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Apple vs. Datenschutz: Was aus der IDFA-Beschwerde wurde

von | 20.11.2020 | iOS

Apple galt lange als Datenschutz-Vorreiter – doch die Zeiten haben sich geändert. Nach jahrelangen Diskussionen um Tracking-IDs und neuen EU-Gesetzen steht der iPhone-Konzern 2026 unter schärferer Beobachtung denn je. Was aus den frühen Beschwerden wurde und wie sich der Datenschutz bei Apple entwickelt hat.

Wenn von Datensündern die Rede ist, denken wir meist an Meta, Google oder Amazon. Sie sammeln im großen Stil Daten und verwerten die Privatsphäre ihrer Nutzer hemmungslos für Werbezwecke.

Meta ist nach wie vor unangefochtener Spitzenreiter in dieser Disziplin. Apple hingegen galt lange als Musterknabe – der Konzern verdiente sein Geld hauptsächlich mit Hardware, Software und Mediendiensten, nicht mit Werbung oder Datenvermarktung.

Wendepunkt: App Tracking Transparency

Die Diskussion um Apples „Identifier for Advertisers“ (IDFA) erreichte 2021 ihren Höhepunkt. Nach der Beschwerde der Bürgerrechtsorganisation noyb – gegründet vom österreichischen Datenschützer Max Schrems – führte Apple eine revolutionäre Änderung ein: App Tracking Transparency (ATT).

Seit iOS 14.5 müssen Apps explizit um Erlaubnis fragen, bevor sie die IDFA zum Tracking verwenden dürfen. Diese individuelle Kennnummer wird zwar weiterhin für jedes iPhone erzeugt, aber der Zugriff darauf ist nun streng reglementiert. Nutzer sehen beim ersten App-Start eine deutliche Abfrage: „App möchte dich über Apps und Websites anderer Unternehmen hinweg verfolgen“.

Datenschpützer von noyb

Dramatische Folgen für die Werbebranche

Die Auswirkungen waren verheerend für Meta und andere werbefinanzierte Plattformen. Über 80 Prozent der iPhone-Nutzer verweigerten das Tracking – Meta verlor allein 2022 über 10 Milliarden Dollar Umsatz durch diese Änderung. Die Treffsicherheit personalisierter Werbung auf iOS-Geräten brach dramatisch ein.

Apple ging noch weiter: Mit iOS 15 kam Mail Privacy Protection, das Pixel-Tracking in E-Mails blockiert. iOS 16 brachte erweiterte Datenschutz-Features für Safari. 2024 folgte mit iOS 18 der „Privacy Dashboard“, der detailliert zeigt, welche Apps wann auf welche Daten zugreifen.

Neue Herausforderungen unter EU-Recht

Doch 2025 und 2026 brachten neue Diskussionen. Der Digital Services Act (DSA) und Digital Markets Act (DMA) der EU stufen Apple als „Gatekeeper“ ein. Das bedeutet strengere Auflagen für den App Store und mehr Transparenz bei Datenverarbeitung.

Besonders brisant: Apples eigene Werbeplattform „Apple Search Ads“ wuchs seit 2021 explosionsartig. Kritiker bemängeln, dass Apple zwar Drittanbieter beim Tracking behindert, gleichzeitig aber die eigenen Werbeaktivitäten ausbaut. Der Konzern hat privilegierten Zugang zu Nutzerdaten, die externen Anbietern verwehrt bleiben.

Datenschutz vs. Eigeninteressen

Die noyb-Organisation reichte 2025 eine weitere Beschwerde ein – diesmal wegen „Competitive Privacy“. Der Vorwurf: Apple nutze Datenschutz als Vorwand, um Konkurrenten zu benachteiligen, während die eigenen Services weiterhin umfangreiche Datensammlung betreiben.

Tatsächlich sammelt Apple heute mehr Daten denn je – nur eben für die eigenen Dienste. Siri, Apple Maps, Apple Pay, die Health-App und iCloud verarbeiten gigantische Datenmengen. Der Unterschied: Diese werden (angeblich) nicht für personalisierte Werbung verwendet.

Tracking heute: Mehr Kontrolle, neue Methoden

Die IDFA ist heute faktisch tot – zumindest für Drittanbieter. Stattdessen setzen Werbetreibende auf andere Methoden: Device Fingerprinting, probabilistische Zuordnung oder First-Party-Daten. Apple bekämpft diese Techniken kontinuierlich mit Updates.

In iOS 17 kam „Link Tracking Protection“, das URL-Parameter entfernt, die zur Verfolgung dienen. iOS 18 erweiterte dies auf alle Safari-Links. Parallel dazu verschärfte Apple die App Store Guidelines – Apps, die heimlich Daten sammeln, fliegen raus.

Ausblick: Privacy als Wettbewerbsvorteil

Apples Strategie ist klar: Datenschutz als Differenzierungsmerkmal und Wettbewerbsvorteil. Während Android-Nutzer weiterhin massivem Tracking ausgesetzt sind, bewirbt Apple das iPhone als „Privacy Phone“. Das funktioniert – besonders in Europa, wo Datenschutz-Bewusstsein hoch ist.

Die ursprüngliche Beschwerde von noyb wirkte wie ein Katalysator. Sie zwang Apple zu transparenterem Umgang mit Tracking und revolutionierte letztendlich die gesamte Mobile-Advertising-Branche. Ob aus Überzeugung oder Kalkül – Apple hat den Datenschutz auf Mobilgeräten nachhaltig verbessert.

Eins steht fest: Es war richtig, Apple damals unter Druck zu setzen. Nur durch öffentlichen Druck und rechtliche Schritte bewegen sich Tech-Konzerne in Richtung mehr Privatsphäre.

Das Tracking lässt sich in iOS abschalten – und zwar so

Zuletzt aktualisiert am 27.02.2026

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