Lerne KI in neuem Online-Kurs, jetzt starten.

X nach zwei Jahren Musk: Vom Twitter-Chaos zur Social-Media-Ruine

von | 24.04.2023 | Social Networks

Über zwei Jahre nach Elon Musks Twitter-Übernahme und der Umbenennung zu X ist das Chaos größer denn je. Während Konkurrenten wie Threads und Bluesky boomen, kämpft X mit Nutzerschwund und technischen Problemen. Eine aktuelle Bestandsaufnahme.

Was als Revolution des digitalen Diskurses angekündigt wurde, ist zur größten Social-Media-Bauchlandung der Geschichte geworden. Im Oktober 2022 übernahm Elon Musk Twitter für 44 Milliarden Dollar – heute ist X nur noch einen Bruchteil davon wert. Experten schätzen den Wert auf etwa 8-12 Milliarden Dollar.

Twitter hat damit angefangen, blaue Haken gegen Bezahlung anzubieten

Twitter hat damit angefangen, blaue Haken gegen Bezahlung anzubieten

X Premium: Der gescheiterte Goldrausch

Aus dem chaotischen Twitter Blue von 2023 wurde X Premium – aber das Grundproblem blieb. Wer heute 8 Euro monatlich zahlt, bekommt den blauen Haken und einige Features wie längere Posts, bessere Videoqualität und angeblich mehr Reichweite. Doch der erhoffte Goldrausch blieb aus: Nur etwa 1-2% der aktiven Nutzer zahlen für Premium.

Die Verwirrung ist komplett: Es gibt jetzt goldene Haken für Unternehmen, graue für Regierungen und blaue für Bezahlkunden. Echte Verifikation? Fehlanze. Jeder kann sich jeden Namen kaufen und bekommt einen Haken – Betrug und Identitätsdiebstahl inklusive.

Besonders absurd: Viele prominente Accounts verweigern X Premium demonstrativ. Selbst ehemalige Twitter-Fans wie Stephen King oder Mark Cuban haben der Plattform den Rücken gekehrt.

Elon Musk und Twitter: Eine Posse, die politische Schwäche zum Vorschein bringt

Elon Musk und Twitter: Eine Posse, die politische Schwäche zum Vorschein bringt

KI-Chaos und Content-Moderation im freien Fall

Nach den massiven Entlassungen (etwa 80% der Belegschaft) funktioniert die Content-Moderation kaum noch. Grok, Musks hauseigene KI, sollte das Problem lösen – ist aber hauptsächlich durch kontroverse und oft falsche Aussagen aufgefallen.

Desinformation verbreitet sich auf X schneller denn je. Während Konkurrenten wie Meta massiv in KI-basierte Moderation investieren, setzt X hauptsächlich auf Community Notes – ein System, bei dem Nutzer selbst Falschinformationen korrigieren sollen. Das Ergebnis: Verschwörungstheorien und Hassrede nehmen zu.

Besonders problematisch: Musks eigene Posts verstärken oft fragwürdige Inhalte. Seine Reichweite wurde algorithmisch bevorzugt – ein Umstand, der intern als „Power User Multiplier“ bekannt wurde.

Die große Flucht: Wohin gehen die Nutzer?

Während X Nutzer verliert, boomen die Alternativen. Threads von Meta hat mittlerweile über 200 Millionen Nutzer, Bluesky wächst exponentiell und erreichte Ende 2025 die 50-Millionen-Marke. Mastodon etabliert sich als dezentrale Alternative für technik-affine Nutzer.

Selbst für Journalisten und Politiker – einst X‘ Kernzielgruppe – gibt es bessere Optionen. Die EU-Kommission ist komplett zu anderen Plattformen gewechselt, deutsche Medien reduzieren ihre X-Präsenz drastisch.

Der Grund ist klar: Die Reichweite organischer Posts ist eingebrochen, während bezahlte Inhalte bevorzugt werden. Für Marken und Politiker, die authentisch kommunizieren wollen, ist X unbrauchbar geworden.

Die gescheiterte „Everything App“ Vision

Musks große Vision einer „Everything App“ nach WeChat-Vorbild ist komplett gescheitert. Zwar wurden Features wie Bezahlfunktionen und Jobsuche angekündigt, doch die Umsetzung ist mangelhaft.

Die wenigen neuen Features sind buggy und wenig durchdacht. Video-Calls funktionieren sporadisch, die Shopping-Integration ist rudimentär, und die versprochenen Krypto-Zahlungen kommen nicht voran.

Stattdessen konzentriert sich Musk auf politische Statements und die Integration seiner anderen Unternehmen. X wird zunehmend zur Werbeplattform für Tesla, SpaceX und seine politischen Ansichten.

Werbekunden im Exodus

Das größte Problem: Der Werbe-Exodus hält an. Disney, Apple, IBM und hunderte andere Marken haben ihre Budgets drastisch reduziert oder komplett gestrichen. Musks öffentliche Ausfälle gegen Werbetreibende („Go fuck yourself“ an Disney-Chef Bob Iger) haben die Situation verschärft.

X Premium und andere Paid-Features können die Verluste nicht kompensieren. Insider berichten von drastischen Umsatzeinbrüchen – manche Quartale liegen 70% unter den Vorjahreswerten.

Technische Infrastruktur am Limit

Die massive Personalreduzierung rächt sich auch technisch. Server-Ausfälle häufen sich, neue Features sind voller Bugs, und die mobile App wird immer instabiler. Während Konkurrenten in moderne Cloud-Infrastrukturen investieren, kämpft X mit Legacy-Problemen.

Besonders peinlich: Wichtige Events wie Wahlen oder Sportereignisse führen regelmäßig zu Überlastungen. Die Plattform, die einst für Echtzeit-Information stand, ist unzuverlässig geworden.

Ausblick: Das Ende einer Ära?

X steht 2026 vor einem Scheideweg. Die Nutzerzahlen sinken kontinuierlich, die Werbeeinnahmen brechen weg, und die Konkurrenz wird stärker. Selbst eine Übernahme durch andere Tech-Giganten wird spekuliert – Microsoft, Google oder Meta könnten interessiert sein.

Für Musk wird X zunehmend zur Belastung. Seine anderen Unternehmen Tesla und SpaceX leiden unter seinem X-Fokus. Branchenkenner erwarten, dass er die Plattform 2026 oder 2027 abstößt – mit enormen Verlusten.

Die Ära des Bird-Apps ist definitiv vorbei. Was als demokratisierte Meinungsplattform begann, wurde zum chaotischen Experiment eines Milliardärs. Die Zukunft des öffentlichen Diskurses findet woanders statt.

Zuletzt aktualisiert am 19.02.2026

superboard small
schieb.de App Download
ebooks schlauer
Jörg Schieb bietet mit Pro, Plus und Flat digitale Newsletter, eBooks und Anleitungen für Menschen, die sich in der digitalen Welt zurechtfinden wollen.