Facebook News

Facebook verbreitet im deutschsprachigen Raum nun bewusst und aktiv seriöse Nachrichten aus Zeitungen und Zeitschriften. Facebook News startet mit rund 100 Medienmarken und präsentiert den Usern aktuelle und relevante Artikel und Inhalte.

In der Facebook App und auf der Webseite von Facebook taucht ein neues kleines Symbol auf: Eine kleine Zeitung, die beim Antippen blau wird. Dahinter verbirgt sich Facebook News. Ein neuer Dienst, der schon länger angekündigt war und in den USA schon lange existiert – und jetzt auch nach Deutschland gekommen ist.

Ein eigener Nachrichtenbereich, in dem sich Facebook User mit aktuellen Nachrichten versorgen können. Aber auch der Versuch, die Fehde zwischen Facebook und den Verlagshäusern zu befrieden.

Facebook Pseudonym

Eigener Nachrichtenbereich

Bislang ist Facebook ja eher mit Fake News aufgefallen als mit Facebook News. Nun also ein eigener Nachrichtenbereich auf der größten Plattform der Welt.

Facebook News ist sozusagen ein gesonderter Bereich auf Facebook, ausdrücklich für seriöse journalistische Inhalte. Die kommen nicht etwa von Facebook selbst, sondern von deutschen Medienhäusern: 35 Verlage machen vom Start an mit – es sind rund 100 Medienmarken dabei, darunter Spiegel, FAZ, Handelsblatt, ZEIT, Süddeutsche Zeitung – also das Who-is-who der traditionellen Zeitungen.

Aber auch einiges Lokalzeitungen. Überraschend ist auch Axel Springer dabei, mit „Bild“, „Welt“ und „Business Insider“. Facebook hat extra einen neuen Bereich eingerichtet.

Klickt oder tippt der User auf das Zeitungssymbol, erscheint eine Auswahl aktueller Nachrichten. Headline, Teaser, ein Teaserfoto – mehr nicht. Es gibt bei Facebook News aber auch klassische Rubriken wie „Wirtschaft“, „Politik“, „Unterhaltung“ oder „Sport“ – sowie aktuelle Kollektionen, zu aktuell relevanten Themen.

Zeitungen

Content nicht exta für Facebook erstellt

Es sind aber keine exklusiven Inhalte. Das Prinzip ist ähnlich wie bei Google News: Es erscheinen kurze Anreißer – „Teaser“ genannt –, die zeigen, worüber berichtet wird. Es handelt sich dabei um dieselben Texte und Artikel, die auch auf den jeweiligen Webseiten auftauchen.

Wer die ganze Geschichte lesen will, muss das auf der jeweiligen Webseite tun. Facebook schickt Interessenten dann weiter. Ausgewählt werden die Texte von Mensch und Algorithmus. Es soll Kuratoren geben, die besonders relevante Artikel auswählen und in Facebook News einstellen – für alle gleich.

Gleichzeitig wählen Algorithmen aber auch noch Artikel aus, die zum jeweiligen Interessensspektrum des einzelnen Users passen – wie bei Facebook üblich. Personalisierte Nachrichten also. Wenn ich alle Nachrichten über „Fußball“ ignoriere – was ich mache –, stehen die Chancen gut, dass mir die Algorithmen irgendwann keine solchen Inhalte mehr präsentiert.

Wichtig: Es kann einige Tage dauern, bis die neue Funktion auf allen Smartphones und Webseiten erscheint. Der Service wird „ausgerollt“, wie die Experten dazu sagen – also ein bisschen Geduld.

Strategische Kooperation

Aber wie kommt es zu diesem „Kuschel“-Aktion: Die Verlagshäuser bekämpfen Google und Facebook doch mit allen Mitteln.

Die Motivation ist TGeld: Facebook bezahlt die Medienhäuser dafür, dass sie Inhalte in Facebook News zu Verfügung stellen – wie viel genau, ist unklar. Aber es sind etliche Millionen EUR. Darüber hinaus verschafft Facebook den Verlagshäusern durch die neue Funktion auch deutlich mehr Aufmerksamkeit. Zum Lesen der Artikel – ob kostenlos zu haben oder hinter einer PayWall, beides ist möglich – müssen die Leserinnen und Leser auf die Webseite.

Dort verdienen die Verlage dann selbst Geld, weil sie Werbeeinnahmen haben. Für die Verlage scheint das ein interessanter Deal zu sein. Jedenfalls für die Verlage, die mit dabei sein dürfen. Facebook möchte den Streit befrieden. Seit 10 Jahren kämpfen die Verlage – allen voran Axel Springer – gegen Google und Facebook, da die den größten Teil des Online-Werbe-Kuchens abgreifen.

Die Zahlungen durch die Kooperation sollen sicherlich eine Art Ablass sein. Doch es kommt auch noch das Leistungsschutzrecht, das die Konzerne zwingt, für die Inhalte Geld zu zahlen.

Wer ist der größte Gewinner?

Gewinner ist meiner Ansicht nach Mark Zuckerberg. Er wickelt die Verlage ein. Er geht davon aus, dass sie sich jetzt weniger wehren, wo die ersten Millionen sprudeln. Und: Der Deal macht Facebook mächtiger. Zum einen tauchen jetzt auch direkt auf der Plattform seriöse Nachrichten auf.

Ein schönes Feigenblatt, auf das der Konzern sicher gerne verweisen wird. Zum anderen wird Facebook eine durchaus respektable Besucherschar zu den Verlagen schicken. Daran werden sich die Verlage gewöhnen – und nicht mehr darauf verzichten wollen.

Doch Facebook hat schon häufig genug deutlich gemacht, zuletzt vor einigen Wochen in Australien, wozu der Konzern fähig ist: Gefällt ihm was nicht, wird den Verlagen einfach der Stecker gezogen. Die Artikel verschwinden aus dem Angebot. Das ist ein neues Druckmittel, das Facebook jetzt hat. Gewinner ist meiner Ansicht nach Facebook.