Google-Strafen bestätigt: Was sich seit 2021 verändert hat

von | 11.11.2021 | Internet

Das EU-Gericht hat 2021 die milliardenschweren Strafen gegen Google bestätigt – ein Meilenstein im Kampf gegen digitale Monopole. Vier Jahre später zeigen sich die Auswirkungen deutlich: Der Wettbewerb hat sich belebt, aber neue Herausforderungen sind entstanden.

Die damalige Entscheidung war wegweisend: 2,42 Milliarden Euro Strafe für Googles Shopping-Praktiken, weitere Milliarden für Android-Zwangsverknüpfungen. Google legte Berufung beim EuGH ein, scheiterte aber auch dort. Heute, Anfang 2026, lohnt sich ein Blick auf die Folgen – und auf neue Entwicklungen im digitalen Wettbewerbsrecht.

Google vor Gericht: Geldbuße bestätigt

Digital Markets Act: Das neue Wettbewerbsrecht

Seit März 2024 gilt der Digital Markets Act (DMA) – ein Gamechanger für digitale Märkte. Google, Apple, Meta und Co. gelten nun als „Gatekeeper“ mit besonderen Pflichten. Das bedeutet konkret: Keine bevorzugte Darstellung eigener Dienste mehr, offene Schnittstellen für Konkurrenten und mehr Transparenz bei Algorithmen.

Die Strafen von damals waren also nur der Anfang. Der DMA geht viel weiter als die klassische Wettbewerbsaufsicht. Statt jahrelange Verfahren gibt es klare Regeln und bei Verstößen drohen bis zu 20% des weltweiten Umsatzes als Strafe – das wären bei Google aktuell über 60 Milliarden Dollar.

„Willst Du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“
Abraham Lincoln

Was hat sich seit 2021 verändert?

Die damaligen Google-Strafen zeigen heute Wirkung. Bei Android-Smartphones müsst ihr seit 2022 aktiv wählen, welche Suchmaschine ihr nutzen wollt. Apps lassen sich komplett deinstallieren, alternative Browser sind gleichberechtigt.

Bei der Shopping-Suche hat sich noch mehr getan: Google muss anderen Preisvergleichern denselben Platz einräumen wie den eigenen Shopping-Ergebnissen. Das Resultat: Dienste wie Idealo, Check24 oder Geizhals tauchen wieder prominent in den Suchergebnissen auf.

Der Marktanteil von Google Search ist in Europa von 90% auf etwa 85% gesunken – ein kleiner, aber wichtiger Schritt. Alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Startpage oder Ecosia profitieren davon. Bei Smartphones nutzen inzwischen 15% eine andere Standard-Suchmaschine als Google.

KI verändert das Spiel komplett

Doch 2025 und 2026 bringen neue Herausforderungen: Generative KI revolutioniert die Suche. ChatGPT, Gemini, Claude und Co. beantworten Fragen direkt, ohne dass ihr Websites besuchen müsst. Das bedroht nicht nur Googles Geschäftsmodell, sondern die gesamte Web-Ökonomie.

Die EU-Kommission beobachtet diese Entwicklung argwöhnisch. Erste Untersuchungen laufen bereits: Bevorzugt OpenAI bestimmte Quellen? Manipuliert Google seine KI-Antworten zugunsten eigener Dienste? Die nächste Welle von Wettbewerbsverfahren steht schon in den Startlöchern.

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Apple im Fokus der Wettbewerbshüter

Während Google die Strafen längst bezahlt hat, gerät Apple zunehmend ins Visier. Der App Store, das geschlossene iOS-System und die Beschränkungen für alternative Browser stehen unter Beschuss. 2024 musste Apple erstmals alternative App Stores in der EU zulassen – ein historischer Einschnitt.

Doch Apple wehrt sich vehement. Das Unternehmen argumentiert mit Sicherheit und Datenschutz, Kritiker sprechen von Wettbewerbsverhinderung. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie weit die EU-Regulierer gehen.

Was bedeutet das für euch?

Ihr profitiert bereits jetzt von mehr Wahlfreiheit. Smartphone-Käufe sind weniger von Voreinstellungen geprägt, Preisvergleiche funktionieren besser, alternative Dienste haben bessere Chancen.

Aber es gibt auch Nachteile: Manche Integration funktioniert nicht mehr so nahtlos, ihr müsst häufiger aktiv wählen statt bequeme Standards zu nutzen. Die perfekte Balance zwischen Wettbewerb und Nutzerfreundlichkeit ist noch nicht gefunden.

Ausblick: Neue Baustellen entstehen

Die Tech-Giganten haben aus den Strafen gelernt – aber auch neue Wege gefunden, ihre Macht auszubauen. KI-Training mit urheberrechtlich geschützten Inhalten, undurchschaubare Algorithmen und die Kontrolle über Cloud-Infrastruktur sind die neuen Problemfelder.

Der Digital Services Act (DSA) ergänzt seit 2023 den DMA und reguliert Inhalte-Moderation und Algorithmen-Transparenz. TikTok, X (Twitter) und Meta stehen unter verschärfter Beobachtung.

Fazit: Ein Marathon, kein Sprint

Die Google-Strafen von 2017-2019 waren nur der Anfang eines langen Prozesses. Der digitale Binnenmarkt wird fairer, aber neue Herausforderungen entstehen schneller als Lösungen. Die EU positioniert sich als globaler Regulierer digitaler Märkte – andere Länder folgen diesem Beispiel.

Für euch als Nutzer bedeutet das: Mehr Wahlmöglichkeiten, aber auch mehr Verantwortung. Die Zeit der unhinterfragten Tech-Dominanz geht zu Ende – gut für den Wettbewerb, spannend für die Zukunft des Internets.

Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026