Australien

Überall auf der Welt wird gestritten: Verlage beklagen die Übermacht von Google und Facebook im Netz – und hätten gerne ein Stück vom Werbekuchen. In Australien ist dieser Streit nun auf die Spitze getrieben worden. Google und Facebook sollen bezahlen. Nun hat Facebook als Reaktion australische Verlage und Sender gewissermaßen “ausgeknipst”.

Am anderen Ende der Welt steht die Welt Kopf. Australische Verlagshäuser und Fernsehsender sind im Clinch mit US-Konzernen wie Google und vor allem mit Facebook. Es geht ums liebe Geld.

So ähnlich wie bei uns in Deutschland und Europa: Die alten Medien leiden unter der rasanten Entwicklung der neuen Medien, die Marktanteile kosten – und viel Geld verdienen, während Verlage zusehen müssen, wo sie bleiben. Vor allem im Netz. Die australische Regierung hat ein neues Gesetz in Planung, das die Verlage begünstigt. Google und Facebook sollen zahlen. Facebook reagiert ungewöhnlich massiv.

Zeitungen

Der Streit ums Geld und den Werbekuchen

Aber worum geht es bei dem Streit in Australien zwischen australischer Regierung, Medienhäusern wie Verlagen sowie Google und Facebook eigentlich?

Es geht natürlich ums Geld. Wie überall auf der Welt haben Konzerne wie Google, Facebook und Co. die Werbemarkt nicht weniger als auf den Kopf gestellt. In Australien ist es so, dass von 100 Dollar Werbeeinnahmen im Netz rund 81 Dollar an Google und Facebook gehen. Das bleibt nicht viel für andere. Eigentlich würden die Verlage auch gerne im Netz verdienen – aber es bleibt nicht genug übrig.

Die australische Regierung will für mehr Gerechtigkeit sorgen und diskutiert im Parlament in Canberra einen Gesetzentwurf, der namentlich Google und Facebook verpflichten soll, Teile der Einnahmen an australische Verlage und Fernsehsender auszuschütten. Eine Art Umschichtung also. Es geht dabei nicht allein um das Zitieren von Texten und Headlines – wie das bei uns beim Leistungsschutzrecht der Fall war und ist –, sondern selbst das Verlinken soll Geld kosten. Klar, dass Google und Facebook da einen Hals kriegen.

Facebook

Facebook blockiert redaktionelle Inhalte

Facebook hat nun seine Drohungen wahrgemacht und blockiert die Verbreitung von Medieninhalten.

Facebook greift wirklich zum äußersten Mittel: Nutzer können seit Mittwoch keine Medieninhalte mehr sehen oder teilen. Wer die Facebook-Seiten von Fernsehsendern wie ABC oder der Tageszeitung Sydney Morning Herald ansteuert, bekommt bestenfalls noch das Logo zu sehen – aber keine Inhalte. Und wer es versucht, Medieninhalte zu teilen, bekommt einen Warnhinweis präsentiert.

Von der Blockade sind nicht nur australische Medien betroffen, sondern auch ausländische Redaktionen. Sogar hier in Deutschland ist das zu merken: Wer Inhalte australischer Zeitungen verbreiten will, bekommt einen Warnhinweis. Die australischen Medienhäuser selbst können auch keine Inhalte mehr teilen. Facebook hat also vollständig den Stecker gezogen. Mit dem Argument: Wenn wir zahlen sollen, dann nutzen wir die Inhalte eben nicht mehr.

Empörung allerorten

Der Regierungschef schäumt vor Wut – und die Nutzer sind irritiert. Zu allem Überfluss sind nicht nur Inhalte von Medienhäuser von der Blockade betroffen, sondern auch Informationsdienste zum Thema Gesundheit und Notfalldienste. Facebook spricht hier von einem „Versehen“. Aber eins scheint klar: Facebook macht sich mit seinem Muskelspiel wenig Freunde.

Nicht nur in Australien, auch im Rest der Welt. Denn der Streit wird auch hier in Europa genau beobachtet, denn auch hier gibt’s Streit um Geld. Stichwort: Leistungsschutzrecht. Ähnliche Vorhaben, Google, Facebook und Co. ein Stück vom Werbekuchen abzunehmen, gibt es bei uns auch. Aber eine Plattform, die derart eklatant und die Meinungsbildung eingreift – und seriöse Medien einfach ausblendet. Das ist schon ein ungeheurer Vorgang.

Google

Leistungsschutzrecht und Co.

Auch das Leistungsschutzrecht hier bei uns erhitzt die Gemüter. Es muss ein fairer Umgang herrschen. Natürlich würde es nicht gehen, komplette Artikel zu verwenden und dafür nichts zu zahlen. Aber schon Headlines und wenige Zeichen als Teasing berechnen zu wollen – wie bei uns in Deutschland – ist schon ziemlich verdreht.

Denn Google und sogar Facebook sorgen für ein hohes Maß an Sichtbarkeit für die Inhalte der Verlage. In Australien geht der Gesetzentwurf aber ja noch einen Schritt weiter: Sogar das Verlinken von Inhalten soll Geld kosten. Das ist schon einigermaßen verrückt – es widerspricht jedem Prinzip im Internet und lässt sich auch unabhängig davon nicht wirklich plausibel erklären. Die Reaktion von Facebook ist trotzdem krass. Google spricht mit den Verlagen und will sich einigen.

Facebook lässt sich Muskeln spielen und blendet Inhalte komplett aus. Das sollte auf keinen Fall zugelassen werden. Denn Google und Facebook sind Gatekeeper. Seriöse Inhalte auszublenden hat nicht nur wirtschaftliche Folgen, sondern auch gesellschaftliche. Wenn Menschen, die sich vor allem bei Facebook informieren nicht mal mehr seriöse Inhalte sehen können, so ist das eine Katastrophe.

Das kann sich eine Regierung auch auf keinen Fall bieten lassen. Die Welt schaut gerade aufmerksam nach Australien, denn hier wird ein Kampf ausgefochten, der auch überall sonst ausgefochten werden soll – auch hier bei uns in Europa.