Egal, ob ihr Computer, Spielekonsolen oder Smartphones kauft: Meist sind Apps oder Programme vorinstalliert, die ihr benutzen könnt, wenn ihr möchtet. Manchmal Textprogramme, manchmal Virenschutz oder Video-Software. Doch müsst ihr es akzeptieren, dass solche Programme vorinstalliert sind – und möglicherweise sogar auch mitbezahlen? Diese Frage wurde vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg geklärt und bleibt auch 2026 hochrelevant.
Worum ging es konkret in dem vorliegenden Fall, der vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verhandelt wurde?
Es ging um die Klage eines Franzosen, der einen Computer von Sony gekauft hat, der – wie in der Branche üblich – neben dem Betriebssystem mit zahlreichen anderen Programmen ausgestattet war, etwa zum Virenschutz. Doch der Käufer wollte diese Programme nicht haben – und hat von Sony den Geldwert dieser Programme als Rückerstattung eingefordert.
Sein Argument: Ich habe die Programme mitbezahlt, will sie aber gar nicht haben, ich will nur den Rechner. Also: Erstattet mir den Kaufpreis für die Software. Die Richter haben sich den Fall angesehen – und sind der Argumentation des Käufers nicht gefolgt. Der Kunde bekommt kein Geld zurück.
Was bedeutet das Urteil für uns Konsumenten heute?
Das bedeutet ganz klar, dass wir auch weiterhin Programme und Apps vorinstalliert auf unseren Geräten vorfinden. Alles andere wäre auch merkwürdig gewesen, denn natürlich versuchen die Anbieter, egal ob Gerätehersteller oder zum Beispiel Mobilfunkanbieter, die ihre Smartphones unters Volk bringen, mit vorinstallierter Software ein gewisses Unterscheidungsmerkmal anzubieten.
Besonders bei Premium-Smartphones wie dem iPhone oder Samsung Galaxy-Modellen ist vorinstallierte Software heute noch umfangreicher geworden. Apple liefert seine Geräte mit einer ganzen Suite von Apps aus, Samsung packt zusätzlich zu Android noch eigene Apps drauf. Auch Gaming-Laptops kommen oft mit spezieller Gaming-Software, RGB-Steuerung und Performance-Tools.
Manchmal ist vorinstallierte Software tatsächlich wertvoll – manchmal aber auch nur Werbung, etwa wenn ihr einen Virenschutz bekommt, der 90 Tage kostenlos funktioniert und danach kostenpflichtig wird. Dann habt ihr euch daran gewöhnt – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ihr das kostenpflichtige Abo abschließt.
Aber für Test-Software bezahlt man doch sicher nicht?
Richtig, das Gegenteil ist der Fall: Die Softwarehersteller bezahlen die Hersteller dafür, dass sie Test-Software installieren dürfen. Es werden also Provisionen gezahlt, die sich der Hersteller einsteckt. Im günstigsten Fall wird die Hardware dadurch günstiger. Es gibt viele solcher versteckten Einnahmequellen, selbst vorinstallierte Browser generieren Umsätze.
Denn sie sind mit Suchmaschinen verbunden, und die generieren Werbeumsätze, die sie teilweise mit den Browser-Herstellern teilen. Das kennt ihr von Firefox, aber auch Microsoft kassiert kräftig mit, wenn ihr Bing über Edge nutzt. Google zahlt Apple sogar Milliarden dafür, dass Safari standardmäßig Google als Suchmaschine nutzt.
Moderne Bloatware: Das Problem wird größer
Heute ist das Problem der Bloatware – so nennt man unnötige vorinstallierte Software – noch ausgeprägter als früher. Smartphones kommen oft mit dutzenden Apps, die ihr nie nutzen werdet. TikTok, Facebook, Netflix oder Spiele-Apps sind häufig fest installiert und lassen sich nicht einfach löschen.
Bei Windows 11 hat Microsoft die Praxis sogar noch ausgeweitet: Candy Crush, Xbox Game Bar, Microsoft Teams – alles vorinstalliert. Manche davon könnt ihr deinstallieren, andere sind fest im System verankert. Linux-Distributionen sind hier oft ehrlicher: Ihr bekommt ein sauberes System und entscheidet selbst, was drauf soll.
Sicherheitsrisiken werden größer
Doch vorinstallierte Software und Apps gefallen keineswegs jedem, es gibt auch Kritik an dieser Praxis, weil es die Sicherheit gefährdet. Verbraucherschützer warnen sogar davor. Wieso?
Vorinstallierte Software ist weit verbreitet, eben weil sie auf vielen Geräten automatisch vorhanden ist. Oft werden diese Programme aber schlecht gepflegt, also es werden keine Updates eingespielt. Das bedeutet: Früher oder später gibt es Sicherheitslecks, die von Hackern ausgenutzt werden können. Weil die Software so weit verbreitet ist, lohnt es sich besonders, sich auf solche Lücken zu stürzen und sie auszunutzen.
2026 ist dieses Problem noch akuter geworden. Cyberkriminelle nutzen gezielt veraltete vorinstallierte Software als Einfallstor. Besonders kritisch: Viele Nutzer wissen gar nicht, welche Software überhaupt auf ihren Geräten läuft. Der Hersteller der Geräte sorgt in der Regel nicht für die Updates von vorinstallierter Software – das ist durchaus ein Problem.
Was könnt ihr tun?
Die gute Nachricht: Ihr seid der Bloatware nicht hilflos ausgeliefert. Bei Android könnt ihr viele vorinstallierte Apps über ADB (Android Debug Bridge) entfernen – das erfordert zwar etwas technisches Know-how, funktioniert aber zuverlässig. Tools wie „Universal Android Debloater“ helfen dabei.
Bei Windows gibt es Scripts und Tools wie „Windows10Debloater“, die unerwünschte Software automatisch entfernen. Auch beim Neukauf könnt ihr darauf achten: Business-Geräte haben oft weniger Bloatware als Consumer-Modelle. Und wenn ihr euch für Linux entscheidet, umgeht ihr das Problem meist komplett.
Das EuGH-Urteil bleibt also relevant: Hersteller dürfen weiterhin Software vorinstallieren, und ihr müsst das akzeptieren. Aber mit den richtigen Tools und etwas Wissen könnt ihr euer System trotzdem sauber halten.
Zuletzt aktualisiert am 06.04.2026


