauch.

Die Regierung verspricht seit Jahren, Deutschland digital fit zu machen. Passiert ist einiges, aber viel zu wenig. Dutzende Länder sind besser aufgestellt als wir – von Südkorea bis Estland.

Schulen: Immer noch digitale Diaspora

Die Schulen sind nach wie vor das Sorgenkind. Klar, es gibt jetzt mehr Tablets und interaktive Whiteboards. Der DigitalPakt Schule hat Milliarden mobilisiert. Aber echte Digitalstrategien? Fehlanzeige.

Das größte Problem: Die Lehrer. Viele sind digital überfordert oder verweigern sich modernen Tools. KI-Anwendungen wie ChatGPT werden meist verboten, statt Schülern den sinnvollen Umgang beizubringen. Dabei nutzen die Kids diese Tools längst – heimlich.

Es reicht definitiv nicht, Schulen mit Hardware auszustatten. Es braucht Konzepte. Eine komplett neue Denke. Und Lehrer, die digital fit sind. Sonst verpassen unsere Kinder den Anschluss an eine Welt, in der KI und Digitalkompetenz entscheidend sind.

Behörden: OZG gescheitert, aber Hoffnung da

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte bis 2022 alle Behördengänge digitalisieren. Gescheitert. Gründlich. 2026 müsst ihr immer noch für viele Anträge persönlich ins Amt. Während ihr in Estland euren kompletten Lebensweg digital abwickelt, kämpft Deutschland noch mit PDF-Formularen.

Immerhin: Einzelne Leuchtturmprojekte funktionieren. Die Steuerklärung geht mittlerweile fast komplett digital. Manche Städte haben brauchbare Apps. Aber der große Wurf? Noch nicht gelungen.

Unternehmen: KI-Revolution verschlafen?

Deutsche Unternehmen tun sich schwer mit KI. Während amerikanische und chinesische Firmen längst KI-gestützte Prozesse etabliert haben, diskutieren wir noch über Datenschutz und Compliance. Wichtige Themen, keine Frage. Aber dabei verschlafen wir den Anschluss.

Viele Mittelständler nutzen KI-Tools wie GitHub Copilot, ChatGPT Enterprise oder Microsoft 365 Copilot noch gar nicht. Stattdessen wird über Risiken philosophiert. Das Ergebnis: Produktivitätsvorsprung für die Konkurrenz.

Cybersecurity: Das verdrängte Risiko

Je digitaler wir werden, desto verletzlicher sind wir. Ransomware-Angriffe legen regelmäßig Krankenhäuser, Stadtwerke oder Unternehmen lahm. Trotzdem investieren viele zu wenig in IT-Sicherheit.

Dabei sind die Bedrohungen real: Staatshacker, Cyberkriminelle und KI-gestützte Angriffe nehmen zu. Wer Digitalisierung ernst nimmt, muss auch Cybersecurity ernst nehmen.

Ärmel hoch und endlich machen!

Wir sehen täglich, dass Digitalisierung wichtig und nützlich ist. Aber nur mit intelligenten Konzepten, die funktionieren, Datenschutz achten und Menschen, Unternehmen und Behörden mit schnellen Netzen und modernen Tools versorgen.

Nur über Digitalisierung reden bringt nichts. Deutschland braucht endlich Tempo bei Glasfaser, mutigen Einsatz von KI-Technologien und eine Generation von Lehrern und Beamten, die digital fit sind. Sonst hängen wir international komplett ab.

Ärmel hoch und anpacken – es wird allerhöchste Zeit.

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Zuletzt aktualisiert am 01.03.2026