Google hat schon vor Jahren den App-Launcher aus Chrome entfernt – ein Feature, das einst als Revolution für das Starten von Chrome-Apps beworben wurde. Was damals als praktische Neuerung galt, erwies sich letztendlich als Sackgasse in der Browser-Evolution.
Der Chrome-App-Launcher war eine kleine Schaltfläche in der Taskleiste oder im Dock, über die sich Chrome-Apps direkt starten ließen, ohne erst den Browser zu öffnen. Google wollte damit die Grenze zwischen Desktop-Anwendungen und Web-Apps verwischen und Chrome-Apps mehr wie native Programme erscheinen lassen.
Doch die Realität sah anders aus: Nutzerstatistiken zeigten, dass der App-Launcher kaum verwendet wurde. Die meisten User starteten Chrome-Apps lieber direkt im Browser oder nutzten Lesezeichen. Das Feature dümpelte vor sich hin und wurde schließlich 2016 eingestellt.
Heute ist diese Entscheidung längst überholt von einer viel größeren Veränderung: Google hat Chrome-Apps komplett abgeschafft. Seit Juni 2022 werden Chrome-Apps nicht mehr unterstützt – weder auf Windows, Mac noch Linux. Selbst die chrome://apps-Seite existiert nicht mehr.
Die Zukunft gehört den Progressive Web Apps (PWAs), die das ursprüngliche Versprechen der Chrome-Apps deutlich besser einlösen. PWAs lassen sich wie native Apps installieren, funktionieren offline und bieten Push-Benachrichtigungen – ohne dass ein spezieller Launcher nötig wäre.
Was PWAs besonders smart macht: Sie verwenden Standard-Web-Technologien und laufen in jedem modernen Browser, nicht nur in Chrome. Entwickler müssen keine separaten Apps mehr für Chrome erstellen, sondern können ihre Websites einfach PWA-fähig machen.
Installierte PWAs erscheinen direkt im Startmenü des Betriebssystems und lassen sich wie normale Programme starten. Windows 11 und macOS unterstützen PWAs mittlerweile nativ, sodass sie sich nahtlos ins System integrieren.
Auch auf Smartphones haben PWAs deutlich an Bedeutung gewonnen. Sie bieten fast die gleiche User Experience wie native Apps, sind aber einfacher zu entwickeln und zu warten. Unternehmen wie Twitter, Pinterest oder Spotify setzen erfolgreich auf PWAs.
Interessant ist, dass Chrome OS als einziges System weiterhin einen App-Launcher besitzt – allerdings nicht mehr für Chrome-Apps, sondern für Android-Apps und PWAs. Der Launcher ist dort quasi das Startmenü und damit unverzichtbar für die Bedienung.
Für Nutzer bedeutet der Wegfall der Chrome-Apps kaum Einschränkungen. Die meisten „Apps“ waren ohnehin nur Websites in einem separaten Fenster. PWAs bieten die gleiche Funktionalität mit besserer Integration ins Betriebssystem.
Entwickler profitieren sogar von der Umstellung: Statt proprietäre Chrome-Apps zu programmieren, können sie auf offene Web-Standards setzen, die überall funktionieren. Das reduziert Aufwand und erreicht mehr Nutzer.
Die Geschichte des Chrome-App-Launchers zeigt exemplarisch, wie sich das Web entwickelt hat. Was vor zehn Jahren noch innovative Insellösung war, ist heute Standard geworden – nur eben besser und offener umgesetzt.
Wer heute app-ähnliche Erfahrungen im Web schaffen will, sollte auf PWAs setzen. Sie sind die natürliche Evolution der ursprünglichen Chrome-App-Idee und haben deutlich bessere Zukunftsaussichten.
Zuletzt aktualisiert am 09.04.2026

