In Berlin ist mal wieder IFA Time – die Internationale Funkausstellung zeigt, was es rund um Consumer Electronics und Smart Living Neues gibt. Was wurde dort nicht alles gezeigt in besseren Zeiten: Die erste Videokassette, die erste CD, das Farbfernsehen wurde dort angeknipst – und zum ersten Mal in 16:9 gesendet. Doch was gibt’s 2025 Neues? KI-Integration hier, Smart Home dort und natürlich wieder die „revolutionären“ TV-Displays. Aber gibt’s tatsächlich noch echte Innovation, oder drehen sich alle Messen nur noch im Kreis?
Es gibt definitiv nicht den riesigen Schritt nach vorne, auch nicht den großen neuen Trend. Stattdessen werden vorhandene Technologien mit KI aufgehübscht – Smart Home wird „intelligenter“, Fernseher bekommen ChatGPT-Integration, und jeder Kühlschrank kann plötzlich Rezepte vorschlagen. Einige Trends aus den vergangenen Jahren sind komplett verschwunden: 3D-Fernseher spielen keine Rolle mehr, VR dümpelt nach dem Meta-Hype wieder vor sich hin, und auch die ganzen NFT- und Blockchain-Experimente sind Geschichte.
KI als Allheilmittel
Der große Trend 2025: Alles bekommt KI verpasst. Fernseher analysieren euer Sehverhalten und schlagen passende Inhalte vor. Waschmaschinen erkennen die Stoffart automatisch. Lautsprecher führen Gespräche statt nur Befehle auszuführen. Das Problem dabei: Oft ist es KI um der KI willen, ohne echten Mehrwert.
Beispielsweise zeigt Samsung einen Kühlschrank, der per Kamera den Inhalt scannt und Einkaufslisten erstellt. Klingt praktisch, aber braucht es dafür wirklich eine 2.000-Euro-Kamera im Kühlschrank? Andererseits gibt es durchaus sinnvolle Anwendungen: LG präsentiert Waschmaschinen, die Flecken per Bildanalyse erkennen und das Waschprogramm automatisch anpassen.
Das Messe-Problem wird größer
Aber woran liegt der Innovationsmangel? Das Problem verschärft sich sogar: Neben CES, Mobile World Congress und Co. gibt es jetzt auch noch die ganzen KI-Konferenzen, die den Tech-Companies die Show stehlen. OpenAI macht sein eigenes Ding, Google hat I/O, Apple seine Keynotes – warum sollten sie noch auf die IFA?
Darüber hinaus haben sich die Produktzyklen dramatisch verkürzt. Smartphones bekommen monatliche Updates, Smart-Home-Geräte werden per Software-Update „revolutioniert“, und neue Features landen direkt im App Store statt auf der Messe. Die großen Hardware-Zyklen, die früher Messen wie die IFA geprägt haben, gibt es praktisch nicht mehr.
8K ist tot, aber MicroLED lebt
Fernseher sind nach wie vor ein IFA-Kernthema, aber 8K ist praktisch gestorben – zu wenig Content, zu hoher Preis. Stattdessen setzen Hersteller auf MicroLED-Displays, die noch bessere Kontraste als OLED bieten und dabei langlebiger sind. Samsung zeigt modulare MicroLED-Wände, die ihr beliebig zusammensetzen könnt – von 89 bis 292 Zoll.
QD-OLED (Quantum Dot OLED) wird langsam massentauglich und bietet brillante Farben bei weniger Einbrenngefahr. Sony und Samsung liefern sich hier einen Wettkampf um die beste Bildqualität. Gaming-Features sind wichtiger geworden: 144Hz, Variable Refresh Rate und automatische HDR-Optimierung für PlayStation 6 und Xbox Series Z.
Interessant: Die Preise für OLED-Fernseher sind endlich auf ein vernünftiges Niveau gefallen. 55-Zoll-OLED gibt’s mittlerweile ab 800 Euro, vor drei Jahren kosteten die noch das Dreifache.
Audio wird persönlicher
Der Audio-Bereich entwickelt sich interessanter als erwartet. Hearables – also smarte Kopfhörer – werden zu echten Gesundheits-Gadgets. Sie messen Puls, Körpertemperatur und sogar Stresslevel über das Ohr. Apple AirPods Pro 4 können mittlerweile Hörschäden vorbeugen und fungieren als vollwertiges Hörgerät.
Besonders spannend sind die neuen KI-gestützten Übersetzungsfunktionen: Real-time Translation direkt ins Ohr, mit unter einer Sekunde Latenz. Das funktioniert mittlerweile so gut, dass ihr problemlos Gespräche in fremden Sprachen führen könnt. Google Pixel Buds Pro 2 und die neuen Galaxy Buds KI machen das richtig gut.
Spatial Audio wird endlich massentauglich – nicht nur für Musik, sondern auch für Telefonate und Videokonferenzen. Das macht einen riesigen Unterschied bei der Verständlichkeit, besonders in lauten Umgebungen.
Smart Home: Endlich weniger Chaos
Der größte Fortschritt im Smart Home: Matter 2.0 sorgt endlich für echte Kompatibilität zwischen verschiedenen Herstellern. Ihr könnt jetzt problemlos Philips Hue mit IKEA-Möbeln, Bosch-Haushaltsgeräten und Google Nest kombinieren. Das war überfällig.
Thread als Funkstandard setzt sich durch und macht Smart-Home-Netze stabiler und schneller. Wichtiger noch: Die neuen KI-Assistenten verstehen Kontext viel besser. Wenn ihr sagt „Mach das Licht an“, wissen sie je nach Tageszeit und Raum, welche Beleuchtung ihr meint.
Ein echter Game-Changer: Smart-Home-Systeme lernen eure Gewohnheiten und automatisieren proaktiv. Morgens geht automatisch die Kaffeemaschine an, wenn euer Smartphone-Wecker klingelt. Abends dimmt sich das Licht, wenn Netflix startet. Das funktioniert mittlerweile richtig zuverlässig.
Nachhaltigkeit als neuer Trend
Ein Thema, das früher kaum eine Rolle spielte: Nachhaltigkeit wird zum echten Verkaufsargument. Hersteller werben mit reparierbaren Geräten, modularen Designs und CO2-neutraler Produktion. Fairphone zeigt modulare Smart-Home-Geräte, Framework bringt reparierbare Laptops auf den Massenmarkt.
Apple und Samsung bieten mittlerweile Reparatur-Kits für ihre Geräte an – ein Wandel, den niemand erwartet hätte. Auch die Software-Updates werden länger unterstützt: 7 Jahre Android-Updates sind der neue Standard.
Fazit: Evolution statt Revolution
Die IFA 2025 zeigt: Die Zeit der großen Hardware-Revolutionen ist vorbei. Stattdessen geht es um intelligente Software, bessere Integration und längere Nutzbarkeit. Das ist weniger spektakulär als früher, aber für Verbraucher oft praktischer. KI macht viele Geräte tatsächlich nützlicher, auch wenn nicht jeder Kühlschrank einen Chatbot braucht.
Die wirklich spannenden Entwicklungen passieren heute in Apps und Services – und die brauchen keine Messe mehr.
Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026





