Libra ist tot – was aus Facebooks Kryptowährung wurde

von | 12.07.2019 | Digital

Bezahlen mit dem Smartphone ist längst Alltag geworden. Doch erinnert ihr euch noch an Facebooks große Vision einer eigenen Kryptowährung? Libra, später in Diem umbenannt, sollte das globale Bezahlen revolutionieren. Das Projekt ist Geschichte – aber die Lehren daraus sind aktueller denn je. Denn während Meta damals scheiterte, drängen heute andere Tech-Giganten und sogar Staaten mit eigenen digitalen Währungen auf den Markt.

Rückblick: Als Mark Zuckerberg 2019 Libra ankündigte, war der Aufschrei gewaltig. Das US-Parlament schrieb binnen Tagen einen offenen Brief an Facebook und forderte einen sofortigen Stopp. Sogar Donald Trump mischte sich ein und verlangte eine klare Regulierung aller Kryptowährungen sowie Banklizenzen für solche Projekte.

Die Bedenken waren berechtigt – und sind es heute noch mehr. Bitcoin hat sich zwar als Spekulationsobjekt etabliert, aber als alltägliches Zahlungsmittel? Fehlanzeige. Die extreme Volatilität macht ihn unbrauchbar für normale Transaktionen. Wer will schon einen Kaffee kaufen, wenn der Preis zwischen Bestellung und Bezahlung um 20 Prozent schwanken kann?

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank, warnte damals vor Risiken für Privatsphäre, Geldwäsche, mangelndem Verbraucherschutz und Gefahren für die Finanzstabilität. Diese Warnungen haben sich als prophetisch erwiesen – man denke nur an die spektakulären Pleiten von Terra Luna, FTX oder die zahllosen Krypto-Betrügereien der letzten Jahre.

Was ist aus Libra/Diem geworden?

Facebooks Kryptowährung ist 2022 sang- und klanglos gescheitert. Nach jahrelangem Regulatorendruck verkaufte die Diem Association ihre Vermögenswerte an die Silvergate Bank. Ein Milliardenprojekt wurde zu Altpapier. Der Grund: Regulierungsbehörden weltweit erkannten die Gefahren einer privaten Weltwährung, kontrolliert von einem Datenkonzern.

Die neue Realität: CBDCs und Stablecoins

Während private Kryptowährungen straucheln, arbeiten Zentralbanken weltweit an eigenen digitalen Währungen (CBDCs). China testet bereits seinen digitalen Yuan in Millionenstädten. Die Europäische Zentralbank bereitet den digitalen Euro vor, der voraussichtlich 2026 in die Pilotphase geht. Diese staatlichen Digitalwährungen versprechen die Vorteile von Kryptowährungen ohne deren Nachteile: stabile Werte, staatliche Kontrolle, Verbraucherschutz.

Parallel etablieren sich regulierte Stablecoins wie USDC oder Tether als Brücke zwischen traditionellem Bankwesen und Krypto-Ökosystem. Aber auch hier lauern Risiken: Tether steht immer wieder wegen mangelnder Transparenz in der Kritik.

Schweigen war gestern – heute wird reguliert

Damals schwieg die deutsche Politik zu Libra. Das hat sich grundlegend geändert. Die EU hat 2023 die Markets in Crypto Assets Regulation (MiCA) verabschiedet – das weltweit umfassendste Regelwerk für Kryptowährungen. Deutschland geht sogar noch weiter: Das neue Gesetz über elektronische Wertpapiere macht digitale Assets rechtssicher handelbar.

Bundesfinanzminister Christian Lindner positioniert Deutschland als „Krypto-Standort“ – allerdings mit klaren Regeln. Krypto-Unternehmen brauchen BaFin-Lizenzen, müssen Geldwäsche-Gesetze befolgen und Kundengelder schützen. Was früher regulatorisches Niemandsland war, unterliegt heute strengen Auflagen.

Die Lehren aus dem Libra-Desaster

Facebooks gescheitertes Krypto-Projekt zeigt exemplarisch: Tech-Konzerne können nicht einfach das Geldsystem neu erfinden. Währungen sind zu wichtig für Stabilität und Souveränität, um sie Privatunternehmen zu überlassen. Besonders problematisch wäre eine Währung gewesen, die von einem Konzern kontrolliert wird, der bereits wegen Datenschutz-Verstößen und Marktmissbrauch in der Kritik steht.

Die Bedenken von damals sind heute Realität: Wer eine digitale Währung kontrolliert, hat Macht über Geld und Daten. Jede Transaktion hinterlässt digitale Spuren. In den falschen Händen wird daraus ein Überwachungsinstrument.

Ausblick: Digitales Geld wird kommen – aber anders

Digitale Währungen sind unaufhaltsam. Aber nicht als private Experimente von Tech-Konzernen, sondern als staatlich kontrollierte CBDCs. Der digitale Euro wird kommen, ebenso digitale Dollar, Yen und andere Währungen. Sie werden sicherer, stabiler und transparenter sein als wilde Kryptowährungen.

Für Verbraucher bedeutet das: Ihr werdet bald digital bezahlen können, ohne auf volatile Kryptowährungen oder dubiose Stablecoins angewiesen zu sein. Mit staatlichen Garantien und ohne Spekulationsrisiko.

Facebooks Libra war ein wichtiger Weckruf. Das Projekt ist gescheitert, aber es hat Regulierungsbehörden weltweit dazu gebracht, digitale Währungen ernst zu nehmen und eigene Lösungen zu entwickeln. Am Ende war das Scheitern von Libra ein Segen – für Verbraucher und Finanzstabilität gleichermaßen.

Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026