Microsoft-Scam: Betrüger am Telefon erkennen und abwehren

von | 01.06.2021 | Digital

Das passiert vielen – und immer wieder: Das Telefon klingelt, man geht dran – und es meldet sich jemand, der angeblich von Microsoft ist. Höflich wird der Angerufene darauf hingewiesen, dass Windows auf dem Computer veraltet oder zumindest gefährdet sei – wegen nicht gestopfter Sicherheitslücken. Ein Support-Anruf – wie freundlich, oder? Doch dahinter steckt eine bestens bekannte Abzock-Methode. Betrug.

Der Trick ist wahrlich nicht neu. Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor den meist aus Indien, aber zunehmend auch aus anderen Ländern stammenden Betrügern, die arglose Menschen anrufen oder sie anderweitig in die Falle locken – indem sie vorgeben, für Microsoft zu arbeiten und den Opfern helfen zu wollen. Nur, um sie dann umso gnadenloser auszuplündern.

Obwohl der Trick so alt ist, fallen immer noch täglich Menschen darauf rein. 2025 verzeichnete das Bundeskriminalamt einen erneuten Anstieg dieser Betrugsform – besonders ältere Menschen sind betroffen.

Betrüger gehen gnadenlos vor

Anrufer wissen nichts – sie raten nur

Was sind das für Leute, die da anrufen – woher haben die die Telefonnummern und woher wissen die, dass jemand einen Windows-PC hat?

Die wissen es nicht, die gehen nur davon aus: Hohe Trefferquote. Es sind Betrüger, die versuchen, Zugang zum Rechner zu bekommen. Sie verwickeln die angerufenen Opfer ins Gespräch, fragen Dinge ab, lesen eine angebliche Seriennummer vor, die keine ist, und erschleichen sich so Vertrauen.

Sie behaupten, sie wollten helfen, bei einem dringend nötigen Update, beim Stopfen von Sicherheitslecks etc. Dann fordern sie die Opfer auf, TeamViewer, AnyDesk oder andere Remote-Software zu installieren – Tools zur Fernwartung. Dadurch bekommen sie vollständigen Zugriff auf den Rechner.

Neu ist, dass die Betrüger auch vorgeben, von anderen Tech-Unternehmen zu sein: Apple, Google, Amazon oder sogar vom Internetanbieter. Die Maschen werden immer raffinierter.

Wer darauf reinfällt, wird abgezockt

Wenn man ihnen Zugang zum Rechner gewährt, können sie alles machen. Sie installieren meist blitzschnell einen Trojaner oder Ransomware, damit sie den Rechner später beliebig und entspannt fernsteuern können.

Etwa, indem sie Passwörter oder sensible Daten abfragen – oder den Rechner blockieren und Geld erpressen. Manche versuchen auch, den Menschen Geld direkt abzuknöpfen, etwa indem sie aufgefordert werden, für ein Update zu bezahlen oder Bitcoin zu kaufen. Das Einfallsreichtum der Betrüger ist unendlich. Haben sie die Opfer erst mal am Haken, lassen sie nicht mehr los.

Besonders perfide: Sie nutzen oft KI-gestützte Übersetzungstools, um fließender Deutsch zu sprechen, oder setzen sogar Voice-Cloning ein, um vertrauenserweckender zu klingen.

Profi-Kriminelle sind rund um die Uhr im Einsatz

Die meisten sitzen in Indien, aber auch in Nigeria, Osteuropa oder den Philippinen. Es sind teilweise riesige Büros mit Dutzenden von Mitarbeitern. Die machen das professionell – als Beruf. Sie wählen Rufnummern, die öffentlich im Internet zugänglich sind, bei Datenlecks abgegriffen wurden oder über Social Engineering gesammelt werden.

Weil die meisten Menschen einen Windows-Rechner haben, haben sie meistens auch Erfolg. Sie sprechen meist Englisch mit Akzent – oder inzwischen deutlich verbessertes Deutsch dank KI-Tools.

Sie behaupten immer, im Auftrag von Microsoft oder anderen Tech-Giganten anzurufen. Es gibt Experten wie Jim Browning, die es geschafft haben, sich in die Systeme dieser Scammer einzuhacken. Sie haben sie dabei beobachtet, wie sie arbeiten, weil sie die Videokameras und Mikrofone geknackt haben. Die Videos zeigen, wie gnadenlos die Betrüger vorgehen. Es ist reines Business für sie – mit Schichtplänen, Verkaufszielen und Bonussystemen.

Betrug nicht nur am Telefon

Es gibt nicht nur Anrufe: Pop-ups auf manipulierten Webseiten, gefälschte Warnmeldungen in sozialen Medien, manipulierte Apps oder sogar WhatsApp-Nachrichten zeigen angebliche Warnhinweise – und eine Rufnummer, wo die Opfer selbst anrufen sollen.

Neu sind auch gefälschte QR-Codes, die zu Scam-Seiten führen, oder Phishing-Mails, die vorgeben, von Microsoft Security zu stammen. Es kann jederzeit und überall passieren. Solche Warnhinweise sollte man grundsätzlich ignorieren, ebenso unerwartete Anrufe.

So schützt ihr euch effektiv

Direkt auflegen – das ist die beste Lösung. Microsoft ruft niemals unaufgefordert an! Wer die Nerven dazu hat und auch Lust darauf, kann die Leute natürlich auch stundenlang in Gespräche verwickeln und so tun, als ob man nicht versteht. Die Betrüger hassen es, an der Nase herumgeführt und Zeit geklaut zu bekommen.

Wichtige Regeln:
– Niemals Remote-Software installieren
– Keine Passwörter oder Bankdaten preisgeben
– Bei Verdacht: Computer-Experten kontaktieren
– Verdachtsfälle bei der Polizei melden
– Aufklärung im Familien- und Freundeskreis betreiben

Falls ihr doch Opfer geworden seid: Sofort den Rechner vom Internet trennen, Passwörter ändern und Anzeige erstatten. Je schneller reagiert wird, desto geringer der Schaden.

Der wichtigste Tipp: Im Zweifel einfach auflegen. Echte Tech-Unternehmen kontaktieren euch über offizielle Kanäle – niemals unaufgefordert per Telefon.

Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026