WhatsApp und der Digital Markets Act: Wie neue EU-Regeln endlich für Fairness sorgen sollen. Nach Jahren der Marktmacht-Missbrauchs durch Meta gibt es 2026 endlich wirksame Gesetze. Doch die Umsetzung stockt – und deutsche Behörden bleiben weiter zahnlos.
Was Johannes Caspar 2021 als Hamburger Datenschutzbeauftragter begonnen hat, ist heute Realität geworden. Seine damalige Anordnung gegen Facebook, keine WhatsApp-Daten zu eigenen Zwecken zu verarbeiten, war nur der Anfang. Heute, 2026, regelt der Digital Markets Act (DMA) europaweit, was damals noch Pionierarbeit einzelner Datenschützer war.

Nutzer sollen endlich echte Wahlfreiheit bekommen – doch die Realität hinkt hinterher
Digital Markets Act: Endlich Regeln für Tech-Riesen
Seit März 2024 gilt der DMA vollständig. Meta, Google, Apple und andere „Gatekeeper“ müssen sich an strikte Regeln halten. Für WhatsApp bedeutet das konkret: Nutzer können den Messenger theoretisch mit Signal, Telegram oder anderen Diensten verknüpfen. Die Interoperabilität, die ich damals gefordert habe, ist heute Gesetz.
Doch die Umsetzung läuft schleppend. Meta verzögert wo es nur geht, nutzt technische Ausreden und versteckt wichtige Features in tiefen Menüstrukturen. Die EU-Kommission verhängt zwar Strafen – allein 2025 kassierten die Tech-Konzerne über 8 Milliarden Euro an Bußgeldern. Aber echte Verhaltensänderungen? Fehlanzeige.
Deutschland bleibt Schlusslicht bei Durchsetzung
Während Frankreich und die Niederlande konsequent durchgreifen, bleibt Deutschland auch 2026 zahnlos. Nach Helga Blocks Abgang als NRW-Datenschutzbeauftragte hat sich wenig geändert. Die Nachfolgebehörden sind zwar personell besser aufgestellt, aber der politische Wille zur konsequenten Durchsetzung fehlt weiterhin.
Das zeigt sich besonders beim Thema Messenger-Interoperabilität. Während in Dänemark bereits 40% der WhatsApp-Nutzer auch andere Messenger parallel verwenden können, sind es in Deutschland gerade mal 8%. Meta nutzt die schwache deutsche Durchsetzung schamlos aus.
Vestagers Erbe und die neuen Herausforderungen
Margrethe Vestager hat 2024 den Grundstein gelegt, aber ihre Nachfolger kämpfen mit neuen Problemen. KI-Integration in WhatsApp, Threads-Verknüpfung und Metas aggressive Expansion ins Metaverse schaffen ständig neue Abhängigkeiten. Der DMA wird bereits wieder überarbeitet – ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Tech-Landschaft wandelt.
Besonders problematisch: Meta sammelt jetzt Trainingsdaten für seine KI-Systeme direkt aus WhatsApp-Chats. Zwar nur bei expliziter Zustimmung, aber die Opt-out-Mechanismen sind bewusst kompliziert gestaltet. Hier bräuchte es klare nationale Regelungen – aber die kommen aus Berlin weiterhin nicht.
Was 2026 anders werden muss
Die Ampel-Koalition ist Geschichte, aber digitalpolitisch hat sich wenig verbessert. Ein echtes Digitalministerium gibt es immer noch nicht. Stattdessen werkeln verschiedene Ressorts vor sich hin, ohne koordinierte Strategie gegen die Tech-Übermacht.
Dabei wären die Lösungen klar erkennbar:
- Echte Interoperabilität durchsetzen – nicht nur auf dem Papier, sondern mit täglichen Kontrollen
- KI-Trainingsdaten von Messengern grundsätzlich verbieten, außer bei expliziter Einzelzustimmung pro Nachricht
- Deutsche DMA-Durchsetzungsbehörde mit eigenen Befugnissen und ausreichend Personal
- Messenger-Alternativen aktiv fördern – öffentliche Verwaltung sollte vorangehen
Alternativen gewinnen endlich an Boden
Immerhin: Die Messenger-Landschaft diversifiziert sich 2026 spürbar. Signal hat über 200 Millionen aktive Nutzer erreicht, Threema etabliert sich im Business-Bereich und sogar der französische Messenger Olvid findet deutsche Fans. Die EU-weite „Digital Wallet“-Initiative macht verschlüsselte Kommunikation zum Standard – auch das setzt WhatsApp unter Druck.
Doch solange Meta seine Marktmacht ausspielen kann, bleiben das Nischenlösungen. Erst wenn Interoperabilität reibungslos funktioniert, können Nutzer wirklich frei wählen. Dafür braucht es aber politischen Willen – und den vermisse ich in Deutschland weiterhin schmerzlich.
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Was Markus Beckedahl (netzpolitik.org) 2018 sagte, gilt heute leider immer noch – trotz aller neuen Gesetze…
Ausblick: Hoffnung oder Resignation?
Der Digital Markets Act war ein wichtiger erster Schritt. Aber Gesetze allein reichen nicht – sie müssen auch durchgesetzt werden. Solange Deutschland hier Schlusslicht bleibt, werden Meta und Co. weiter machen, was sie wollen. Johannes Caspars Mut von 2021 bräuchten wir heute dringender denn je – nur eben auf Bundesebene und mit echten Durchsetzungsbefugnissen.
Die Tech-Konzerne sind 2026 mächtiger denn je. Höchste Zeit, dass auch Deutschland endlich Zähne zeigt.
Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026
