Open Data ist ein sinnvolles Konzept: Daten werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – und lassen sich frei für Apps oder Anwendungen verwenden. Das fördert die Kreativität und bringt im Idealfall viele gute Anwendungen hervor. Problem: In Deutschland wird Open Data noch immer nicht konsequent gefördert. Lilith Wittmanns Initiative zeigt, wie es besser geht – und hat inzwischen einiges bewegt.
In einer idealen Welt sind alle Daten, die unter dem Einsatz von Steuermitteln ermittelt wurden oder entstanden sind, frei für die Allgemeinheit zugänglich. Ausgenommen natürlich Daten, die aus gutem Grund geheim oder unter Verschluss sind. „Open Data“ wird das genannt, wenn Daten frei zugänglich sind.
Warum sollten Bürgerinnen und Bürger nicht frei über alle Daten verfügen können? Die Crowd hat oft viel bessere Ideen, wie sich Daten kreativ zusammenbringen lassen – um neue Erkenntnisse zu gewinnen oder Dienstleistungen anzubieten.

Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann setzt sich für mehr Open Data ein
Open Data: Offizielle Daten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen
Eigentlich könnte man erwarten, dass die Politik genau das fördert. Schließlich redet sie gerne von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz – beides braucht Daten. Doch die Daten, die Behörden und öffentliche Institutionen erfassen und ermitteln, sind oft genug Verschlusssache.
Dabei gibt es auch Daten, die grundsätzlich zur Verfügung stehen – aber niemand weiß davon. Es gibt keine öffentliche „Schnittstelle“, wie Experten dazu sagen. Über eine API (Application Programming Interface) könnte sich jede App, jede Software mit den öffentlich gemachten Daten versorgen.
In Wahrheit gibt es solche Schnittstellen teilweise, doch die Behörden dokumentieren diese APIs nicht. Die Folge: Nur Insider können sie verwenden, nicht aber die Öffentlichkeit. Das ist verschenktes Potenzial – gerade in Zeiten, wo KI-Anwendungen und datengetriebene Services boomen.

Es lagern so viele Daten in Aktenschränken – lasst sie uns fördern und nutzen
Lilith Wittmann dokumentiert versteckte Schnittstellen
Genau das wollte Lilith Wittmann ändern. Die Software-Entwicklerin hatte bereits 2021 mit der Analyse der CDU-Wahlkampf-App „CDU Connect“ für Aufsehen gesorgt und später weitere Sicherheitslücken in verschiedenen digitalen Systemen aufgedeckt.
Ihr Projekt, versteckte aber öffentlich nutzbare APIs zu dokumentieren, hat inzwischen deutliche Spuren hinterlassen. Gemeinsam mit Freiwilligen hat sie dutzende Schnittstellen analysiert und öffentlich dokumentiert – von der Warn-App NINA über Verkehrsdaten bis hin zu Umweltmessstellen.
Erfolg der Bundesstelle für Open Data
Mit ihrer als politischen Protest gedachten Bundesstelle für Open Data hat Lilith Wittmann mehr erreicht, als ursprünglich geplant. Was 2021 als aktivistische Einzelaktion begann, ist heute eine respektierte Plattform mit hunderten dokumentierten APIs geworden.
Die Initiative zeigt: Wenn die Zivilgesellschaft vorangeht, folgt manchmal sogar die Politik. Mehrere Bundesländer haben inzwischen ihre Open-Data-Portale ausgebaut, und auch auf EU-Ebene gibt es mit der Data Governance Act neue Regelungen für Datenfreigabe.
KI braucht Daten – Open Data wird wichtiger
Besonders relevant wird Open Data durch den KI-Boom. Large Language Models und andere AI-Systeme sind hungrig nach qualitativ hochwertigen Daten. Während private Unternehmen Milliarden für Trainingsdaten ausgeben, liegen in deutschen Behörden wertvolle Datenschätze brach.
Städte wie Hamburg und München zeigen inzwischen, wie es geht: Sie stellen Verkehrsdaten, Umweltmessungen und sogar Haushaltsplanungen strukturiert zur Verfügung. Daraus sind Apps entstanden, die Pendlern helfen, Forscher bei Klimastudien unterstützen oder Bürgern Transparenz bei öffentlichen Ausgaben bieten.
Widerstand bröckelt langsam
Anfangs war die Skepsis groß: Behörden fürchteten Mehraufwand, Datenschützer warnten vor Missbrauch, IT-Abteilungen vor Sicherheitsrisiken. Doch die Praxis zeigt: Gut gemachte Open Data schadet nicht – sie nützt.
Wittmanns Arbeit hat dabei Pioniercharakter. Durch ihr Reverse Engineering versteckter APIs bewies sie, dass viele Daten bereits technisch verfügbar sind. Es braucht nur den politischen Willen zur Dokumentation und Freigabe.
Internationale Vorbilder zeigen den Weg
Länder wie Estland, Dänemark oder die Niederlande sind Deutschland bei Open Data Jahre voraus. Dort können Entwickler auf tausende offizielle Datensätze zugreifen – von Verkehrsinformationen bis zu Gerichtsentscheidungen.
Das Ergebnis: Eine lebendige Entwicklerszene, innovative Apps und mehr Transparenz. Auch deutsche Unternehmen wie FlixBus oder mytaxi nutzen längst ausländische Open-Data-Quellen, weil die deutschen Pendants fehlen oder schlecht dokumentiert sind.
Ausblick: Mehr Bewegung in Sicht
Immerhin: Die Ampel-Koalition hatte sich Open Data auf die Fahnen geschrieben. Ein neues Dateninstitut soll Standards setzen, und das Onlinezugangsgesetz 2.0 verpflichtet Behörden zu digitalen Services. Ob das reicht, wird sich zeigen.
Fakt ist: Lilith Wittmanns grassroots-Ansatz hat mehr bewegt als Jahre politischer Ankündigungen. Ihre „Bundesstelle für Open Data“ beweist, dass engagierte Zivilgesellschaft den Staat zum Jagen tragen kann – wenn sie mit Sachverstand und Beharrlichkeit vorgeht.
Je mehr Menschen öffentlich bereitgestellte Schnittstellen und Daten nutzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Daten – und damit auch die eingesetzten Steuergelder! – sinnvoll verwendet werden. Zeit, dass Politik und Verwaltung das endlich verstehen.
Das Konzept Open Content: So profitieren alle von Inhalten
Zuletzt aktualisiert am 24.02.2026





