Die Digitalisierung: In Zeiten von Corona scheint sie sich so richtig zu bewähren. Millionen von Menschen arbeiten von zu Hause aus. Im Home Office. Ohne Internet und Cloud wäre das überhaupt nicht oder nur schwer vorstellbar.

Weil wir heute aber sowieso vieles online erledigen, kann man genauso gut zu Hause sitzen. Und von dort E-Mails von Kunden oder Kollegen beantworten, auf Dokumente und Daten zugreifen, Prozesse lostreten oder sich mit Kolleginnen und Kollegen im Video-Chat absprechen.

Ohne Digitalisierung aufgeschmissen

Zweifellos eine gute Sache. Ohne Digitalisierung wären wir im Augenblick wahrscheinlich aufgeschmissen.

Aber es ist auch ein guter Zeitpunkt, genauer hinzuschauen: Was funktioniert, was funktioniert nicht? Was läuft gut, was ist ein Risiko? Denn wir sehen aktuell, was passiert, wenn eine Gesellschaft schlecht vorbereitet ist.

Leitung wird schnell knapp

Fangen wir mal mit profanen Dingen an. Der Internetzugang. Wer zu Hause keine schnelle Datenleitung hat, der ist aufgeschmissen. Wie sollen sich im Home Office große Dokumente übertragen lassen? Wie sollen Video-Konferenzen ohne nervige Aussetzer funktionieren?

Ganz zu schweigen davon, dass selbst eine 16-Mbit-Leitung knapp wird, wenn die Kinder Home Schooling machen, zwei Erwachsene Home Office – und irgendwer will auch noch parallel Netflix schauen.

Letzte Meile – grottenschlechtes Internet

Es wird gerade überdeutlich: Wir haben in Deutschland – auf der letzten Meile!, also die paar Meter vom Schaltkasten in die Wohnung – ein grottenschlechtes Internet. Viel zu viel Kupfer. Kaum Glasfaser.

Die Regierung schwadroniert zwar seit Jahren davon, Deutschland fit zu machen, tut es aber nicht. Dutzende Länder sind besser aufgestellt als wir.

Deutsche Schulen: Digitale Diaspora

Ganz zu schweigen von den Schulen. Die sind im Augenblick hoffnungslos überfordert. Es gibt eben keine Digitalstrategien in den Schulen. Mangelhafte Ausstattung. Keine digitalen Lehrmaterialien.

Ein Armutszeugnis: Wäre nicht immer nur von Digitalisierung gesprochen worden, sondern hätte man sich wirklich angestrengt, ständen die Schulen jetzt viel besser da.

Es reicht definitiv nicht, Schulen mit ein paar Tablets auszustatten. Es braucht Konzepte. Eine komplett neue Denke. Wenn man das mit der Digitalisierung ernst meint, dann bitte – machen. Doch es wird immer nur geredet. Leidtragende sind unsere Kinder.

Ärmel hoch und anpacken!

Wir sehen gerade, dass Digitalisierung sehr wichtig und nützlich sein kann. Aber nur, wenn es intelligente Konzepte gibt. Die auch funktionieren. Die Datenschutz achten – und Menschen, Beamte, Angestellte und Bürger mit einem guten Netz versorgen.

Nur über Digitalisierung reden, das bringt rein gar nichts. Ärmel hoch und anpacken, das ist angesagt. Es wird aller höchste Zeit.