Cell Broadcast warnt euch seit 2022 automatisch vor Katastrophen aufs Handy. Das System hat sich bewährt und wurde stetig ausgebaut. Hier alle wichtigen Infos zu DE-Alert, den verschiedenen Warnstufen und wie ihr die Einstellungen optimal konfiguriert.
Bei der großen Flutkatastrophe in 2021 gab es noch kein Cell Broadcast – und das hat sich bitter gerächt. Mit dem bewährten System hätten sich viele Menschen rechtzeitig warnen lassen, die so vollkommen unvorbereitet auf das Naturereignis waren.
Ein politisches Versagen, das vermutlich – wie meist – keine Konsequenzen haben wird.
Seit Dezember 2022 ist Cell Broadcast nun auch in Deutschland aktiv. Es ging nicht anders: Bereits 2018 hatte die Europäische Union (EU) festgelegt, dass alle Mitgliedsstaaten ein Mobilfunk-Warnsystem einführen müssen. Ein System also, das über Mobilfunk die Bevölkerung warnt. Die Behörden legen fest, in welcher Region und wie die Warnung samt Aufforderung lauten soll – und die Mobilfunkanbieter müssen sicherstellen, dass alle Personen in der betroffenen Region die Nachricht erhalten.
Das ist – kurz gesprochen – Cell Broadcast oder in Deutschland auch DE-Alert genannt.
Bundesweiter Warntag am 8.12.2022
Cell Broadcast in deutschen Mobilfunknetzen
Seit der ersten Testphase im Dezember 2022 wurde das System mehrfach getestet und kontinuierlich verbessert. Der nächste bundesweite Warntag findet planmäßig am zweiten Donnerstag im September 2026 statt – um 11 Uhr heulen dann wieder die Sirenen und die Smartphones geben Warntöne von sich. Ganz ohne App, die extra installiert werden müsste. Es wird ein unangenehmer Ton zu hören sein, und das sogar dann, wenn das Handy auf „lautlos“ gestellt wurde. Denn Cell-Broadcast-Warnungen sind immer zu hören.
Alle Mobilfunkanbieter in Deutschland – also Telekom, Vodafone, Telefonica (O2) sowie 1&1 – haben den Dienst implementiert und ihre Netze für Cell Broadcast optimiert. Das System wird mittlerweile auch für regionale Warnungen vor Unwettern, Großbränden oder anderen Gefahrensituationen eingesetzt.
Die kritischsten Cell-Broadcast-Nachrichten werden mit der Warnstufe 1 verschickt (Message ID 4370 und 919), die nicht unterdrückt werden kann. Andere Warnstufen können in den Einstellungen deaktiviert werden – doch dazu später mehr.
So funktioniert Cell Broadcast
Was aber genau steckt dahinter und wie funktioniert’s?
Cell Broadcast ist ein System im Mobilfunk zum gleichzeitigen Versand unidirektionaler Warnnachrichten (also nur in eine Richtung, nicht zurück) an große Mengen von Empfängern. Wenn es sein muss, auch an Millionen – und das ohne die Mobilfunknetze zu überlasten. Die Behörden können bestimmen, ob eine Nachricht an das gesamte Netz (bundesweit), regional beschränkt oder auch nur an bestimmte Mobilfunkzellen geschickt werden.
Es handelt sich dabei nicht um eine Massen-SMS, wie immer wieder zu hören und zu lesen ist. Denn anders als bei der SMS wird Cell Broadcast an ausnahmslos und unterschiedslos alle(!) empfangsbereiten Mobilgeräte in den bestimmten Funkzellen übermittelt. Auf diese Weise lassen sich Millionen Menschen zeitnah warnen, etwa vor einem Unwetter oder Erdbeben.
Nachricht in Cell Broadcast bis zu 1395 Zeichen lang
Die Behörden (etwa das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) legen fest, welche Regionen die Warnung erhalten. In Abhängigkeit der gewählten Warnstufe ertönt auf den Mobilgeräten auch im lautlosen Modus ein deutlich wahrnehmbarer Warnton. Die Warntexte können bis zu 1395 Zeichen lang sein: Dazu werden maximal 15 CB-Nachrichten à 93 Zeichen verknüpft. Das geschieht in allen Netzen, denn die Provider sind gesetzlich zum Versenden der CB-Nachrichten verpflichtet.
Es ist sogar möglich, Nachrichten in unterschiedlichen Sprachen zu versenden – dann erhält jeder Empfänger eine Nachricht in seiner ausgewählten Landessprache. Auf diese Weise lassen sich auch Touristen und Fremdsprachler ansprechen. Diese Mehrsprachigkeit wurde seit 2023 deutlich ausgebaut und umfasst nun neben Englisch auch Türkisch, Arabisch, Französisch und weitere Sprachen.
Wie oft wird eine Warnung versendet?
Eine Warnung wird nicht nur einmal versendet, sondern mehrfach – um sicherzustellen, dass auch nachträglich eingeschaltete Geräte die Nachricht empfangen. Ebenso Personen, die in eine Zelle/Region hineinfahren, die mit einer Warnung versorgt wird.
In den technischen Richtlinien von DE-Alert ist festgelegt, dass Warnmeldungen in den betroffenen Funkzellen alle zwei Minuten und das bis zu sechs Mal ausgesendet werden müssen. Es sei denn, das modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) stoppt die Aussendung mit einer entsprechenden Meldung.
Die verschiedenen Warnstufen von DE-Alert
Seit der Einführung wurden verschiedene Warnstufen definiert, die unterschiedliche Dringlichkeitsstufen signalisieren:
- Warnstufe 1 (Extreme Gefahr): Message ID 4370 und 919 – kann nicht deaktiviert werden
- Warnstufe 2 (Erhebliche Gefahr): Message ID 4371 – kann deaktiviert werden
- Warnstufe 3 (Gefahr): Message ID 4372 – kann deaktiviert werden
- Testnachrichten: Message ID 4373 – können separat deaktiviert werden
- Monatliche Testnachrichten: Message ID 4398 – für regelmäßige Systemtests
Wo erscheint die Nachricht von Cell Broadcast?
Eine eingehende CB-Nachricht lässt sich nur schwer verpassen, denn die Warnung wird durch ein akustisches Signal begleitet. Das ist kein kommod Klingelton wie heute üblich, sondern es handelt sich um das rasche Alternieren zwischen zwei vergleichsweise unangenehmen Tönen.
Sollte eine Nachricht zu Testzwecken versandt werden, erscheint ein entsprechender Hinweis auf die Testsituation, damit die Empfänger nicht ernsthaft beunruhigt sind. Die Testwarnung ist also eindeutig gekennzeichnet, etwa: „Dies ist ein Test für Cell Broadcast.“ Die Nachrichten erhalten meist eine genaue Beschreibung der Situation und können auch Handlungsempfehlungen enthalten – ebenso Links, die sich anklicken lassen.
Ein Signal für die Entwarnung gibt es auch: Wie bei Sirenen handelt es sich hier um einen Dauerton.
Neu seit 2024 ist, dass Cell Broadcast auch mit anderen Warnsystemen verknüpft wurde. So werden Warnungen parallel über die NINA-App, lokale Radiosender und digitale Werbetafeln ausgespielt – für maximale Reichweite.
Cell Broadcast: Bewährtes Warnsystem nun auch in Deutschland
Was muss mein Smartphone für Cell Broadcast können?
Stellt sich die Frage: Auf welchen Handys und Smartphones erreichen einen Warnmeldungen eigentlich, die per Cell Broadcast ausgesandt werden?
Prinzipiell wären auch sehr alte Handys dazu fähig, die Warnmeldungen anzuzeigen – wenn man sich in Deutschland früher dazu entschlossen hätte, diesen Dienst zu implementieren. Denn in USA, Kanada, Neuseeland, Japan und vielen anderen Ländern gibt es das System schon lange.
Aktuelle Modelle kommen mit Cell Broadcast problemlos klar. Ein Android-Smartphone mit mindestens Android Version 11 und allen aktuellen Updates ist startklar und empfangsbereit. Noch besser läuft es mit Android 12 oder neuer, da Google die Unterstützung für EU-Alert nochmals verbessert hat. Das gilt auch für Apples iPhones: Sie erhalten die notwendigen technischen Daten per Mobilfunk von Apple (Carrier Settings). Modelle ab iPhone 6s mit iOS 15.6 oder neuer können Cell Broadcast empfangen und anzeigen.
Wichtig: Das Gerät muss eingeschaltet und im Mobilnetz eingebucht sein. Es darf sich nicht im Flugmodus befinden. Auch im 5G-Netz funktioniert Cell Broadcast einwandfrei – sogar mit verbesserter Genauigkeit bei der geografischen Abgrenzung der Warngebiete.
Da Cell Broadcast bereits seit Ende der Neunziger Teil des weltweiten Standards für Mobilfunk ist, können grundsätzlich auch viele ältere Handys die Nachrichten empfangen. Allerdings unterstützen sie möglicherweise nicht die von EU-Alert vorgeschriebenen vierstelligen IDs (Kennziffern). Aus diesem Grund wurde nachträglich die dreistellige Message ID 919 für alle kritischen Warnungen hinzugefügt.
Wer wissen will, welche Geräte Cell Broadcast ganz konkret unterstützen:
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bietet hier eine Liste aller Cell-Broadcast-fähigen Geräte.
Kann ich die Cell Broadcast Warnungen abschalten?
Eine wichtige Frage: Manch einer fragt sich womöglich, ob die Warnmeldungen auch abgeschaltet werden können.
Warnungen der höchsten Warnstufe 1 (extreme Bedrohung) lassen sich generell nicht abschalten – das ist auch richtig so.
Auf modernen Smartphones sind die nötigen Einstellungen oft in den Menüs versteckt. Bei aktuellen Android-Geräten (Android 12+) findet ihr die Optionen meist unter „Einstellungen“ > „Benachrichtigungen“ > „Drahtlose Notfallbenachrichtigungen“ oder „Cell Broadcast“. Hier lassen sich verschiedene Warnstufen einzeln konfigurieren.
Auf Samsung-Geräten mit One UI 4.0 oder neuer sind die Optionen unter „Einstellungen“ > „Benachrichtigungen“ > „Erweiterte Einstellungen“ > „Drahtlose Notfallbenachrichtigungen“ zu finden. Hier könnt ihr auch den Ton und die Vibration für verschiedene Warnstufen anpassen.
Bei anderen Android-Herstellern wie Xiaomi (MIUI), OnePlus (OxygenOS) oder Oppo sind die Menüpunkte ähnlich strukturiert, können aber leicht anders benannt sein.
Auf iPhones mit iOS 16 oder neuer findet ihr die Optionen unter „Einstellungen“ > „Mitteilungen“: Hier bis zum Ende scrollen zu „Cell Broadcast Alerts“. Seit iOS 17 könnt ihr sogar einstellen, dass Testwarnungen stumm empfangen werden, während echte Notfälle weiterhin mit Ton gemeldet werden.
Praxiserfahrungen und Statistiken
Seit der Einführung wurde Cell Broadcast in Deutschland bereits mehrfach für echte Warnungen eingesetzt – etwa bei Unwettern in Bayern und Nordrhein-Westfalen oder bei Großbränden in Industriegebieten. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch: Laut BBK-Statistiken haben über 85% der Nutzer die kritischen Warnstufen aktiviert gelassen.
Besonders bewährt hat sich das System bei lokalen Ereignissen, wo klassische Medien zu langsam gewesen wären. Die Zielgenauigkeit wurde seit 2023 durch verbesserte Algorithmen deutlich erhöht – falsche Warnungen außerhalb der Gefahrenzone sind praktisch verschwunden.
Auch die internationale Vernetzung wurde ausgebaut: EU-Bürger erhalten jetzt auch in anderen EU-Ländern Warnungen in ihrer Muttersprache, sofern das Gastland dies unterstützt.
Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026