Streaming: Was ihr der Umwelt damit antut

von | 01.01.2018 | Internet

Streaming wird immer populärer. Und auf den ersten Blick scheint das eine umweltschonenede Methode zu sein, sich Filme und Serien anzuschauen. Aber ist das wirklich so? Es gibt begründete Zweifel.

Musik streamen. Filme und Serien streamen. Heute Alltag. Videotheken sind heute nahezu vollständig vom Erdboden verschwunden. Klar: Auch früher hat man Filme ausgeliehen. Aber heute kann man mit der Fernbedienung in der Hand aus Millionen Film- und Serientitel bei Netflix, Disney+, Amazon Prime Video und Co. zugreifen. Es heißt zwar immer noch „Ausleihen“, doch in Wirklichkeit hat man nur zeitlich begrenzte Zugriffsrechte. Man gibt nichts zurück.

StockSnap / Pixabay

 

Auch Streamingdienste belasten die Umwelt massiv

Streaming scheint eine Menge Vorteile zu bringen. Der Musikindustrie hat sie die Kehrtwende gebracht: Die Umsätze steigen kontinuierlich. Außerdem produzieren wir auch weniger physischen Müll, könnte man meinen. Denn wenn Filme per Stream geschaut werden, dann legen wir keine mit hohem Energieaufwand gepressten DVDs oder Blu-rays mehr ins Laufwerk.

Streaming ist – so scheint es zumindest – deutlich CO2-freundlicher als das DVD-Zeitalter. Wir verbrauchen beim Binge Watching lediglich ein bisschen Strom. Und wenn der verbrauchte Strom aus CO2-neutralen Quellen kommt, ist alles sogar eine saubere Sache.

So scheint es. Aber ist das wirklich so? Aktuelle Studien zeigen: definitiv nicht. Der CO2-Fußabdruck von Streaming ist erheblich größer als ursprünglich angenommen. Videostreaming macht mittlerweile über 60 Prozent des globalen Internetverkehrs aus – mit drastischen Folgen für die Umwelt.

Rechenzentren und KI verstärken das Problem

Die Realität sieht anders aus. Videostreaming verursacht jährlich über 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente – das entspricht etwa den Emissionen von ganz Spanien. Besonders problematisch: Die neuen KI-basierten Empfehlungsalgorithmen von Netflix, YouTube und Co. benötigen zusätzliche Rechenleistung.

Moderne Streamingdienste nutzen maschinelles Lernen für personalisierte Empfehlungen, automatische Untertitel-Generierung und Videoqualitäts-Optimierung. Diese KI-Prozesse laufen permanent in riesigen Rechenzentren und verbrauchen enorme Energiemengen – selbst wenn ihr gerade nicht schaut.

Eine Stunde 4K-Streaming auf Netflix verbraucht heute etwa 7,2 GB Daten und verursacht dabei ungefähr 36 Gramm CO2-Emissionen. Das klingt wenig, summiert sich aber schnell: Der durchschnittliche Deutsche streamt mittlerweile über 4 Stunden täglich – das sind mehr als 50 Kilogramm CO2 pro Jahr, nur fürs Videostreaming.

8K und Gaming-Streams verschärfen die Lage

Die Situation wird durch neue Technologien verschärft. 8K-Streaming, das seit 2024 bei Premium-Diensten verfügbar ist, verbraucht das Vierfache der Bandbreite von 4K. Gaming-Streams über Xbox Cloud Gaming, PlayStation Now oder Nvidia GeForce Now sind noch hungriger: Eine Stunde Cloud-Gaming kann bis zu 15 GB Daten verbrauchen.

Virtual Reality-Streaming, das immer populärer wird, toppt alles: Meta Quest- oder Apple Vision Pro-Inhalte können 20-30 GB pro Stunde verschlingen. Die Rechenzentren müssen dafür mit noch leistungsfähigeren Servern ausgestattet werden, die selbst im Leerlauf kontinuierlich Energie verbrauchen.

Das Paradox des Komforts

Professor Nathan Ensmenger von der Indiana University, der sich seit Jahren mit den Umweltfolgen digitaler Technologien beschäftigt, sieht das Problem verschärft durch unser Verhalten: „Streaming macht Medienkonsum so bequem, dass wir drastisch mehr konsumieren als früher.“

Die Zahlen sprechen für sich: Während 2010 eine durchschnittliche Person etwa 2-3 Filme pro Woche schaute, sind es heute oft 2-3 Serien-Episoden pro Tag. Der Gesamtkonsum hat sich verfünffacht – und damit auch die Umweltbelastung.

Hinzu kommt: Viele lassen Streams einfach laufen, auch wenn sie nicht hinschauen. Auto-Play-Funktionen und Hintergrund-Streams auf Smart-TVs verbrauchen permanent Energie. Das Bewusstsein für diese versteckte Umweltbelastung fehlt völlig.

Was könnt ihr tun?

Trotz allem müsst ihr nicht auf Streaming verzichten. Aber ein paar einfache Änderungen helfen:

  • Reduziert die Streaming-Qualität: Full-HD statt 4K reicht meist völlig aus
  • Schaltet Auto-Play in den Einstellungen ab
  • Nutzt WLAN statt Mobilfunk für Streams
  • Ladet Inhalte für unterwegs herunter, statt sie zu streamen
  • Schaut bewusster: Qualität statt Quantität

Die Streaming-Anbieter arbeiten an effizienteren Technologien und grüneren Rechenzentren. Aber bis dahin liegt es auch an uns, verantwortungsvoller zu streamen. Denn so ist das im Internet: Man sieht nicht, was im Hintergrund passiert – und kann daher auch unmöglich die Folgen abschätzen. Aber der Preis, den alles hat, wird immer sichtbarer.

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am 30.03.2026