Streaming wird immer teurer: Amazon Prime, Netflix und Co. erhöhen kontinuierlich ihre Preise. Was 2022 mit drastischen Preissteigerungen begann, setzt sich 2026 ungebremst fort. Wer bei mehreren Diensten Kunde ist, zahlt mittlerweile das Doppelte von früher.
Die Preiswelle bei Streaming-Diensten nimmt kein Ende. Was Amazon im Juli 2022 mit einer Preiserhöhung von 69 auf 89,90 EUR jährlich für Prime begonnen hat, entwickelte sich zu einem Branchentrend. Mittlerweile kostet Amazon Prime in Deutschland bereits 99,90 EUR pro Jahr oder 9,99 EUR monatlich – fast 45 Prozent mehr als noch vor vier Jahren.
Lapidare E-Mail von Amazon
Streaming wird zum Luxus
Was als günstiger Ersatz für Kabel-TV begann, entwickelt sich zunehmend zum teuren Vergnügen. Netflix Premium kostet mittlerweile 19,99 EUR monatlich, Disney+ liegt bei 11,99 EUR, Sky/Wow verlangt je nach Paket zwischen 9,99 und 24,99 EUR. Wer als Familie mehrere Dienste nutzt, zahlt schnell über 70 EUR pro Monat – mehr als früher ein komplettes Pay-TV-Paket kostete.
Die Begründungen sind immer ähnlich: Inflation, gestiegene Produktionskosten, höhere Lizenzgebühren. Amazon begründete seine erste deutsche Preiserhöhung 2022 noch mit „generellen und wesentlichen Kostenänderungen aufgrund von Inflation“. Heute sind solche Erhöhungen Routine geworden – meist im Jahresrhythmus.
Abo-Müdigkeit trifft auf Gewinnzwang
Der Hauptgrund für die kontinuierlichen Preiserhöhungen: Das explosive Wachstum der Streaming-Ära ist vorbei. Netflix verlor 2022 erstmals Abonnenten und kämpft seitdem mit stagnierenden Nutzerzahlen. Disney+ wächst langsamer als erwartet, Amazon Prime stößt in Deutschland an Sättigungsgrenzen.
Gleichzeitig explodieren die Kosten für Content. Allein Netflix investiert jährlich über 15 Milliarden Dollar in eigene Produktionen. Der „Streaming-Krieg“ um exklusive Inhalte treibt die Lizenzkosten in astronomische Höhen. Diese Kosten werden direkt an die Kunden weitergegeben.
Hinzu kommt die sogenannte „Abo-Müdigkeit“: Viele Haushalte haben bereits vier oder mehr Streaming-Abos und scheuen weitere Verpflichtungen. Wachstum ist nur noch über Preiserhöhungen möglich.
Unübersichtliches Angebot: Wer streamt es? hilft weiter…
Werbung als neuer Standard
Fast alle großen Anbieter haben mittlerweile günstigere, werbefinanzierte Tarife eingeführt. Netflix startete 2022 mit seinem „Standard mit Werbung“-Paket für 4,99 EUR, Disney+ folgte mit einem Werbe-Tier. Auch Amazon Prime Video bietet seit 2024 ein günstigeres Modell mit Werbeunterbrechungen.
Diese Werbe-Modelle sind jedoch oft mit Einschränkungen verbunden: weniger Inhalte, niedrigere Auflösung, oder wie bei Netflix, kein Offline-Download. Die Werbung selbst wird immer aufdringlicher – teilweise mit bis zu fünf Spots pro Episode.
Paradoxerweise kosten diese „günstigen“ Werbe-Abos heute oft mehr als die ursprünglich werbefreien Pakete vor wenigen Jahren. Netflix‘ Werbe-Abo für 4,99 EUR entspricht preislich dem ehemaligen Standard-Paket von 2020.
Streaming-Hopping wird zur Notwendigkeit
Immer mehr Nutzer praktizieren „Streaming-Hopping“: Sie kündigen regelmäßig Abos und wechseln je nach gewünschten Inhalten zwischen den Diensten. Das funktioniert besonders gut bei saisonalen Inhalten – Disney+ für Marvel-Serien, Netflix für bestimmte Shows, Amazon Prime für Thursday Night Football.
Tools wie „Wer Streamt es“ oder JustWatch sind dabei unverzichtbar geworden. Sie zeigen nicht nur, wo Inhalte verfügbar sind, sondern auch in welchen Preismodellen. Neue Apps wie „Streaming-Kalender“ erinnern sogar daran, wann welche Serien starten, um Abos rechtzeitig zu reaktivieren.
Bundling und Familientarife als Ausweg
Einige Anbieter versuchen, der Preiswiderstand durch Bundles zu durchbrechen. Amazon kombiniert Streaming, Musik, eBooks und Versandvorteile. Apple bietet mit Apple One ein Komplettpaket aus Music, TV+, iCloud und mehr. Auch Telekom und Vodafone schnüren Pakete mit mehreren Streaming-Diensten.
Familientarife werden attraktiver: Netflix erlaubt bis zu vier gleichzeitige Streams, Disney+ bis zu vier Profile. Aber auch hier wird abkassiert – Netflix führte 2023 Gebühren für das Teilen von Accounts außerhalb des Haushalts ein, andere Anbieter folgten.
Die Zukunft wird noch teurer
Experten prognostizieren weitere Preissteigerungen. Besonders Sports-Streaming wird teurer – Amazon zahlt Milliarden für NFL-Rechte, Apple investiert massiv in Fußball, Netflix steigt ins Live-Sport-Geschäft ein. Diese Kosten werden auf alle Nutzer umgelegt, auch die sich nicht für Sport interessieren.
Gleichzeitig steigen die technischen Ansprüche: 4K wird Standard, 8K und HDR treiben die Produktionskosten weiter nach oben. KI-generierte Inhalte könnten langfristig Kosten senken, dürften aber zunächst zusätzlich zu menschengemachten Inhalten produziert werden.
Für Verbraucher bedeutet das: Streaming wird vom günstigen Netflix-Abo für 7,99 EUR zur komplexen, teuren Medienlandschaft. Wer heute das gleiche Angebot wie 2020 haben will, zahlt oft das Doppelte. Die goldenen Streaming-Jahre sind definitiv vorbei.
Zuletzt aktualisiert am 21.02.2026