GOA21 Grimme Online Award

Podcasts, Youtube-Sendungen, Tiktok-Kanal und interaktive Web-Angebote: Der Grimme Online Award ging dieses Jahr an verschiedenste Plattformen und Macher. Viele “kleine” Kreative waren darunter, die mit wenig Budget produzieren. Das ist gut. Thematisch wäre aber deutlich mehr Bandbreite und Abwechslung möglich.

Einmal im Jahr zeichnet das Grimme-Institut die besten deutschsprachigen Angebote mit dem “Grimme Online Award” aus – oder besser: die Angebote, die Nominierungskommission und Jury am meisten überzeugen konnten.

TikTok Angebot

Zum ersten Mal ein Tiktok-Angebot

Zum ersten Mal hat die Jury des Grimme Online Awards ein Format auf Tiktok ausgezeichnet – und zwar in der Kategorie „Wissen und Bildung“: Niklas Kolorz erklärt auf TikTok wissenschaftliche Phänomene in verständlichen Häppchen – und beantwortet Fragen seiner Followerinnen und Follower.

Die Antworten sind kürzer als eine Minute, wie auf dem populären Video-Portal üblich. Das wirkt oft etwas hektisch und kurzatmig – ist aber unterhaltsam. Trotzdem nimmt Kolorz die Fragen und seine Follower ernst.

Inwiefern es gut ist, dass ein Videoportal wie Tiktok die User an eine maximale Aufmerksamkeitsspanne von einer Minute gewöhnt, bleibt beim Preis allerdings leider außen vor.

Auch Podcasts boomen – und bekommen Preise

Fest steht: Auch Podcasts boomen, in denen die Macher Themen und Dingen in aller Ruhe auf den Grund gehen.

So wie der nun mit einem Grimme Online Award bedachte Podcast „190220 – ein Jahr nach Hanau“ auf der Streaming-Plattform Spotify. Eine gelungene Reportage über die Hintergründe zu den antisemitischen Anschlägen vor einem Jahr, findet die Jury.

Podcast "Ein Jahr danach"

Podcast “Ein Jahr danach”

Engagierter Schulleiter macht Late Nite Format

Das meiner Ansicht nach mit Abstand unterhaltsamste Angebot, das mit einem Online Award ausgezeichnet wurde, ist „Dulsberg Late Nite“. Björn Lengwenus leitet eine Schule in Hamburg-Dulsberg. Er hat – quasi als Ergänzung zum Homeschooling im Lockdown – eine Youtube-Sendung gestartet. Dulsberg Late Night eben.

Mit Witz und Ironie hat er die Schüler seiner Schule zusammengebracht – live und online. Und so das Zusammengehörigkeitsgefühl im Lockdown gesteigert. Eindrucksvoll, findet die Jury – und hat die Ehrung in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ vergeben.

Schulleiter aus Dulsberg Late Nite

Breiteres Themenspektrum wünschenswert

Weitere Preisträger sind die Webdokumentation „Gegen uns“, die Lebensgeschichten von Opfern von Rassismus und Gewalt an die Öffentlichkeit holt, der Podcast „Queerkram“, der sich für die LGBTI-Szene einsetzt und das Online-Format „Dekoder Specials“, das komplexe gesellschaftliche Themen ansprechend und in vorbildlicher Weise web-typisch präsentiert.

Ebenfalls prämiert: Die Youtoube-Talksendung “Die beste Instanz”, die als Reaktion auf die umstrittene Ausgabe der WDR-Sendung “Die letzte Instanz” entstanden ist. Sowie “Gegen uns”, eine Web-Dokumentation über Menschen, die im Osten Deutschland aus rassistischen, antisemitischen und anderen Motiven angegriffen wurden.

Mir fällt auf: Thematisch gibt es über die Jahre gewisse Schwerpunkte. Online-Angebote, die sich mit Nationalsozialismus und den Folgen, Rassismus, rechtsextremer Gewalt oder Inklusion beschäftigen, werden regelmäßig ausgezeichnet. Nicht, dass diese Themen nicht wichtig wären – das ist nicht mein Punkt! Aber es gibt auch viele andere wichtige Themen aus Kultur, Politik und Sport, die erkennbar unterrepräsentiert sind. So wurde zum Beispiel diesmal kein einziges Angebot ausgezeichnet, das sich mit Digitalthemen beschäftigt.

Das finde ich sehr schade.