Für „Digital Natives“ sind Smartphones etwas völlig Selbverständliches. Dabei gibt es sie erst seit 2007 – mit der Erfindung des iPhones. Doch vor 29 Jahren ist der Grundstein gelegt worden für die Idee, Handy und Kommunikation in einem Gerät zu vereinen – mit dem Nokia Communicator 9000.
Wir wollen jederzeit erreichbar sein, telefonieren, simsen, Nachrichten austauschen, online gehen und Apps benutzen – oder Fotos machen und anschauen. Das Smartphone von heute ist ein KI-gestütztes Multifunktionsgerät, das eher an die Kommunikatoren von „Raumschiff Enterprise“ erinnert als an ein Telefon.
Nokias Communicator war ein Durchbruch – vor 29 Jahren
Erst smarte Handys, dann Smartphones
Das Smartphone, wie wir es heute kennen, gibt es seit 2007: Damals stellte Apple-Gründer Steve Jobs das erste iPhone-Modell vor. Handy, Kalender, Notizbuch und Apps – und alles per Fingertippen bedienbar, nicht mehr über Tastatur. Heute, Ende der 2020er Jahre, sind KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Google Gemini fester Bestandteil unserer mobilen Begleiter.
Das erste Mobiltelefon, das als Vorstufe der smarten Geräte von heute verstanden werden könnte, ist der Nokia Communicator 9000. 1996 – also vor 29 Jahren – kam dieses rund 400 Gramm schwere Multifunktionsgerät auf den Markt und begeisterte technikverliebte Menschen in aller Welt. Ein Gerät, nicht aus dem Silicon Valley oder China – sondern aus Finnland.
Auch ich hatte damals einen Communicator. Zum ersten Mal konnte man mit einem Mobiltelefon nicht nur telefonieren und SMS austauschen, sondern auch bequem unterwegs E-Mails verschicken und empfangen und sogar – im beschränkten Maße – im Web surfen. Es gab extra für diesen Zweck gebaute WAP-Seiten mit simpelster Textdarstellung. Und Faxe versenden war möglich – eine Funktion, die heute völlig aus der Mode gekommen ist.
Apples iPhone hat alles verändert: Erstes Smartphone, wie wir es kennen
Ein Brikett zum Mitnehmen
Ein aufklappbares Brikett mit Stummel-Antenne vermittelte erstmals einen Hauch von Büro unterwegs. Die aufklappbare QWERTZ-Tastatur war zwar winzig, aber damit ließen sich sehr wohl E-Mails verfassen. Das monochrome Display mit seiner groben Auflösung wirkt heute geradezu steinzeitlich – damals war es revolutionär. Genutzt haben das Business-Leute und absolute Technikfanatiker.
Aus heutiger Sicht wirkt es beinahe albern, dass Menschen für derart wenige Funktionen 2.700 Mark (etwa 1.400 Euro) auf den Tisch geblättert haben. Zum Vergleich: Moderne Smartphones mit KI-Chips, mehreren Kameras und gigabytewise Speicher gibt es heute schon für unter 200 Euro. Aber man muss sich diesen damaligen Durchbruch vorstellen: ein Büro für die Hosentasche gab es bis dahin nicht.
Die Welt vor dem iPhone
Viele Menschen hatten damals zwei Geräte dabei: ein Mobiltelefon – und einen sogenannten „Personal Digital Assistant“, kurz PDA. So wurden Geräte wie der Palm Pilot oder Windows-Mobile-Geräte genannt, in denen man Termine eintragen und Kontakte einpflegen konnte. Eine Art elektronisches Notizbuch, Terminkalender und Adressbuch in einem – aber eben als separates Gerät.
Der Nokia Communicator 9000 war das erste Gerät, das diese Funktionen elegant vereinte. Mit seinem Intel 386-Prozessor und 8 MB Speicher war er technisch seiner Zeit voraus. Die Akkulaufzeit betrug gerade mal 1-2 Stunden bei intensiver Nutzung – heute halten Smartphones selbst bei intensivster KI-Nutzung einen ganzen Tag durch.
Privatsphäre war noch privat
Apps, wie wir sie heute kennen, gab es damals im Nokia Communicator nicht mal ansatzweise. Keine App-Stores, keine In-App-Käufe, keine Push-Notifications. Das Gerät konnte nur das, was Nokia hineinprogrammiert hatte.
Es gab aber auch kein Spam, keine Hackangriffe oder Schnüffelattacken. Auch kein Facebook, TikTok oder Google, die alles mitbekommen hätten, was Communicator-User mit ihrem Gerät gemacht haben. Keine Gesichtserkennung, kein Tracking, keine personalisierten Werbeanzeigen. Das Gerät war kostspielig – aber es gehörte einem wenigstens vollständig.
Heute sammeln unsere Smartphones permanent Daten: Standort, Nutzungsverhalten, Kontakte, Fotos werden analysiert. KI-Systeme erstellen Persönlichkeitsprofile und schlagen vor, was wir als nächstes kaufen oder konsumieren sollen. Der Preis der Vernetzung ist unsere Privatsphäre geworden.
Nokias verpasste Chance
Leider hat Nokia Geräte mit Touchscreens anfangs belächelt – und den Anschluss an Apple und später Android verloren. Dabei hatte das finnische Unternehmen mit dem Communicator bereits 1996 bewiesen, dass sie die Zukunft der mobilen Kommunikation verstanden hatten.
Nokia brachte noch weitere Communicator-Modelle heraus, doch als 2007 das iPhone kam, war das Spiel vorbei. Die intuitive Touchscreen-Bedienung machte Tastaturen obsolet. Nokia verkaufte seine Handy-Sparte 2014 an Microsoft – das Ende einer Ära.
Aber der Nokia Communicator 9000 bleibt unvergessen als Pionier der mobilen Revolution.
Moderne Smartphones können dank KI fast alles – sie gehören uns aber nicht mehr
Zuletzt aktualisiert am 24.02.2026