Seit Wochen wird über sie gesprochen, gestritten und diskutiert – jetzt ist sie da: Die Corona Warn App. Nutzer moderner Smartphones können die vergleichsweise schlanke App auf ihr Gerät laden und so dazu beitragen, Infektionsketten zu durchbrechen. Viele stellen sich aber nun die Frage: Soll ich da mitmachen? Ich denke: Ja.

Sie ist da, die Corona Warn App. Sie hat um 2:02 Uhr morgens das Licht der Welt erblickt, ist mit 18,9 MByte vergleichsweise leicht für eine App, aber gesund und auch schon sehr aktiv. Mit überglücklichen Eltern, die im Laufe des Tages noch mehr über die Ankunft erzählen wollen.

Ich kann mich an keine App erinnern, deren Start mit derart großer Spannung erwartet worden wäre wie die Corona Warn App. Jetzt ist die da und lässt sich laden.

Nicht alle Smartphones sind tauglich

Na, zumindest wenn das Smartphone in der Hosentasche einigermaßen aktuell ist. Ältere Geräte, die sich nicht mehr auf das neueste mobile Betriebssystem aktualisieren lassen (ob iOS oder Android), sind außen vor. Das ärgert viele – ist aber nicht zu ändern.

Denn hätten die Entwickler es anders gemacht, damit sich auch ältere Geräte hätten mit einbeziehen lassen, hätten sie auf die nützlichen Funktionen von Apple und Google verzichten müssen. Die Folge: Deutlich schwieriger, deutlich fehleranfälliger, deutscher umständlicher und vor allem: Wegen Bluetooth wäre der Akku viel schneller leer.

Eine App, die auf allen Smartphone-Generationen läuft wäre wünschenswert, war in diesem Fall aber nicht möglich.

Datenschutz: Nach Diskussion gute Lösung gefunden

Viel wesentlicher ist der Datenschutz: Es hat heftigen Streit gegeben, eine öffentliche Debatte, die Verantwortlichen haben mehrfach den Kurs gewechselt – und das Startdatum verschoben. Doch am Ende ist etwas herausgekommen, das selbst die größten Kritiker weitgehend zufrieden stellt, etwa den Chaos Computer Club (CCC) oder Anke Domscheit-Berg. “Die App macht nichts, was sie nicht machen soll”, sagt Domscheit-Berg.

Eine Entwicklung, aus der wir – und vor allem die Politik! – lernen sollten: Wenn eine offene Debatte geführt wird, offen und ehrlich, kritisch und detailliert, dann sind wir – die Gesellschaf – in der Lage, etwas Besseres zu entwickeln. Manche in der Politik mussten lernen: OpenSource ist kein Teufelszeug, sondern eine coole Sache, wenn man das richtig macht.

Blaupause für zukünftige Projekte

Die Corona Warn App könnte und sollte eine Blaupause sein für zukünftige Projekte. Nicht nur digitale, auch andere Projekte lassen sich öffentlich diskutieren und in der Gemeinschaft verbessern. Es geht doch – also öfter machen, bitte.

Natürlich: Auch die Corona Warn App hat nicht alles, kann nicht alles. Der Austausch mit anderen Apps in Europa geht kaum bis gar nicht – das ist schlecht. Liegt aber vor allem an Europa. Auch die EU muss lernen, wie es besser geht. Auch hier könnte das Projekt “Corona Warn App” ein Vorbild sein: Eins, das man selbstverständlich noch verbessern kann und muss.

Die mitunter miserable Ausstattung von Gesundheitsämtern und Laboren, die es nötig macht, dass Personen, die sich mit Corina infiziert haben eine Hotline anrufen müssen, ist hingegen ein kleiner Skandal. Hierfür muss Jens Spahn sich verantworten, finde ich. Immer von Digitalisierung reden – und da, wo es dringend nötig ist, nichts voranzubringen, ist scheinheilig.

Zum Schluss die große Frage: Installieren – ja oder nein? Ich werde das in letzter Zeit sehr häufig gefragt. Privat – aber auch von Zuschauer:innen, Hörer:innen und Leser:innen. Meine klare Antwort: Natürlich. In punkto Datenschutz wirklich denkbar sicher – und eine gute Sache für alle.