Donald Trump verwendet Twitter wie kein anderer: Er herrscht, regiert und informiert über das Netzwerk. Das ist gefährlich – und kann schlimme Folgen haben. Darüber hinaus haben viele die Neigung, Twitter zu überschätzen. Kein Netzwerk hat weniger Nutzer – aber kaum eins bekommt so viel mediale Aufmerksamkeit. Das macht die Sache mit Trump doppelt gefährlich.

In der Netflix-Serie “Space Force” gibt es eine amüsante Stelle: Alle warten auf eine Entscheidung des US-Präsidenten. Der oberste General der “Space Force”- gespielt von Steve Carrell – meint nüchtern: “Noch hat der Präsident seinen Befehl nicht getwittert.” Keiner lacht.

Vorstellbar: Befehle per Twitter

Volltreffer. So weit sind wir schon, dass wir es nicht für sonderlich abwegig halten, dass der oberste Befehlshaber der US-Streitkräfte selbst folgenschwere Befehle per Tweet verbreitet. Auf Twitter – wo denn sonst? Donald Trump hat es geschafft, dass wir das Unvorstellbare mittlerweile für möglich, vielleicht sogar für unausweichlich halten – und das ist wahrlich kein Kompliment.

Es müssen jedoch nicht gleich Angriffsbefehle sein, die auf Twitter Schrecken verbreiten. Auch die üblichen ungehobelten Äußerungen des Präsidenten auf Twitter – ob über den nordkoreanischen Diktator, China, Demonstranten oder die Black-Lives-Matter-Bewegung – bergen häufig enorme politische und gesellschaftliche Schlagkraft. Die üblichen Zwischenstufen – Diplomatie, Pressekonferenz, Redaktion – entfallen.

Gefährlich: Wenn die Falschen twittern

Twitter pur – und genau das ist gefährlich. Denn Plattformen wie Twitter sind für solche Zwecke nicht gemacht. Es kann wirklich nicht gut sein, dass ein US-Präsident – oder ein “Leader” irgend eines anderen Landes – über soziale Kanäle Diplomatie betreibt oder sich über die Weltlage äußert. Aus einer ganzen Reihe guter Gründe: Zum Beispiel, weil solche Postings missverstanden werden könnten – mit diplomatischen Verwicklungen in der Folge. Weil ganze Ressorts und Mitarbeiter übergangen werden.

Aber es kommt noch schlimmer: Wie wir sehen mussten, ist es durchaus möglich, selbst die Accounts der Großen und Mächtigen zu hacken. Was, wenn beim jüngsten Twitter-Hack @TheRealDonaldTrump gehackt und ein Tweet à la: “Es reicht: Wir ziehen gegen China in den Krieg!” getwittert worden wäre? Fatale Folgen wären unabwendbar.

Es ist unverantwortlich. Politiker und vor allem Regierungslenker/innen sollten nicht per Twitter “regieren”.

 

Ausgewogen: Weniger ist mehr

Eine andere – ebenfalls unangemessene – Twitter-Nutzung: Politiker – sogar Amtsträger! -, die an der Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit und Verantwortung zweifeln lassen. So sehen wir zum Beispiel auf dem Twitter-Kanal des Auswärtigen Amtes nicht nur gelegentlich, sondern sogar regelmäßig, wie Außenminister Heiko Maas zum Beispiel Kaffee schlürft – oder in anderen Situationen sowas wie “Ruhe” ausstrahlt. Soll “locker” und “cool” wirken – ist dem Amt aber nicht angemessen.