Ortung der Menschen, die das Capitol gestürmt haben

Der New York Times wurden über 100.000 Ortsdaten zugespielt, die aus Handys kommen. Damit haben Datenanalysten interessierte Animationen bauen können: Sie zeigen die Bewegung der Menschenmengen, die am 6. Januar das Capitol gestürmt haben. Mit ein paar Tricks lassen sich sogar die Besitzer der Handys ermitteln. Besorgniserregend, was mit solchen Daten alles angestellt werden kann.

Der Sturm auf das Capitol am 6. Januar ist schon längst in den Geschichtsbüchern notiert. Was man noch nicht genau weiß – und das beschäftigt die US-Behörden nachdrücklich -: Wer alles dabei gewesen ist. Denn wenn sich die Personen identifizieren lassen, hagelt es Anzeigen und Klagen.

Unbekante haben der New York Times nun kürzlich Unmengen an Datensätzen zur Verfügung gestellt. Über 100.000 Ortsinformationen aus Handys, mit deren Hilfe sich aussagekräftige Bewegungsmuster erstellen lassen. Aber nicht nur das: Selbst eine Identifizierung der vor Ort Gewesenen ist damit leicht möglich.

Animation Bewegung

Rund 100.000 Ortsdaten geleakt

Die Reporter der New York Times haben die Daten bereits analysiert und bearbeitet. So lässt sich zum Beispiel in einer Visualisierung eindeutig erkennen, wie ein Schwarm von Handy-Trägern zuerst dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump auf der Bühne an der National Mall lauscht – und dann zielstrebig Richtung Capitol marschiert.

Rund 40% der Handys haben diesen Weg eingeschlagen. Ein eindeutiger Beleg dafür, dass die aufstachelnden Worte von Donald Trump eine Wirkung erzielt haben.

Aber den Datenanalysten ist durchaus mehr gelungen. Sie konnten viele der Smartphones sogar eindeutig Personen zuordnen – sogar Postings auf Facebook, Instagram und Twitter (viele der Postings sind mittlerweile gelöscht). Es ist also gelungen, aus den scheinbar anonymen Bewegungsdaten sehr konkrete Bewegungsprofile von echten Menschen zu machen.

Sturm aufs Capitol

Über Advertising-ID lassen sich eindeutig Personen zuordnen

Es geistern reichlich Werkzeuge im Netz, die so etwas anbieten. Vor allem die Advertising-ID in den Handys – eine einmalige Nummernfolge, die jedes Handy eindeutig identifizierbar macht – erleichtert diese Zuordnung. Diese ID ist in vielen Datenbanken der Werbeindustrie gespeichert – und bei App-Anbietern. Man muss nur die richtigen Datenbanken miteinander verbinden, schon werden einzelne User sichtbar.

Man muss also nicht im Geheimdienst oder bei der NSA arbeiten, um diese Zuordnung hinzubekommen. Mit etwas Mühe gelingt das praktisch jedem (NSA, Facebook und Google sowieso).

Und nun stehen wir da: Wir freuen uns insgeheim, dass es gelingt, die “Stürmer aufs Capitol” zu identifizieren und so zur Rechenschaft zu ziehen.

Sturm aufs Capitol: Anteil der Sozialen Netzwerke

Debatte über Daten nötig

Wir sehen aber auch, wie redselig die ständig in unserem Handy anfallenden Daten sind. Denn in diesem Beispiel werden Daten ausgewertet, die so – vor allem in dieser Kombination – besser doch gar nicht erst gesammelt worden wären. Zwar ist es in den USA verboten, Bewegungs- und Kommunikationsdaten auf diese Weise zusammenzubringen. Doch naiv anzunehmen, dass das sonst keiner macht.

Wir müssen also reden. Der Sturm auf das Capitol hat vieles sichtbar gemacht.