Wohl die meisten von uns kennen das: Das Internet ist nicht so schnell, wie es eigentlich sein sollte. Egal, ob DSL, Glasfaser oder 5G. Der Netzausbau geht in Deutschland nach wie vor schleppend voran – gleichzeitig zahlen wir mehr als unsere europäischen Nachbarn. Das 2021 eingeführte „Recht auf schnelles Internet“ hat wenig gebracht. Doch es gibt Hoffnung: Neue EU-Vorgaben und private Initiativen könnten endlich Bewegung in die Sache bringen.
Lahmes Internet: Zu Hause, unterwegs – überall. In Deutschland leider immer noch keine Seltenheit, obwohl sich einiges getan hat. Laut aktuellem Bericht der Bundesnetzagentur erreichen mittlerweile etwa 80 Prozent der Haushalte die beworbenen Geschwindigkeiten – das ist eine Verbesserung, aber noch längst nicht zufriedenstellend.
Deutschland im europäischen Vergleich: Aufholjagd läuft
Die gute Nachricht: Deutschland holt auf. Mittlerweile haben etwa 75 Prozent der Haushalte Zugang zu Glasfaser – ein enormer Sprung von den jämmerlichen 4,7 Prozent im Jahr 2019. Trotzdem liegen wir noch immer hinter Ländern wie Südkorea (95%), Schweden (88%) oder Frankreich (82%). Die schlechte Nachricht: Wir zahlen weiterhin überdurchschnittlich viel für unsere Internetanschlüsse.
Das 2021 eingeführte „Recht auf schnelles Internet“ war ein PR-Gag ohne echte Wirkung. Der Anspruch auf 10 Mbit/s Download und 1,7 Mbit/s Upload war schon zum Zeitpunkt der Einführung lächerlich. Heute, wo Videokonferenzen, Cloud-Gaming und 4K-Streaming Standard sind, brauchen Haushalte mindestens 100 Mbit/s symmetrisch.
Glasfaser: Von Totalversagen zur Aufholjagd
Es war tatsächlich CDU-Kanzler Helmut Kohl, der den Glasfaserausbau verhindert hat – Jan Böhmermann hat das 2021 treffend dokumentiert. Seine Nachfolger haben jahrzehntelang geschlafen. Erst der massive Druck durch Corona-Homeoffice und die EU-Gigabit-Strategie haben Bewegung gebracht.
Heute investieren nicht nur die großen Telekom-Konzerne massiv in Glasfaser. Stadtwerke, regionale Anbieter und sogar Bürgerinitiativen treiben den Ausbau voran. Unternehmen wie Deutsche GigaNetz (früher inexio), NetCologne oder M-net zeigen, dass es auch anders geht – mit besseren Preisen und echtem Service.
5G und Mobilfunk: Fortschritt mit Hindernissen
Beim Mobilfunk sieht es etwas besser aus. 5G-Netze decken mittlerweile über 90 Prozent der Bevölkerung ab – allerdings hauptsächlich in Städten. Auf dem Land klafft nach wie vor große Löcher in der Netzabdeckung. Hier rächt sich, dass Deutschland bei der Vergabe der 5G-Lizenzen auf Milliarden-Erlöse geschielt hat, statt Versorgungsauflagen durchzusetzen.
Die drei großen Mobilfunkanbieter – Telekom, Vodafone und O2 (Telefónica) – haben ihre Hausaufgaben teilweise gemacht. Aber der Preisdruck durch virtuelle Anbieter wie freenet oder 1&1 zwingt sie zu Kompromissen bei der Netzqualität.
Was sich wirklich geändert hat
Immerhin: Einige Verbesserungen gibt es. Seit 2022 verlängern sich Internetverträge nach Ablauf der Mindestlaufzeit automatisch nur noch um einen Monat – das erhöht den Konkurrenzdruck. Außerdem müssen Provider seit 2021 realistische Geschwindigkeitsangaben machen und bei dauerhaften Unterschreitungen Preisminderungen gewähren.
Die EU-Gigabit-Ziele für 2030 (Glasfaser für alle Haushalte und 5G überall) setzen zusätzlich unter Druck. Deutschland muss liefern – oder EU-Strafgelder zahlen.
Neue Akteure, neue Hoffnung
2026 bringt frischen Wind in den deutschen Telekommunikationsmarkt. 1&1 baut sein eigenes 5G-Netz aus und will als vierter Netzbetreiber echte Konkurrenz bieten. Starlink von SpaceX versorgt ländliche Gebiete mit Satelliten-Internet – zu stolzen Preisen, aber mit ordentlicher Geschwindigkeit.
Regionale Glasfaseranbieter wie BREKO-Mitglieder zeigen, dass lokale Lösungen oft besser funktionieren als Konzern-Bürokratie. Sie kennen ihre Kunden, reagieren schneller auf Probleme und bieten oft bessere Preise.
Was ihr tun könnt
Prüft regelmäßig eure Internetgeschwindigkeit mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur. Bei dauerhaften Unterschreitungen habt ihr Anspruch auf Preisminderung oder Sonderkündigung.
Informiert euch über lokale Glasfaseranbieter – die sind oft günstiger und zuverlässiger als die großen Konzerne. Und wenn in eurer Gemeinde Glasfaser ausgebaut wird: Nutzt die Chance! Auch wenn der aktuelle Anschluss noch reicht – in fünf Jahren sieht das anders aus.
Deutschland ist beim Breitbandausbau noch lange nicht am Ziel. Aber die Richtung stimmt endlich. Jetzt müssen wir als Kunden Druck machen – mit unserem Geldbeutel.
Übrigens: Wie schnell das eigene Internet wirklich ist, lässt sich mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur ermitteln – das Ergebnis fließt in die offizielle Statistik ein.
Phoenix: Wie digital ist Deutschland tatsächlich?
Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026